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Der (Grün)Spargel (Asparagus officinalis)
Diesen Monat möchte ich euch eine Gartenpflanze ans Herz legen, die nicht nur - wie sonst üblich - in den professionellen Gemüsefeldanbau verbannt werden sollte.
Die Heimat des Spargels ist Mittel- und Südeuropa, er wächst bei uns aber auch ab und zu verwildert auf passenden Böden. Am liebsten mag er sandiges Terrain, das keine Staunässe aufweisen sollte, da sonst seine Wurzeln verfaulen.
Die meisten Leute kennen ihn aber wohl nur als mehr oder weniger bleiches Etwas auf dem Teller, mit Sauce hollandaise oder Schinken garniert. Aber er hat auch durchaus Qualitäten, die man im eigenen Garten gebrauchen kann!
Wenn man eine elegante, niedrige Sichtschutzhecke pflanzen möchte, denkt man selten an den Spargel. Auch als Bienenweide ist er nicht wirklich bekannt. Und möchte man ohne viel Aufwand feines Gemüse ernten, ist so eine Hecke ideal.
Denn nur der weisse Bleichspargel ist sehr arbeitsaufwendig, da er vor dem Austrieb in etwa 25cm Tiefe geerntet wird und deshalb einen Damm benötigt.
Dagegen wird grüner (oder violetter) Spargel einfach über der Erde abgeschnitten, in der Länge, in der man ihn in der Küche haben möchte.
Ist die Ernte spätestens an Johanni (24. Juni) abgeschlossen, gibt man der erschöpften Pflanze eine angemessene Menge Kompost oder Mist und lässt sie wachsen.
Heraus kommt eine hübsche, filigrane Hecke mit immerhin 1,50 bis 2m Höhe, die bestens vor Wind oder Blicken schützt und sich bald mit kleinen, unscheinbaren Glöckchen ziert. Diese winzigen, grünlichen Blüten haben es allerdings in sich...mit immerhin Nektar- und Pollenwert 3 (von 4 Stufen, nach Pritsch). Dementsprechend gerne werden sie von Honig- und Wildbienen besucht, wobei der erstaunlich farbige Pollen bald dicke Pollenhöschen bildet. Im Dickicht der Spargeltriebe fallen die Bienen und Hummeln nur durch ihre knallorangene Pollenfracht und eifriges Summen auf.
Wer so eine Spargelhecke pflanzen möchte, kann im Frühjahr in fast jedem Gartencenter die seesternartigen Wurzeln kaufen. Meist werden allerdings rein männliche Hochleistungssorten angeboten, die durch Samen nicht vermehrt werden können. Aber auch alte Sorten lassen sich finden, wenn man darauf Wert legt.
Hat man die Rhizome erstanden, legt man an der Stelle der gewünschten Hecke einen rund 30 cm tiefen Graben an, lockert dort nochmals die Erde und arbeitet Kompost oder anderen organischen Dünger ein. Die Wurzeln werden in den Graben gelegt, die „Arme“ schön ausgebreitet und dann mit Erde bedeckt.
Die ersten zwei Jahre sollte man nicht oder nur wenig ernten, damit er Reserven anlegen kann ... dann kann man mit etwa 8 Stöcken eine Familie schon gut mit dem Edelgemüse versorgen, je nach Wetterlage!
Mit der Kirschreife beziehungsweise nach Johanni wird die Ernte - wie schon gesagt - beendet, damit die Pflanze sich wieder erholen kann. Je nach Klima und Sorte blüht der Spargel dann vom Juni bis in den September hinein und später zieren rote Beeren die Sträucher. Im Herbst braucht man dann nur noch ein Mal die Schere in die Hand nehmen und die vergilbten Stängel abzuschneiden, mehr Arbeit macht die Kultur des Grünspargels nicht. Im Winter ist von der recht hohen und dichten Hecke nichts zu sehen und so kann man das Licht geniessen, dass eine immergrüne Hecke um diese Zeit nicht durchlassen würde. Wird es wieder warm und der Garten als Aufenthaltsort attraktiver, wird auch der Spargel wieder verlässlich auftauchen!

Margit Siegrist

Grünspargel
Hecke aus Grünspargel

Die Rose (Rosa)
Kommt das Gesprächsthema auf Gartenrosen, hält sich die Begeisterung der Imker meist schwer in Grenzen. Manch einer denkt an die gefüllten Edelrosen der Eltern und ihren meist hohen Pflegeaufwand ohne jeden Wert für die Insekten.
Es geht aber auch anders!
Es gibt nicht nur eine grosse Vielfalt von Wildrosen, auch einige moderne Züchtungen lassen sich in Insektenaugen durchaus sehen und werden rege besucht.
Die Rose in ihren verschiedenen Arten ist auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet, unsere Kulturrosen haben allerdings vermutlich ihren Ursprung in Asien.
Schon seit sehr langer Zeit wurden Rosen zum Beispiel in Persien angebaut, vermutlich zur Gewinnung von Rosenöl. Aber auch bei Ägyptern und Römern mangelt es nicht an schriftlichen Zeugnissen der Rose und bei den Kelten und Germanen fand man Spuren von Hagebutten in den ausgegrabenen Siedlungen.
So begleitet die Rose die Menschheit wohl schon sehr lange als Nutz- und Zierpflanze.
Auch heute nennt man -laut Wikipedia- in der Ostschweiz die Friedhöfe „Rosengärten“ und die Blüte war nicht nur ein Zeichen der Liebe, sondern auch der Vergänglichkeit und Schmerz (jeder Gartenbesitzer, der mit bedornten Rosen umgeht, weiss warum..).
Schon lange wurde die Rose auch als Heilpflanze genutzt, schon im Mittelalter wurde sie hier dafür in Klostergärten angebaut. Auch heute nutzt man die Rosenblätter und vor allem die Hagebutten für verschiedene Heilzwecke, vor allem bei Erkältungen, Darmleiden und Gelenkschmerzen wie Gicht und Rheuma.
Unsere Bienen freuen sich jedenfalls sehr über Nektar und Pollen, immerhin im Wert 2 (von 4 nach Pritschs Buch „Bienenweide“). Vor allem am Morgen sind unsere Kletterrosen im Juni ein Anziehungspunkt für alle Bienen und Hummeln. Es ist herrlich, mit dem fleissigen Summen im Hintergrund auf der Terrasse zu frühstücken!
Je nach Rosenart und Standort blüht es von Ende Mai bis zum ersten Frost, so dass man bei geschickter Wahl der Sorten immer irgendwo im Garten Rosenblüten bewundern kann.
In unserem Garten haben sich vor allem die Kletterrose „Ghislaine de Feligonde“, der Rambler „Marie Louise“ und die Strauchrose „Mozart“ bewährt, aber es gibt eine unüberschaubare Zahl von Sorten und Blütenfarben. Inzwischen werden auch extra „Bienenrosen“ angeboten, wie die niedrige Beetrose „Sternenflor“. Über den Daumen gepeilt, kann man sagen: je gefüllter eine Rose ist, desto ungeeigneter ist sie für unsere Insekten.
Am besten sind so genannte „Anfängerrosen“ wie die schon erwähnte „Ghislaine de Feligonde“. Sie verträgt sogar Halbschatten und bildet nach der Hauptblüte im Mai/Juni zuverlässig weitere Blüten bis zum Frost. Obwohl sie doch recht gefüllte Blüten hat, ist sie bei den Bienen sehr beliebt. Andere Rambler wie „Marie Luise“ und „Perennial Blue“ sind ungefüllt und bieten noch leichteren Zugang zu Nektar und Pollen, letztere blüht ebenfalls mehrmals.
Alle erwähnten Rosen bilden Hagebutten, die nicht nur bei den Vögeln, sondern bei vielen kleinen Säugetieren (bis hin zum Fuchs!) beliebt sind. Dadurch hilft man vielen Tieren ganz ohne irgendeine zusätzliche Arbeit durch den Winter. Ganz im Gegenteil, man kann mit gutem Gewissen die Schere beiseite lassen und spart sich so doch ein ganzes Stück Zeit zum Wohle der Vogelwelt.

Margit Siegrist

Rose "Marie Luise"
Rose "Mozart"
Rose "Ghislaine de Feligonde"

Saat-Esparsette  (Onobrychis viciifolia)

Hier möchte ich euch eine alte Futterpflanze vorstellen, die mit der Klimaveränderung sehr gut zu recht kommt und so den Landwirten eine Alternative bietet, die auch den Insekten zugute käme.
Die Saat-Esparsette gehört zu den Schmetterlingsblütlern, wie z.B. die Erbsen, und wie sie kann die Esparsette Stickstoff aus der Luft binden. Dadurch ist sie ein Bodenverbesserer und kann nicht nur als eiweissreiche Futterpflanze, sondern auch als Gründüngung verwendet werden. Ihre Wurzeln können bis zu 4m Tiefe erreichen, damit hat sie bei Trockenheit keine Probleme und lockert verdichteten Boden auch bis weit nach unten auf.
Als wären das nicht schon genug positive Eigenschaften für die Landwirtschaft, legt die Esparsette noch einen oben drauf:  sie wirkt bei Wiederkäuern auch noch entwurmend und kann so Parasitenbefall vermindern. Auf der Website esparsette.ch versucht man, den Anbau zu fördern und den Landwirten eine Vermarktungsplattform zu bieten.
Ursprünglich stammt die Esparsette aus dem Nahen Osten, ist bei uns aber schon seit dem 16. Jahrhundert heimisch und wurde im 18. Jahrhundert sogar im grossen Stil angebaut. Das Insekt des Jahres 2008, das gefährdete Esparsette-Widderchen, ist übrigens auf diese Pflanze für seine Raupen angewiesen.
Aber nicht nur im feldmässigen Anbau macht die Esparsette eine gute Figur, auch im Garten ist sie wunderschön und braucht nie gegossen zu werden. Als ausdauernde Staude wird sie jedes Jahr wieder kommen und immer schöner. Perfekt für den pflegeleichten Garten!
Und auch den Bienen bietet sie viel: Nektar und Pollen satt, laut dem Buch „Bienenweide“ von G. Pritsch im höchsten Wert 4.
Die Blüte erstreckt sich von Mai bis in den Juli und ist mit den langen rosafarbenen Blütenähren sehr zierend. Manchmal entdeckt man sie heutzutage wild an Strassenböschungen und in Magertrockenrasen, sehr zur Freude der Bienen und Hummeln.
Im Rahmen der Klimaveränderung und einem nötigen Wechsel in der Fruchtfolge (um den Boden zu schonen und Schädlingen die Lebensgrundlage zu entziehen) wäre ihr ein Revival zu gönnen!

Margit Siegrist

Der Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Am Ende dieses recht ereignisreichen Monats möchte ich euch noch schnell eine selten im Garten geduldete Pflanze vorstellen.
So überreich auch dieses Jahr die Obstbäume geblüht und unsere Bienen gut versorgt haben, eine Blume sorgt in fast jedem Frühjahr zuverlässig für eine Tracht ... der einfache Löwenzahn.
Verschiedenste Namen trägt er im Volksmund, angeblich an die hundert. Kuhblume, Pusteblume, Maienzahn aber auch so despektierliche Namen wie Bettpisser oder Saublume, was er wirklich nicht verdient.
Denn nicht nur unsere Bienen und viele andere Insekten schätzen ihn, sondern er wird auch als Futter-, Heilpflanze und als Salat (vor allem in Frankreich) genutzt.
Laut dem Buch “Bienenweide” von Günter Pritsch hat der Löwenzahn den Nektarwert 3 und den Pollenwert 4 (von 4 Stufen) und bietet diese Gaben über fast 3 Monate von April bis Anfang Juni an, wobei einzelne Pflanzen auch schon viel früher und später blühen.
Ursprünglich wuchs er gemäss Fachliteratur im Himalayagebirge, kam aber schon vor Jahrhunderten zu uns und hat sich bestens eingebürgert.
Wer die Bienen beim Pollensammeln beobachten will, muss schnell sein ... denn wenn der Löwenzahn die Blüten öffnet, ist innerhalb von einer Viertelstunde alles leer gesammelt. Laut Helmut Hintermeier wird über die Hälfte aller Pollenhöschen von den Bienen zwischen 7 und 9 Uhr eingetragen.
Aber nicht nur die Honigbienen profitieren. Laut Paul Westrich ist der Pollen für 41 Furchenbienenarten, 28 Sandbienenarten und 3 Mauerbienenarten wichtig, der Nektar wird natürlich auch von einer grossen Vielfalt anderer Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen genutzt.
Was man oft vergisst, sind die Vögel ... von den kleinen gerippten Samen ernähren sich zum Beispiel Grünfinken,Gimpel und Stiglitze. Und jedes Kind kennt das schöne Pusteblumenspiel, bei dem die kleinen Schirmchen die Samen weit tragen und die nächste Löwenzahngeneration auf den Weg schicken, sehr zum Ärger aller Besitzer eines “englischen Rasens”.
Interessanterweise gibt es sehr viele Löwenzahnpflanzen, die einen drei- oder sogar vierfachen Chromosomensatz (statt dem normalen zweifachen) tragen und sich somit nicht mehr mit anderen Löwenzahnpflanzen kreuzen können, was eine Unmenge Unterarten und Sonderformen hervorbringt. Was unseren Bienen völlig egal ist, sie besuchen alle Formen und benötigen über 100‘000 Blütenbesuche für 1 kg des aromatischen Honigs.
Durch die lange Pfahlwurzel ist der Löwenzahn nicht nur schwer aus dem Rasen zu bekommen, er hilft der Pflanze sehr bei der  Wasserversorgung, da er Nachschub aus 1 bis sogar 2 Meter Tiefe holen kann ... Trockenheit macht ihm so nicht viel aus und auch die schmalste Ritze im Asphalt kann er für sein Dasein nutzen.
Auch den Menschen hat er schon durch schwere Zeiten geholfen, da er in Hunger- und Kriegszeiten als Nahrungsmittel und seine Wurzel auch als Kaffeeersatz herhielt.
In Frankreich wird er heute noch feldmässig angebaut und vor allem gebleicht auf Märkten verkauft. Vor der Blüte sind die Bitterstoffe noch  nicht so ausgeprägt und so kann man ihn auch bei uns nutzen, wenn man eine dementsprechende Wiese kennt. Doch leider muss man da sehr aufpassen, wie meine Bilder zeigen ... an einem Tag eine herrliche Löwenzahnwiese, ein paar Tage später schon ein mit Glyphosat behandeltes Maisfeld. Was die Berater des Landwirtschaftsamtes als wegweisend und bodenschonend anpreisen, die pfluglose Saat des Maises, könnte für unseren Honig zur Gefahr werden, wie die Ereignisse in Deutschland zeigen. Dort musste eine Imkerei zwei Mal ihren gesamten Honig vernichten, da die Bienen auf solchen blühend abgespritzten Feldern gesammelt hatten! Auch hier zeigt sich wieder, wie wichtig die Information der Landwirte und die Zusammenarbeit mit ihnen ist  - denn kein Bauer wird absichtlich so einen Schaden anrichten wollen.

Auch bei den Gartenbesitzern gilt es, den Löwenzahn ein besseres Image zu geben. Schliesslich kann man ihn für die Gesundheit nutzen und so einen Mehrwert vom “Unkraut” erhalten, das sowieso nur schwer aus dem Garten zu vertreiben ist. Der Löwenzahn trägt nicht umsonst im lateinischen Namen das “officinale”, wie die meisten grossen Heilpflanzen auch.
Er ist harntreibend, leberschützend, regt den Gallenfluss an, hilft bei Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit. Seine Extrakte haben sich als krebshemmend erwiesen und als leistungssteigernd.
Er ist es also wirklich wert, mehr geschätzt zu werden .. .sowohl als Viehfutter als auch als Nahrungsmittel.

Margit Siegrist

Liebe Imkerinnen und Imker

Die Bienen sind fleissig unterwegs, nur wir dürfen uns im Moment nicht treffen, um uns auszutauschen. BienenSchweiz und der Bienengesundheitsdienst BGD bieten in dieser schwierigen Zeit ein neues Dienstleistungsangebot an. Bitte macht rege Gebrauch davon.

Newsletter: Interessierte können sich unter www.bienen.ch/newsletter ab sofort für den neuen BGD-Newsletter anmelden.

Online Live-Veranstaltungen: Ab dem 21. April bietet der BGD übers Internet kurze Weiterbildungssequenzen à ca. 30 Minuten an. Für die Teilnahme braucht es lediglich einen Computer mit einer einigermassen schnellen Internetverbindung. Der Zugriff erfolgt entweder über einen Internetbrowser (Chrome, Edge, Firefox, Internet Explorer 11 oder Safari) oder über ein Microsoft Teams-Konto. Eine vorzeitige Anmeldung ist nicht nötig, da die Teilnehmerzahl für diese Art von Anlass nicht beschränkt ist.

Die Links zu den geplanten Anlässen (Thema, Datum/Zeit und Teilnahmelink) sind unter www.bienen.ch/bgd-anlaesse ersichtlich.

Handyvideos: Anhand von kurzen Handyvideos zeigen BGD-Mitarbeitende aktuell auf dem Bienenstand anfallende Arbeiten. Die ersten Videos werden Ende April/Anfang Mai online sein. www.bienen.ch/merkblatt