Blüte des Monats September

Goldrute (Solidago)
Heute möchte ich euch eine Pflanze vorstellen, bei deren Name sich die Nackenhaare von vielen Naturfreunden reflexartig sträuben, die aber auch unbekannte Seiten hat und unseren Bienen, Hummeln und Schmetterlingen verlässlich über eine blütenarme Zeit hilft.
Die Goldrute hat leider keinen guten Ruf und eine durchgehend schlechte Presse ... so schlecht, dass ganz vergessen gegangen ist, dass es auch eine einheimische Goldrutenart gibt!
Die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea) wird teilweise sogar von wohlmeinenden Spaziergängern ausgerissen, obwohl sie kein Neophyt und in Mitteleuropa heimisch ist. Von den beiden Neuzuzüglern Riesengoldrute und Kanadische Goldrute ist sie eigentlich gut zu unterscheiden, da der Blütenstand viel lockerer und die Einzelblüten grösser sind. Sie besiedelt gerne trockene, nährstoffarme Standorte, oft an Waldrändern oder Waldlichtungen und so kann man sie auch im Garten gut verwenden, gerade in naturnahen Pflanzungen macht sie sich sehr gut.
In manchen Gärtnereien kann man auch eine Zwergform von ihr erwerben (Zwerggoldrute, Solidago virgaurea var. minutissima), die nur 5-10cm hoch wird und sich ausgesprochen gut auf Mauerkronen, in Steingärten oder auch in sogenannten „Tischgärtchen“ kombinieren lässt.
Die beiden anderen häufigsten Goldruten (immerhin umfasst der Begriff „Goldruten“ laut Wikipedia um die 100 Arten, die hauptsächlich in Nordamerika beheimatet sind), die für den schlechten Ruf dieser Familie gesorgt haben, sind die Riesen- oder Späte Goldrute und die Kanadische Goldrute. Die Namen sind etwas irreführend, da die Kanadische Goldrute eigentlich später blüht und meist höher wird. Man kennt sie besser an den elegant geschwungenen, lockeren Rispenästen und an den behaarten Stängeln im unteren Bereich. Sie ist übrigens schon seit 1648 in Europa angekommen!
Die Riesengoldrute (Solidago gigantea) blüht deutlich spektakulärer und in dichten Rispen, ein Anziehungspunkt für viele Insekten im Herbst. Wenn man sie im Garten hat, wird man immer wieder mal auf den „bösen Neophyten“ angesprochen, obwohl es sie in vielen, auch nicht wuchernden Sorten gibt. Leider werden da alle Goldruten unter Generalverdacht gestellt, obwohl sie durchaus wertvolle Gartenpflanzen sind, vor allem mit Blick auf den Klimawandel.
Im Buch „Bienenweide“ von G. Pritsch wird beiden Neophyten der Nektarwert 3 und der Pollenwert 2 (von 4 möglichen Stufen) zugewiesen und die lange, späte Blütezeit macht sie doppelt wertvoll.
So weitverbreitet und verhasst die Goldruten sind, so überschätzt wird auch ihr Schadpotenzial. Wirklich Probleme machen sie vor allem auf Magerrasen, wo sie mit ihren Ausläufern die einheimische Flora verdrängen können. Meist jedoch wächst die Goldrute auf ruderalen Standorten, d.h. auf vom Menschen geschaffenen Brachflächen, wo sie durchaus eine Bereicherung darstellen kann. Denn wir Imker können unsere Bienen mit Zuckerwasser füttern, aber den Hummeln und Wildbienen können wir so nicht über die blütenarme Spätsommer- und Herbstzeit helfen. Unsere Honigbienen profitieren trotz Zuckerfütterung auch vom Pollen, den wir nicht wirklich in irgendeiner Form ersetzen können und für die Gesundheit der Bienenvölker immens wichtig ist.
Apropos Gesundheit: nicht umsonst hat die heimische Goldrute auch den Beinamen „Jakobsstab“ oder „Heidnisch Wundkraut“, denn sie ist auch in der Naturheilkunde bekannt. Sie wird bei Nierenleiden als Tee eingesetzt, gilt als stoffwechselfördernd und stärkt die Gefässwände. Bei Asthma und Keuchhusten wird ihr schleimlösende Wirkung nachgesagt.
Im Mittelalter wurde sie zur Wundbehandlung eingesetzt und sogar als Wünschelrute zur Suche von Goldschätzen! Zudem sollten lockere Zähne durch ihre Wirkung wieder fest werden, wohl eine vergebliche Hoffnung.
Zu guter Letzt wurde und wird sie wieder als Färbemittel eingesetzt, sie färbt Stoffe in einem schönen Goldgelb.
Alles Gründe, diese Pflanze ein bisschen zu rehabilitieren und in den Garten zu holen. Es gibt sehr unterschiedliche Zuchtformen, die sich schön z.B. mit Herbstastern kombinieren lassen. Die Wuchshöhen reichen von 5cm bis 2m, fast alle vertragen sehr gut Trockenheit und sind sehr pflegeleicht. Ein Rückschnitt nach der Blüte reicht – womit auch das Thema der unerwünschten Verbreitung erledigt wäre.
Oder man setzt gleich die einheimische Gewöhnliche Goldrute und fördert so deren Verbreitung!
Margit Siegrist


Vergleich des Blütenstandes der Kanadische Goldrute links zur Gewöhnlichen Goldrute rechts. Aus "Was blüht denn da?" Kosmos-Naturführer