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Warum haben unsere Orangen, Mandarinen und Zitronen, die wir so gerne um diese Zeit geniessen, eigentlich kaum oder keine Kerne?
Eigentlich eine Eigenschaft, über die man als Verbraucher gar nicht nachdenkt. ... die man bei unseren heimischen Äpfeln, Birnen etc. aber nie findet.
Persönlich hielt ich dies immer für eine Sorteneigenschaft ... wie die bekannten kernlosen Tafeltrauben, die durch Veredelung vermehrt werden und nie selber Kerne bilden.
Aber als wir diesen Oktober bei einer Bekannten auf der schönen italienischen Insel Ischia zu Besuch waren, fiel mir eine Bemerkung der Gastgeberin auf: Ihr Nachbar hätte lange Bienen in den Zitronenhainen oberhalb des Ortes gehalten, wäre aber jetzt dort weg gezogen und hätte deshalb den feinen Zitronenhonig nicht mehr. Auf das Warum hatte sie keine Antwort.
Im „Deutschen Bienenjournal“ vom November 2019  stand  in der Spalte „Kurz zitiert“ dann die Antwort: Als Bericht von der Apimondia  „Die Bienen müssen weg, wenn die Zitrusbäume blühen“.
Dort stand, das die spanischen Imker einen jahrelangen Streit gegen die Zitrusbauern verloren hätten und ihre Bienen auf Weisung der Provinzbehörde Valencia aus den blühenden Obstgärten abziehen müssten, wenn dies der Besitzer verlangt.
Denn was für die Imker feinen Zitrusfrüchtehonig bedeutet, bedeutet für den Bauern eben Kerne, die der Verbraucher nicht in den Früchten möchte!
Denn anders als unsere heimischen Obstbäume bilden die meisten Zitrusbäume durchaus Früchte, wenn sie nicht bestäubt wurden.
Dies geschieht vornehmlich durch Insekten und nur zum Teil auch durch Wind oder Selbstbestäubung. Keine Insekten und möglichst nur die gleiche Sorte in der Nähe verhelfen so zu (fast) kernlosen Früchten.
Leider habe ich keine Untersuchung gefunden, die die Inhaltsstoffe dieser künstlich kernlosen Früchte mit den kernhaltigen Exemplaren vergleicht.
Ob es da wohl einen Unterschied gibt?
Schliesslich gibt es bei unseren Äpfeln die Erkenntnis, dass voll bestäubte Exemplare mit vielen Kernen mehr gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe besitzen als unzureichend bestäubte. Und die wertvollsten Exemplare (von der Gesundheit aus gesehen) sind übrigens die Äpfel „mit Wurm“, da der Baum sich mit verschiedenen Stoffen gegen den Befall wehrt.
Zurück zu den Zitrusfrüchten. Da gibt es noch weitere Kuriositäten im Anbau und Verarbeitung! Zum Beispiel die „Entgrünung“. Reife Zitrusfrüchte haben nicht unbedingt die typische Farbe, die wir gewohnt sind. Die Farbe entsteht nämlich nicht durch die Reife der Frucht, sondern durch die Einwirkung von Kälte während der Reifezeit.
Da der Verbraucher aber keine grünen Früchte kauft, werden sie eben künstlich „entgrünt“, mit Wärme und/oder Ethylenbegasung. Die dabei entstehenden Qualitätseinbussen werden in Kauf genommen, weils ja keiner weiss.
Damit die Ernte rationeller wird und man nicht dauernd durchpflücken muss, werden die Bäume gerne einer „Stressperiode“ ausgesetzt, z.B. durch Abstellen der Bewässerung. Danach blühen sie alle gleichzeitig und reifen auch passend alle zusammen.
Sehr interessant ist in dem Zusammenhang der Film „die normale Orange“ von Gebana auf Youtube.
Apropos Gebana ... wer richtig feine Orangen, Zitronen und Grapefruit kosten will, für den lohnt sich der Abstecher auf Gebana.com. Diese kleine Firma hat sich darauf spezialisiert, weltweit „ab Hof“ zu liefern. Im Gegensatz zum Detailhandel liefert der Bauer nicht nach Termin, sondern dann, wenn er die Früchte für reif befindet.
Aber das Warten lohnt sich, denn die Früchte sind unübertroffen gut. Ab und zu finden sich eben dann auch Kerne darin. Wenn man aber weiss, warum, dann kann man – vor allem als Bienenhalter - damit bestens leben, oder?
Margit Siegrist

Die Christrose
In der schweigenden Welt,
Die der Winter umfangen hält,
Hebt sie einsam ihr weisses Haupt,
Selber geht sie dahin und schwindet
Eh der Lenz kommt und sie findet,
Aber sie hat ihn doch verkündet,
Als noch keiner an ihn geglaubt.
(Johannes Trojan 1837-1915)

Weihnachts-Sondertracht
Die milden Temperaturen lassen unsere Zöglinge ausfliegen. Die Christrosen im Garten sind in voller Blüte und tatsächlich entdeckt man Bienen auf den Blüten. Ein wahres Weihnachts-geschenk für die emsigen Sammlerinnen.

Der Vorstand wünscht euch allen ein schönes Weihnachtfest, ein gutes, erfolgreiches neues Jahr, gute Gesundheit, viel Freude, Zufriedenheit und Glück.

Ja ..., wird jetzt der eine oder andere Leser fragen, blüht denn da noch etwas?
Doch, es blüht noch so einiges bei mir im Garten, das erwähnenswert wäre – auch wenn unsere Bienen wegen dem durchwegs trüben Wetter dieses Jahr nicht vorbei schauen und naschen können.
Aber heute möchte ich noch schnell vor Ende Dezember (die Zeit vergeht!) darauf hinweisen, dass noch Pflanzzeit für Krokusse ist! Denn wo man nichts setzt, kann auch im nächsten Frühjahr nichts blühen...dann wenn die Bienen und die ersten Hummeln dringend frischen Pollen benötigen und diese Blüten dankbar annehmen würden.
Vor allem der Elfenkrokus (Crocus tommasinianus) ist eine gute Wahl für alle Insektenfreunde ... er blüht früh und neigt zum Verwildern, wenn ihm der Platz zusagt und man ihm Zeit lässt mit dem Mähen, bis er die Blätter eingezogen hat. Er liebt sonnige bis halbschattige Plätze und eher sandigen Boden ... Staunässe bekommt ihm nicht – wie den meisten Zwiebelpflanzen.
Als Faustregel kommen die Zwiebeln etwa doppelt so tief in den Boden, wie sie hoch sind. Übrigens können Krokusse und auch Tulpen ihre Tiefe im Boden aktiv mit Zugwurzeln verändern, wenn es ihnen nicht so passt wie sie gesetzt wurden ... Insgesamt sind etwa 30 Krokusarten in Kultur, es gibt die verschiedensten Farben und Blütenformen (auch der bekannte Safran gehört zu den Krokussen), manche blühen im Herbst, die meisten im Frühjahr. Über den Daumen gepeilt kann man allerdings sagen, dass je grossblütiger und auffälliger eine Krokusform ist, desto kurzlebiger und aufwendiger in der Pflege ist sie. Für uns Imker sind also eher die Wildformen von Interesse, vor allem auch deshalb, weil sie sicher Nektar und Pollen bieten und man sie zweitens nicht alle Jahre wieder pflanzen muss.
Ein Auge hat man auch besser auf den Lieferanten der Zwiebeln: je stärker sie in der Aufzucht mit Dünger & Co. versorgt wurden, desto weniger kommen sie ohne Fürsorge zurecht und bleiben bald verschwunden.
Eine Entdeckung für mich war da vor zwei Jahren die kleine Versandfirma „Natural Bulbs“ aus Holland, über die mehrere Biobetriebe ihre Blumenzwiebeln selbst vermarkten. Dort gibt es verschiedenste Krokusse in Packungen zwischen 15 und 500 Stück zu vernünftigen Preisen und in sehr guter Qualität und auch das restliche Sortiment an Gartenblumen lässt sich sehen.
So lässt sich selbst ein grosser Bienenstand oder Garten im Frühjahr in ein Blütenmeer verwandeln ... und nur das Wetter muss dann noch mitspielen!
Margit Siegrist

Am 8. November trafen sich die Imkervereine See und Sense zum gemeinsamen Herbsthöck über die Themen Stockwaagen und Wachsverarbeitung, was doch eine Arbeitserleichterung und damit mehr Zeit für die Bienen verspricht ...
Die Vorstellung begann mit viel Schwung Silvio Ziegler der Firma HiveWatch, die ein innovatives und –im Vergleich mit anderen bekannten Herstellern- günstiges Waagensystem anbietet. Da die Völker im Abstand von nur einer Minute gewogen werden, bietet sich ein sehr interessanter Einblick in das Leben und Verhalten unserer Honigbienen.
Nicht nur die Trachtsituation kann so bewertet werden, sondern auch die ausfliegende Bienenmasse gibt einen guten Hinweis auf die Volksstärke und damit verbundene Sammelkraft. Die Daten werden jeden Tag mehrmals zu HiveWatch gesendet und sind dann für den Benutzer per Computer oder Smartphone einzusehen und zu bearbeiten.
Man kann die Völker getrennt oder einzeln ansehen, die Leistung im Jahresverlauf bewerten und auch mit den Gewichtsverläufen am eigenen Bienenstand oder aus der ganzen Schweiz vergleichen. Zum Beispiel zeigt sich momentan gut, welches Volk schon brutfrei ist und welches noch nicht ... einfach anhand der Gewichtsabnahme pro Woche, da die brutfreien Völker schon deutlich weniger Futter verbrauchen.
Bei einem auffälligen Gewichtsverlust bekommt der Imker eine Nachricht auf sein Mobiltelefon, sei es bei einem Schwarm, Räuberei oder Diebstahl/umgefallener Beute. Auch störende Faktoren wie schlagende Äste im Wind oder sogar ein Spechtbesuch können erkannt werden, ohne das man im Winter jeden Tag eine Runde um den Bienenstand drehen müsste –gerade bei etwas abgelegenen Bienenständen sehr praktisch.

Der zweite Vortrag des Abends bestritt das Team von der Stiftung Applico, das mit viel Herzblut ihr neues Angebot der Wachsverarbeitung vorstellte. Jeder Imker, der schon ein Mal seine Mittelwände selber gegossen hat, weiss, welchen Aufwand das jedes Mal bedeutet. Alles herrichten, den Boden abdecken, das Wachs schmelzen, die Mittelwände herstellen und am Schluss natürlich alles wieder aufräumen. Zudem können die wenigsten Imker ihr eigens Wachs entseuchen, also genügend lange und genügend hoch erhitzen.
Diesen Service bietet nun die Stiftung Applico an, jeder Imker kann sein Wachs ab 4 kg ohne Voranmeldung während der Öffnungszeiten in den Ateliers in Schmitten oder Murten vorbei bringen.
Der Gruppenleiter Viktor Schuwey bat nur darum, schon ausgeschmolzenes Wachs zu bringen und nicht Altwaben, da sie schon ganz am Anfang des Projektes eingehende Erfahrungen mit „etwas zu lebhaftem“ Ausgangsmaterial sammeln durften. Geklärt, entseucht und verarbeitet wird das Wachs jedes Imkers getrennt, so dass die Stiftung auch Biowachs in begrenztem Rahmen verarbeiten darf.
Mit den fertigen Mittelwänden bekommt man auch das Restwachs zurück, das im Topf übrig geblieben ist und beim nächsten Mal wieder mitverarbeitet werden kann.
Im Moment sind Schweizermass, Dadant Blatt und modifiziert, jeweils in Brut- und Honigwabengrösse erhältlich, geplant sind später auch z.B. Mini-Plus.
Die Dienstleistung kostet 34 Franken Grundpauschale und je Kilo 14 Franken ... und so hat man als Imker nicht nur viel Zeit gespart und seine Mittelwände für das nächste Jahr parat, sondern darf auch ein gutes Gewissen haben. Denn die Mitarbeiter der Stiftung haben viel Freude an dem neuen Arbeitsbereich und das merkt man!

Margit Siegrist

Der Gewöhnliche Efeu (Hedera helix)

Wenn man im September und Oktober an einem besonnten Waldrand entlang spaziert, kann man den „Gewöhnlichen Efeu“ gut hören - wobei, „gewöhnlich“ ist an dieser unterschätzten und als „Baumwürger“ geschmähten Kletterpflanze schon rein gar nichts!
Schon bei den Griechen als göttliche Pflanze verehrt, galt er auch ab dem frühen Christentum bei uns als Symbolpflanze der „treuen Verbundenheit“ und des „ewigen Lebens“, deshalb wird der Efeu auch so gerne in Friedhofsbepflanzungen verwendet. Aber eine morbide Pflanze ist er deshalb gar nicht, ganz im Gegenteil, er brummt vor lauter Leben – und besonders wenn er blüht! Und das mit dem „ewigen Leben“ kann man gut verstehen, schliesslich kann ein Efeu über 400 Jahre alt werden. Im Herbst blühen sonst wenige einheimische Pflanzen und der Efeu geizt auch nicht mit seinen Gaben, immerhin hat er nach Pritschs Buch „Bienenweide“ einen Nektar-und Pollenwert von 3 (von insgesamt 4 Stufen). Dieser wird auch noch offen angeboten, so dass auch kurzrüsselige Insekten ihn gut aufschlecken können. Das erklärt auch das geschäftige Brummen, sobald die unscheinbaren Blüten erscheinen und das Herbstwetter es zulässt. Unsere Honigbienen sind bei dem Festmahl natürlich gut vertreten und tragen den Pollen in schönen gelben Höschen in den Stock. Aber auch die Efeu-Seidenbiene kann man beobachten, die für die Jungenaufzucht übrigens völlig vom Efeupollen abhängig ist und deshalb erst spät im Jahr während dieser Zeit beobachtet werden kann. Diese Wildbiene ist übrigens ein Bodenbrüter und die neuen Vorkommen, die seit 2006 kartiert werden konnten, befinden sich recht oft in den Sandkästen von Kindern! Da sie völlig ungefährlich ist und ihr Nest gegen Menschen nicht verteidigt, können die Kinder sie in aller Ruhe beobachten. Leider wurde dieser einzige einheimische Wurzelkletterer oft als Baumschädling missachtet, aber er gehört definitiv nicht zu den Parasiten, sondern hält sich mit seinen feinen Wurzelhaaren nur an „seinem“ Baum fest ohne ihm Nähstoffe zu rauben.
Ganz im Gegenteil, man hat festgestellt, dass der Wirtsbaum sogar von den Efeublättern profitiert, die im Frühjahr teilweise (ein Blatt hält etwa 3 - 4 Jahre) abgeworfen werden und den Boden verbessern.
Und wenn man ihn entfernt, wie noch leider oft zu sehen in den Wäldern, dann riskiert man höchstens einen Sonnenbrand der nun überschatteten Rinde. Nur bei kleineren Bäumen, wie bei Obst, sollte man ihn nicht klettern lassen, da er für diese zu gross wird.
Apropos Blätter, die sind ebenfalls besonders bei dieser Pflanze: erst 3- bis 5-lappig und eher eckig bei den jungen „Schattentrieben“, findet man bei den besonnten „Lichttrieben“ dann eiförmige Blätter, die ganz anders aussehen. Erst diese Triebe können dann blühen!
Und wer einen grünen Daumen hat, kann von diesen Lichttrieben Setzlinge ziehen. Das ist zwar viel schwieriger, als von den kriechenden Schattentrieben (sie bewurzeln leicht in feuchter Erde) – aber dann hat man einen etwa 1,5m hohen Strauch, der gar nicht mehr klettert, dafür aber schon von Beginn an wunderbar blüht und sich bestens für die Einfassung eines Bienenstandes oder als Zierde eines Gartens eignet.
Auch kletternd ist der Efeu eine Bereicherung um das Haus herum: Es gibt viele verschiedene Sorten und Blattfärbungen und kletternd/kriechend kann der Efeu eine grosse Fläche begrünen (die Wildform klettert gut 20 m empor), ob horizontal oder vertikal.
Für Sparfüchse und Klimaretter gibt der Efeu gratis eine gute Fassadendämmung ab, laut einer neueren Studie fällt die Temperatur an der Fassade mit Efeu nicht unter Null – und Regenschutz gibt es auch noch dazu. Zudem soll er laut Wikipedia sogar die Luft von z.B. Formaldehyd, Benzol und ähnlichen Schadstoffen reinigen ...
Er bietet Lebensraum für viele Tiere und wenn die Beeren von Februar bis April reifen, auch Nahrung für rund 14 Vogelarten! Dies sind alles gute Gründe, den Efeu in den Garten zu holen oder ihn zumindest zu tolerieren und sich dann am fleissigen Gebrumm im immergrünen Blütenmeer zu freuen!