Autoren-Archive: Andreas Landolf

Zum Thema Bienenwachs schien nach den ganzen Wachsskandalen der letzten Jahre alles gesagt zu sein und dementsprechend vermutete der eine oder andere Besucher des Themenabends eher, nicht viel Neues zu erfahren.
Diese laue Erwartungshaltung wurde aber von Robert „Röbi“ Lerch auf beste und unterhaltsamste Art in Grund und Boden geredet.
Man merkte ihm von Beginn weg an, dass ihm das Thema am Herzen liegt und er durch seine berufliche Erfahrung bei der Wachsumarbeitung von Bienen Meier auch aus dem Vollen schöpfen kann.
Er machte uns klar, dass es für die Mittelwandhersteller sehr schwer ist, überhaupt an qualitativ gutes Wachs zu kommen, da die beste Qualität in Lebensmittelherstellung, Arzneimittel, Kosmetika und sogar Kerzen verschwindet. Und wie wichtig es deshalb ist, auf sauberes Wachs und eigenen Wachskreislauf in der Imkerei zu achten. Einen Zukauf von Mittelwänden, wenn er nötig ist, sollte man nur dort tätigen, wo eine Wachsuntersuchung auf Rückstände stattfindet, um so den Druck auf die Mittelwandverarbeiter zu erhöhen.
Als Beispiel, wie erfolgreich der Druck des Marktes sein kann, führte er das Behandlungsmittel „Check Mite“ an, das innerhalb kürzester Zeit für verheerend hohe Rückstände von Coumaphos im Wachs sorgte. Als alle Wachsverarbeiter beschlossen das Mittel zu boykottieren, brach der Umsatz dermassen ein, dass inzwischen keine Zulassung in der Schweiz mehr beantragt wurde.
Nichtsdestotrotz wird man noch mehr als 20 Jahre diesen Rückständen im Wachs begegnen, das leider ein extrem langes Gedächtnis für eingesetzte fettlösliche Stoffe besitzt. Robert Lerch gab uns den Denkanstoss, dass immer mindestens zwei Imkergenerationen mit den Fehlern der vorherigen im Bienenwachs leben müssen.
Um unsere Motivation bezüglich Ernte und Wertschätzung des Bienenwachses zu erhöhen, rechnete Robert Lerch uns noch schnell vor, dass das Wachs eigentlich fast 400 Franken das Kilo kosten müsste – wenn man Arbeitsleistung und Ressourcenverbrauch der Bienen mit einrechnen würde. Danach war auch der letzte Zuhörer endgültig wach.
Der eine oder andere wird jedenfalls nach diesem Vortrag bestimmt den Plan eines eigenen Wachskreislaufes umsetzen, wenn er ihn nicht schon hat. Die Liste der Stoffe, die für die Qualität des Wachses und damit für die Gesundheit unserer Bienen gefährlich sind, ist einfach zu lange. Bienenmedikamente, Wachsmottenbekämpfungsmittel, Holzschutzmittel und Pestizide kann man nur vermeiden, indem man sauberes, eigenes Wachs verwendet oder eine sehr gute Quelle dafür hat. Beim Wachs zu sparen oder gar Billigangebote im Internet zu nutzen, kommt für den unbedarften Käufer meistens ziemlich teuer, das machte uns Robert Lerch eindrücklich klar. Vielen Dank für diesen erfrischenden Vortrag über ein altbekanntes Thema!

Margit Siegrist

Die Linden sind wohl die absoluten Lieblingsbäume aller Imker, wobei sich allerdings die meisten wohl nicht bewusst sind, welche Vielfalt von Linden es zu entdecken gibt. Mit etwas Geschick und Wissen kann man ein Linden-Trachtfliessband pflanzen, das im Extremfall von Ende Mai bis Mitte Oktober reicht. Und es gibt sogar recht klein bleibende Arten, die als Kübelpflanze gehalten werden können und so auch kleinere Gärten schmücken.
Bei uns heimisch sind nur drei Lindenarten, die Sommerlinde (Tilia platyphyllos), die Winterlinde (T. cordata) und die Kreuzung aus beiden, die Holländische Linde (T. x vulgaris).
Alle drei sind mit bis zu 40m Höhe recht stattliche Bäume und können ein biblisches Alter von bis zu 1000 Jahren erreichen.
Die Unterscheidung ist an Hand der Blätter und Blüten im Sommer relativ einfach: die Sommerlinde hat grössere, schief herzförmige Blätter mit weissen Achselbärtchen auf der Unterseite und ihre Blütendolden enthalten 2-5 Einzelblüten. Sie ist auch die erste Linde, die aufblüht, je nach Wetter auch schon Ende Mai, meist aber spätestens Mitte Juni.
Die Winterlinde kommt etwa 1-2 Wochen später, besitzt kleinere, herzförmige Blätter mit braunen Achselbärtchen und deutlich mehr Einzelblüten pro Dolde, etwa 5-11 Stück.
Die Holländische Linde blüht etwa zeitgleich mit der Winterlinde, mit hellgelben Bärtchen und 3-7 Einzelblüten je Trugdolde.
Die Nektarabsonderung ist laut dem Experten Helmut Hintermeier sehr unterschiedlich, nicht nur je Temperatur und Bodenfeuchtigkeit, sondern auch je Tageszeit und Blühphase. Denn erst blühen die männlichen Anteile der Blüte, danach die weiblichen. In dieser weiblichen Phase kann der Nektarfluss und auch der Zuckergehalt mehr als doppelt so hoch sein wie in der männlichen Phase!
Im Tagesverlauf gibt es zwei Nektarspitzen: einmal vor sechs Uhr morgens mit 16-27% Zuckergehalt und eine abendliche Spitze zwischen 16 und 18 Uhr mit 50-80%. Warum Linden also abends besonders laut summen, dürfte damit geklärt sein!
Jedenfalls waren Linden schon im Mittelalter als Nektarlieferanten so geschätzt, dass sie als „des heiligen Römischen Reiches Bienenweide“ per Bann gegen das Fällen geschützt wurden.
Noch früher wurden sie bei den Germanen und Slawen sogar als heilige Bäume verehrt (während bei den Kelten die Eiche, bei den Franken die Ulme und bei den nordischen Völkern die Esche diese Ehre hatte).
Diese Verehrung überlebte auch die Christianisierung, denn die Linden blieben immer wichtige Bäume im Dorfgeschehen.
Unter den Linden wurde getanzt, geheiratet, aber auch Gericht gehalten. Und nach schrecklichen Zeiten wie Pestepidemien oder Kriegen wurden überall „Friedenslinden“ gesetzt, die heute zum Teil noch als riesige, von der Zeit gebeutelte Baumgiganten davon erzählen.
Die älteste Linde in der Schweiz ist wohl die bekannte „Linner Linde“ beim Dorf Linn im Jurapark Aargau. Sie wird mit rund 800 Jahren (plus minus 100) und einem Stammumfang von über 10m angegeben. Sie wurde angeblich um 1215 auf den Überresten mittelalterlicher Pestopfer gepflanzt.
Die angeblich älteste Linde der Welt (die „Tausendjährige Linde“) befindet sich in Schenklengsfeld/Deutschland und wird mit eventuell sogar 1250 Jahren angegeben. Beides sind Sommerlinden, wobei die älteste Schweizer Winterlinde mit über 700 Jahren auch nicht gerade ein Jungspund ist. Diese „Buchberger Marchlinde“ steht in der Nähe von Zürich.
Vielleicht wäre es wieder mal an der Zeit, mit ein paar Linden die Ortsbilder zu verschönern und ein Zeichen zu setzen. Statt Pestlinden eben mal Coronalinden, zukünftige Generationen würden sich bestimmt darüber freuen. Und dass Bäume die Umgebungstemperatur um bis zu 6 Grad senken können und dazu noch jede Menge Feinstaub binden, müsste man öfters bei den Gemeinden und Städten in Erinnerung rufen ...
Im Stadtbereich trifft man auch am ehesten auf die häufigste „eingewanderte“ Linde, die Silberlinde (T.tomentosa), die 2-4 Wochen später als unsere einheimischen Linden blüht.
Sie stammt ursprünglich aus Südosteuropa, bleibt etwas kleiner und verträgt die höheren Temperaturen und die Abgase in den Städten besser. Auffallend ist die silbern schimmernde Blattunterseite, die ihr ihren Namen gab und der Linde eine ungewöhnliche Fähigkeit verleiht: sie kann die Blätter drehen und mit der silbernen Unterseite die Sonne reflektieren, wenn sie ihr zu unangenehm wird.
Eine Weile war die Silberlinde bei Hummelfreunden schwer in Verruf, da zu ihrer Blütezeit oft sehr viele Hummeln tot am Boden lagen. Man vermutete, dass der Nektar giftig für Insekten sei. Erst eine Studie der Universität Münster klärte den Mordverdacht mit voller Entlastung der Angeklagten auf: die Hummeln waren durch fehlende Blüten in der Umgebung schlicht verhungert, die blühenden Bäume zogen zwar magisch an, konnten aber all die hungrigen Mägen nicht mehr ausreichend füllen. Die Insekten fielen also nicht dem Nektar zum Opfer, sondern der ausgeräumten, blütenarmen Landschaft.
Linden sind übrigens nicht nur durch ihren beliebten, grünlichen Honig für uns Imker wertvoll, auch das Holz war und ist zum Schnitzen sehr geschätzt und die Blüten als Tee gelten als schweisstreibend und Husten lindernd. Selbst der Bast wurde früher für Taschen, Seile und Kleidung benutzt, was kaum mehr bekannt ist.
Apropos Honig: die Linde ist bekannt dafür, dass sie dank reichem Blattlausbefall nicht nur während der Blüte honigt, sondern auch so manchen unwissenden Autobesitzer in den Wutanfall treibt, wenn wieder mal das ganze Fahrzeug klebt.
Während der Lindenblütenhonig eine eher helle, gelblichgrüne Farbe und ein deutliches Menthol-Aroma besitzt, ist der Lindenhonig eher blumiger und farblich dunkelgelb bis hinein in ein schönes Orange.
Wer ein Plätzchen im Garten oder am Bienenstand übrig hat, kann die Lindenblüte übrigens noch deutlich länger geniessen. Denn es gibt laut Bernhard Jaesch von der Gärtnerei Immengarten etwa 45 verschiedene Arten, die auch durch unterschiedliche Blühzeiten punkten. Wer da richtig in Sammlerstimmung gerät, der kann sich unter www.immengarten-jaesch.de unter „Lindensammlung“ genaue Blühzeitpunkte und auch Beschreibungen holen.
Wer aber schon mal die Silberlinde mit ins Boot holt und dann noch die Japanische Linde (T. kiusiana) plus die späteste aller Linden, Henrys Linde (T. henryana), der kann eventuell sogar noch Mitte Oktober den tollen Duft und das Summen geniessen!
Diese beiden Linden bleiben auch deutlich kleiner und können gut jahrelang in einem grossen Kübel die Terrasse verschönern.
Die Japanische Linde mit ihren kleinen, fast birkenartigen Blättern und hübschen Blütendolden erreicht zum Beispiel erst nach etwa 70 Jahren ihre maximale Höhe von 8-10m.
Die schönste Blüte hat allerdings die leicht grössere Henrys Linde: in dichten Büscheln stehen bis zu 170 stark duftende Einzelblüten, die nach und nach aufblühen und so bis zu 6 Wochen lang Bienen und Menschen erfreuen. Ein echter Hingucker im Garten, wenn sonst nur noch der Efeu und die Herbstastern blühen!

Margit Siegrist

Ölweiden kennt man meist nur als Pioniergehölz oder als herbstblühende Ziersträucher, aber nicht als Lieferanten feiner Beeren.
Entdeckt habe ich diese Sträucher im Onlinehandel eines bekannten Schweizer Beerenzüchters, wo sie unter dem Namen „Pointilla“ (wegen der hübsch getupften Beeren) angeboten werden. Weil ich wusste, dass hinter dem lateinischen Namen Ölweiden steckten, war ich erst ziemlich misstrauisch. Schliesslich fallen sie als Wildsträucher vor allem durch einen grossen, harten Kern auf . Nicht ideal für den Fruchtgenuss!
Da die gärtnerische Neugier siegte und die späte Reifezeit die Beerenernte wunderbar verlängern würde, kaufte ich doch zwei Sträucher der Sorten „Amoroso“ und „Fortunella“ (die Pünktchenbeeren sind völlig selbstunfruchtbar, deshalb benötigt man mindestens zwei Sorten!).
Von Rinde und Blatt her sind es typische Ölweiden,  also helle Rinde, eher lockerer Wuchs mit Blättern ähnlich einer Olive. Die Blüte sitzt direkt in den Achseln, silberne Glöckchen in dichten Büscheln. So weit also alles wie erwartet, aber die Früchte waren doch dann eine echte positive Überraschung! Sehr fein im Geschmack, Johannisbeere-artig, fast prickelnd und der Kern störte überhaupt nicht. Nur die Vögel waren leider auch ziemlich schnell zur Stelle, so dass die erste Ernte nicht zu hoch ausfiel.
Dieses Jahr blühten die Sträucher deutlich stärker und ich konnte beobachten, dass sie für Bienen und Hummeln sehr interessant waren und sowohl Nektar als auch Pollen gesammelt wurde. Da gleichzeitig der Raps blühte, müssen die Sträucher schon sehr attraktiv gewesen sein, auch wenn ich nirgends Zahlen dazu gefunden habe.
Weil die Ölweide in Symbiose mit Knöllchenbakterien leben kann (ähnlich wie die Hülsenfrüchte und auch ihr enger Verwandter, der einheimische Sanddorn), toleriert sie auch sandige, nährstoffarme Böden. Auch Trockenheit, Hitze und Wind machen ihr nichts aus, ein echtes Pioniergehölz eben!
Das Einzige, was die Sträucher ausbremsen kann, ist ein zu basischer Boden mit einem PH-Wert über 7. Dann müsste der Boden leicht angesäuert werden, damit sie gut wachsen.
Die Sträucher können gut 4m hoch werden, können aber durch einen leichten Schnitt auf  2,5m gehalten werden, damit man gut an die Beeren reicht. Dafür werden jedes Jahr ein bis zwei alte Triebe bis auf einen etwa 15cm langen Stummel abgeschnitten. Dort bilden sich dann neue Fruchttriebe. Auf diese Art kann man sie auch wunderbar als leichte, elegante Hecke verwenden, die im Frühjahr Bienen ernährt und im Herbst uns und die Vögel.  Mehrwert pur, ganz im Gegensatz zu den üblichen blüten- und fruchtlosen 08/15-Heckenpflanzen!
Während die Sorte „Fortunella“ gelbe Beeren trägt und Mitte Oktober /Anfang November reift, tragen „Sweet'n'Sour“ und „Amoroso“ rote Beeren. Die Reifezeit ist bei „Sweet'n'Sour“ ist gleich, „Amoroso“ ist  deutlich früher dran (Anfang/Mitte Oktober). So kann man die Erntezeit noch verlängern. Wer von den Beeren nicht genug bekommen kann, dem bleibt noch die „Pointilla Cherrific“, die allerdings zur nahe verwandten Reichblütigen Ölweide (E.multiflora) zählt und ihre roten Beeren an langen Stielen trägt. Der Strauch bleibt deutlich kleiner (1,5 - 1,8m), ist selbstfruchtbar und seine Früchte reifen schon Mitte Juni.
Im Handel werden noch ab und zu die Sorten „Serinus“ und „Turdus“ angeboten, wobei ich zu deren Fruchtqualität nichts sagen kann.
Insgesamt sind die Früchte der Pünktchenbeeren sehr gesund, da sie viel Vitamin C und die roten Varianten zudem das Antioxidant Lycopin enthalten, übrigens deutlich mehr als die dafür hochgelobten Tomaten!
Für mich sind diese Ölweiden jedenfalls ein echter Geheimtipp für den Garten, der aber bestimmt nicht lange geheim bleiben wird ... sehr zur Freude der Bienen und Vögel!

Margit Siegrist

Wild- und Honigbiene auf der gleichen Blüte

Immer wieder hört man zurzeit in den Medien den Vorwurf, es gäbe zu viele Bienenvölker in der Schweiz und wir Imker würden damit die Wildbienen konkurrenzieren oder sogar verdrängen. Da wir Imkerinnen und Imker auf dieses Thema öfters angesprochen werden und es teilweise sogar zu verbalen Übergriffen in den Sozialen Medien kommt, möchte ich euch hier einige Fakten zu diesem Thema an die Hand geben.
Fakt ist, dass sich die Imkerei einer zunehmenden Beliebtheit erfreut und es nach wie vor Wartelisten für unsere Imker-Grundkurse gibt.
Gerade in den Städten ist dadurch die Anzahl der Neuimker und damit der Bienenvölker teils deutlich gestiegen. Auch viele erfahrene Imker sind teilweise in die Städte gezogen, da die Versorgungslage dort besser und die Gefährdung durch landwirtschaftliche Eingriffe geringer ist.
So kommt es zu einer Massierung von Bienenvölkern, die sicher nicht gut ist. Weder für die Honigbienen noch für die Wildbienen.
Aber sind die Zahlen wirklich insgesamt so hoch?
Betrachtet man die meistgezeigte Statistik ab 2014, scheint es wirklich eine massive Steigerung von unter 150 000 auf über 183 000  Bienenvölker (2018) schweizweit zu geben.
Sucht man allerdings bei Agroscope nach der Statistik seit 1876, sieht das Bild völlig anders aus:

Selbst wenn man eine weitere, ähnliche Steigerung die letzten 4 Jahre voraussetzen würde, lägen wir mit knapp über 200 000 Völkern gerade mal wieder bei den Zahlen von  1886 und 1918!
Zwischen diesen Jahren waren die Zahlen wesentlich höher (bis über 250 000) und den Höchstbestand hatten wir 1936-1946 mit fast 350 000 Bienenvölkern. Bei den meisten Bauernhöfen waren die Bienen selbstverständlich ein Teil der Tierhaltung ... und dass in teilweise beeindruckend grossen Bienenhäusern.
Wir können also wohl festhalten, dass ein zu hoher Bienenbestand nicht Auslöser eines Niederganges der Wildbienen sein kann. Es müssen sich andere Faktoren geändert haben.
Tatsächlich taucht die Honigbienenhaltung im Merkblatt des FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) zur Gefährdung und Schutz der Wildbienen von 2016 als gefährdender Punkt überhaupt nicht auf.
Dort werden vor allem der Rückgang der Blütenmenge und -vielfalt und der Verlust der Kleinstrukturen (Hecken, Brachflächen, ungenutzte Abhänge, Feldraine, Wegränder) genannt. Eine Entwicklung, die wir als Bienenhalter leider allzu gut kennen!

Nach dem grossen Blühen im Frühjahr fehlt auch unseren Bienen oft die Nahrung und es kommt zu grossen Versorgungslücken.
Nur ... wir Imkerinnen und Imker können unsere Honigbienen notfalls füttern und so erhalten, auch wenn die fehlende Vielfalt der Pollen negative Spuren hinterlässt und die Bienen anfälliger gegen Krankheiten macht.
Die Wildbienen dagegen kann niemand füttern, sie brauchen unbedingt „Un“Kräuter im Acker, an Feldrainen und in den Gärten, sonst können sie für ihre Nachkommen keine oder nur unzureichende Vorräte anlegen. Zudem ist ihr Flugradius wesentlich geringer als der der Honigbiene, schon 500m schaffen die meisten Arten nicht. Sind sie lange von ihrem Nest weg, steigt auch die Gefahr, das ein Parasit dieses befällt und die Brut ebenfalls vernichtet.
Eine Wildbiene braucht also mehrere Faktoren, um sich erfolgreich  fortzupflanzen: eine Nistmöglichkeit (je nach Art offene Bodenflächen, Pflanzenstängel, Totholz oder gar Schneckenhäuser), eine ausreichende Anzahl passender Blüten in unmittelbarer Nähe (einige sind sogar auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen, wie z.B. die Natternkopf-Mauerbiene) und dann auch eine Verbindung zu den nächsten Beständen ihrer Art, um nicht genetisch zu verarmen.
Das viel zitierte Bienensterben betrifft also vor allem die Wildbienen und sie brauchen unsere Hilfe. Und wie hilft man ihnen am besten?
Schuldzuweisungen an die Adresse der Honigbienenhalter helfen jedenfalls sicher nicht. Denn ich kenne keinen Imker, der sich nicht automatisch auch für die wilden Verwandten seiner geliebten Bienen einsetzt. Sei es mit dem Pflanzen von Bienenweide im eigenen Garten, am Bienenstand (es gibt deshalb auch durchaus Studien, die mehr Wildbienen im Umfeld eines Bienenstandes gefunden haben, als weiter entfernt), im Gemeindebereich oder als „Guerilla Gardener“ im weiteren Umfeld.
Oder im direkten Gespräch mit besorgten Eltern, wenn Efeu-Seidenbienen ausgerechnet den Sandkasten der Kinder für ihre Niströhren gewählt haben oder Hummeln (die genauso zu den Wildbienen gehören) in ein Mäuseloch im „heiligen Rasen“ eingezogen sind.
Oder als Berater für Gartenbesitzer oder Landwirte, die gerne etwas für die (Wild)Bienen tun möchten und nicht recht wissen, was genau am effektivsten helfen würde.
Inzwischen gibt es sogar dementsprechende Kurse über unseren Verband BienenSchweiz. Denn wer sowieso keinen Honig ernten möchte, der sollte sich am besten mit den Wildbienen beschäftigen und so diesen gefährdeten Bienen helfen. Und das muss man ganz klar sagen: eine Haltung von Honigbienen gegen das Bienensterben ist ungefähr so effektiv wie das Halten von Hühnern gegen den Rückgang von Singvögeln!
Es gibt da einige Firmen, die leider ohne Rücksicht die Aufstellung von zusätzlichen Honigbienenvölkern bewerben oder umgekehrt auch Wildbienenhotels mitsamt Mauerbienen-Kokons verkaufen, was genauso sinnlos ist.
Die Honigbiene ist ein Haustier, das uns neben der Bestäubungsleistung Honig, Wachs und viele andere tolle Produkte schenkt. Die Wildbienen dagegen sind sehr wichtig für die Bestäubung, gerade wenn das Wetter nicht optimal und zu kalt für die Honigbiene ist. Honigbienen und Wildbiene zusammen sind die idealen Partner und so sollte es auch bleiben ... beide gegeneinander auszuspielen kann der Sache nicht dienlich sein.
Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Artikel einige Zahlen an die Hand geben und ein bisschen Klarheit schaffen, um eventuelle Fragen gut beantworten zu können.
Am Schluss möchte ich noch die Tabelle des FiBl anhängen, die zeigt, wie man am effektivsten den (Wild)Bienen helfen kann: