Author Archives: Andreas Landolf

Die Kornelkirsche (Cornus mas)
Im neuen Jahr möchte ich euch ein altbekanntes und doch etwas in Vergessenheit geratenes Wildobst vorstellen, das wirklich einen Platz in unseren Gärten und Hecken (und notfalls in einem Topf auf der Terrasse) verdient hat.
Momentan fällt es sehr schwer, sich überhaupt eine Blüte im Garten vorzustellen (jetzt beim Schreiben bläst ein eiskalter Ostwind ums Haus und lässt die frostigen Temperaturen noch unwirtlicher wirken) und auch die Kornelkirsche steht noch ohne Schmuck da ... aber ihre rundlichen Blütenknospen versprechen schon eine der frühesten Blütenwunder im Jahreslauf.
Fast jeder kennt Forsythien und Zaubernuss als erste Blütenpflanzen – aber leider bieten diese den ersten Insekten keinerlei Nahrung!
Ganz im Gegensatz zur Kornelkirsche (oder Tierlibaum, wie man hier sagt): Laut Günter Pritsch bietet diese einen Nektarwert von 3 und einen Pollenwert von 2 (von 4 Stufen) und das - je nach Wetter - im März oder April, im Jahr 2020 fing er sogar schon am 18. Februar bei uns an zu blühen!
Botanisch gehört der Tierlibaum übrigens zu den Hartriegelgewächsen (Cornaceae), was sich unschwer an seinen eiförmigen Blättern mit der typischen Aderung erkennen lässt – diese erscheinen allerdings erst nach der Blüte. Mit Kirschen (die zu den Rosengewächsen gehören) ist er also nicht näher verwandt.
Je nach Sorte wächst die Kornelkirsche zwischen 2 und 8m hoch, als Strauch oder als Baum, was man durch den Schnitt gut steuern kann.
Die Blüten sind aber immer typisch: kugelige, strahlend gelbe Dolden mit vier gelblich-grünen Hochblättern. Die Farbe der Pollenhöschen, die die Bienen in den Stock tragen, ist ein typisches etwas bräunliches Gelb.
Je nachdem, ob die ersten Weiden schon aufgeblüht sind, ist der Tierlibaum mehr oder weniger umschwärmt – letztes Jahr war er sehr gut besucht.
Der Tierlibaum trägt dann etwa ab August seine typisch oval-länglichen Früchte, meist in kräftigem Rot, es gibt allerdings auch gelbe Sorten.
Diese kann man im Haushalt breit verwenden, vom Frischverzehr (bei Zuchtsorten) bis Marmelade, Gelee und Saft.
Früher wurden die Früchte auch oft zum Ansetzen von Obstbrand verwendet, in Österreich ist der „Dirndlbrand“ auch heute noch sehr gefragt. Zudem wurden sie den Schweinen verfüttert oder als Köder den Fischen angeboten.
Seine vielfältige Verwendung und seine Wichtigkeit für die Versorgung der Bevölkerung spiegelt sich auch in den vielen Namen wieder, die der Strauch/Baum trägt: Dirndl, Herlitze, Dirlitze, Welscher Kirschenbaum, Gelber Hartriegel, Beinholz, Hornkirsche bis hin zur Ruhrbeere (wegen ihrer Verwendung zur Heilung der „Roten Ruhr“).
Aber nicht nur seine Früchte waren gefragt, auch der ganze Rest des Tierlibaumes stand hoch im Kurs!
Das Holz ist schwer, kaum spaltbar und gut zu polieren. Es wurde in neuerer Zeit in der Drechslerei und Wagnerei verwendet, für Radspeichen, Messergriffe, Spazierstöcke, Schusternägel, für Holzhämmer und Kämme.
Aber schon im Altertum wurde es (gemäss Wikipedia) wegen seiner Härte und Zähigkeit geschätzt, angeblich wurde schon das Trojanische Pferd aus seinem Holz gebaut. Ganz sicher aber war es der wichtigste Rohstoff für die Sarissen (bis zu 6m lange Lanzen), die unter anderem die militärischen Erfolge Alexander des Grossen möglich machten. In Dichtung und Geschichtsschreibung wurde die Kornelkirsche sogar als Synonym für Lanzen und Speere gebraucht, so klar war es, dass nur dieses Holz das Beste war.
Aber die Nutzung geht sogar noch weiter zurück, denn in jungstein- und bronzezeitlichen Siedlungen fand man teils beachtliche Schichten von Kornelkirschkernen. Wobei die Wissenschaftler vermuten, dass auch schon damals ein berauschendes Getränk aus den Früchten hergestellt wurde.
Auch die Rinde wurde genutzt – mit 7-16% Lohgehalt ist sie ein guter Gerbstoff. Und die Kornelkirsche liefert auch einen Farbstoff ... die alten, roten türkischen Fez wurden damit gefärbt, aber auch bei uns war sie als Färbepflanze bekannt.
Wer nun denkt, das wäre alles, wird erstaunt sein. Der Tierlibaum bietet noch mehr! Er wurde als Kaffeeersatz verwendet (er soll dem Wiener Kaffee sein vanilleartiges Aroma verliehen haben) und auch als Heilmittel.
Ein Bad mit dem Zusatz von Blättern und Rinde (ausgekocht) des Baumes soll gegen Gicht helfen, die Früchte bei Durchfall, Darmentzündung und Magenleiden.
Kein Wunder also, dass man heute auch wieder grosse Institutionen wie die Humboldt-Universität Berlin oder die Hochschule Weihenstephan in Deutschland mit der Erhaltung der Zuchtsorten beauftragt.
Auch in unseren Gärten sollte man sie in Betracht ziehen, denn sie ist ein Alleskönner. Man kann sie als Strauch oder Baum ziehen, aber auch als Formhecke (schon im Barock war sie so beliebt).
Sie nützt den Bienen und Hummeln, sie schenkt uns Blütenfreuden im ausgehenden Winter und Früchte für die Küche im Herbst. Aber auch den Vögeln ist sie Schutz- und Nährgehölz in einem! Und nicht nur Dompfaff, Kernbeisser, Kleiber und Eichelhäher haben Freude an diesem Baum, auch Siebenschläfer und Haselmaus schätzen ihn sehr.
Je nach Verwendungszweck gibt es verschiedene Sorten:
Wer nur nach dem ökologischen Nutzen schaut, der wird die Wildform dieses einheimischen Gehölzes setzen oder eine Zuchtform wie die Sorte „Golden Glory“, die durch Blütenfülle und kleineren Wuchs punktet.
Für die Küche gibt es eine ganze Palette von alten und neuen Sorten, da die Kornelkirsche von jeher auf Fruchtgrösse und -qualität ausgelesen wurde, teils schon von den alten Klostergärten.
„Schönbrunner Dirndl“ ist eine sehr reich tragende Sorte aus Österreich, die gut verzweigt ist und gross wird.
„Jolico“ ist ebenfalls reichtragend und bis 5m hoch.
Kleiner bleibt „Coral Blaze“, die sehr buschig bis etwa 3 m wächst. Noch kleiner ist nur „Kasanlaka“ mit 1,5 bis 2m.
Gelbe Früchte trägt z.B.“Yellow Molalla“.
Wenn man Kornelkirschen vermehren möchte, gibt es drei Möglichkeiten:
Einen Absenker (Zweig zum Boden biegen, teilweise eingraben und auf Wurzelbildung hoffen), Stecklinge aus noch weichem Holz oder Samen (die allerdings stratifiziert werden müssen, sonst braucht man 1-2 Winter Geduld).
Zuchtsorten wird man aber meist veredeln müssen, da auch die Kornelkirsche für guten Ertrag eine zweite in der weiteren Umgebung benötigt.
Was den Boden betrifft ist die Kornelkirsche recht anspruchslos, nur Staunässe und zu starke Trockenheit bekommen ihr nicht gut, vor allem den Zuchtsorten. Auch im Schatten steht sie nicht gerne, lieber sonnig oder zumindest halbschattig.
Übrigens kann ein Tierlibaum richtig alt werden! Ein 250 Jahre altes Exemplar steht laut Wikipedia in Eisleben-Helfta und in Rom soll es eine 800 Jahre alte Kornelkirsche geben haben, was aber vermutlich eher im Bereich der Mythen liegt.
Ich war jedenfalls bei der Vorbereitung dieses Artikels schwer erstaunt, was alles an Geschichten hinter meinem wunderbaren Frühlingsboten im Garten steckt ... ich hoffe, es geht euch ähnlich und ihr findet noch ein Plätzchen für ihn im Garten oder beim Bienenstand!

Margit Siegrist

Rundliche Blütenknospen jetzt momentan ...
Die Kornelkirsche (Cornus mas)

Die Garten-Ringelblume (Calendula officinalis)
Im Dezember fällt es schwer, an blühende Pflanzen zu denken, vor allem nach den letzten kalten und nebligen Wochen. Trotzdem findet sich noch die eine oder andere Blüte im Garten und mit ihrem strahlenden Orange fällt die Ringelblume natürlich bei diesem Wetter doppelt auf.
Im Sommer gehen die schönen Blüten immer ein wenig im bunten Durcheinander unter, aber jetzt haben sie ihren Soloauftritt. Leider im zweifachen Sinn, denn auch Insekten werden im Moment keine vorbei kommen - ausser der Dezember glänzt wieder mit der üblichen Warmphase kurz vor oder an Weihnachten, die zuverlässig alle Hoffnung auf weisse Weihnachten beerdigt.
Die Ringelblume gehört zu der Familie der Korbblütler, wie schon viele Bienenweidepflanzen, die ich euch vorstellen durfte. Ihr Blütenaufbau ist dementsprechend klassisch schön, mit langen Zungenblüten rundum, deren Farbe je nach Sorte von cremeweiss bis tieforange reicht. Es gibt auch Züchtungen mit mehr Blütenblättern bis hin zu komplett gefüllten Blüten, aber letztere wird man als Bienenfreund tunlichst vermeiden.
Die Ringelblume wächst meist einjährig, aber es gibt durchaus Pflanzen, die den Winter unbeschadet überstehen und auch im zweiten Jahr wieder blühen.
Sie wird etwa 30-50cm hoch, je nach Bodenverhältnissen und Standort, wobei sie Sonne und nährstoffreicheren Boden vorzieht. So wandert sie meist in meinem Gemüsegarten umher, da ihr die Staudenbeete nicht mehr genug offenen Boden bieten. Nicht nur, dass die Blumen zwischen dem Gemüse wunderbar aussehen, sie nutzen ihm auch und sollten schon rein deshalb geduldet werden. Ringelblumen vertreiben nämlich kleine Fadenwürmer (Nematoden), die den Wurzeln der Gemüsepflanzen schaden und zur Bodenmüdigkeit beitragen, bei der die Nutzpflanzen trotz guter Versorgung nicht mehr richtig wachsen wollen.
Ist ein schon lange genutzter Garten auf diese Weise ausgelaugt, hilft neben der Versorgung mit gutem Kompost der Anbau einer Gründüngungsmischung mit Ringelblume und Tagetes.
Auch die Kornrade zeigt diese Eigenschaft, genauso wie die Acker-Ringelblume, die wilde Schwester unserer Garten-Ringelblume. Sie zählen wie der bekanntere Klatschmohn und die Kornblume zu den ursprünglichen Acker-Beikräutern, sind aber im Gegensatz zu ihnen gefährdet und gebietsweise schon verschwunden.
Dagegen sind die Garten-Ringelblumen noch weit verbreitet und im eigenen Garten auch leicht anzusiedeln. Es reicht, einige der sichelförmigen rauen Samen in den Beeten zu verteilen, den Rest macht die Ringelblume selbst. Nicht umsonst heisst sie im Volksmund auch Wucherblume, wobei sie nie lästig wird und an unpassenden Stellen mit einem Handgriff entfernt ist.
Ich entferne auch immer die zu blass blühenden Pflanzen, da ich eine kräftige Farbe schätze. Schnell hat sich ein kräftiges Gelb oder Orange bei mir eingestellt, so wie ich es gerne habe.
Die Blütenblätter kann man übrigens zu Tinkturen und Salben verarbeiten, die man bei schlecht heilenden Wunden, Entzündungen der (Schleim)Haut und Bibeli einsetzen kann (und sogar bei Geschwüren im Magen-Darmtrakt soll die Ringelblume helfen).
In Tees wird die Ringelblume oft als schmückendes Element eingesetzt, da die kräftige Farbe auch beim Trocknen erhalten bleibt. Laut Wikipedia wird die Ringelblume feldmässig in Deutschland, Niederlande, Ägypten, Polen, Ungarn und in den Balkanländern angebaut, da sie auch in der Lebensmittelindustrie gerne als Färbemittel eingesetzt wird (z.B. für Käse und Butter).
Die ursprüngliche Herkunft der Ringelblume liegt übrigens vermutlich im Mittelmeerraum, wie so viele Pflanzen ist sie mit dem Menschen in unsere Gegend gekommen. Und die Menschen haben ihr im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Namen gegeben wie Sonnwendblume, Goldblume, Butterblume oder Ringeli.
Auch einiger Aberglauben rankt sich um sie, so soll das Abreissen der Blume Gewitter herauf beschwören oder eine Zubereitung aus der Blüte den zukünftigen Ehegatten weissagen.
Auch eine Regenvorhersage lässt sich mit der Ringelblume machen: Ist die Blüte schon am frühen Morgen offen, wird es wohl trocken bleiben. Bleibt sie fest geschlossen, nimmt man besser den Regenschirm mit.
G. Pritsch weist der Ringelblume in seinem Buch „Bienenweide“ übrigens den Nektar- und Pollenwert 2 zu (von 4 möglichen Stufen), die Pollenhöschen sind kräftig orange.
Durch die offene Blütenform ist der Nektar der Ringelblume leicht zugänglich und auch für kurzrüsselige Insekten wie Schwebfliegen leicht erreichbar.
Gerade mit der momentanen Diskussion über die Wiederzulassung bestimmter Neonicotinoide im Zuckerrübenanbau lohnt sich vielleicht der Hinweis, dass Schwebfliegen mit ihren Larven effiziente Blattlauskiller sind. Aber wo keine Blume mehr blüht, da kann auch keine Schwebfliege überleben, geschweige denn Eier legen.
In dem Zusammenhang möchte ich auf den Artikel „Leere Reusen“ im letzten „Bienenjournal“ 12/2020 hinweisen.
Kurz erzählt: es wurden auf der Schwäbischen Alp in den 1970er Jahren in einer Stunde bis zu 10 000 wandernde Schwebfliegen gezählt, rund 50 Jahre später in der gleichen Zeit schlappe 290 Individuen!
Eine sehr traurige Feststellung, die sich aber in andere Studien über den Insektenrückgang einreiht und sie so bestätigt. Und eine gigantisches Bestäubungs- und Blattlausbekämpfungspotential, das einfach so verschwindet ... ohne, dass es lange Zeit überhaupt bemerkt wurde!

Margit Siegrist

Garten-Ringelblume (Calendula officinalis)

Das Ramtillkraut (Guizotia abyssinica)
Nach diesem doch recht kalten und nassen Oktober 2020 möchte ich euch im November eine schöne „sonnige“ Blüte vorstellen, der man hier im Seebezirk momentan ausgesprochen häufig in Gründüngungsmischungen begegnet - auch wenn sie wegen dem kalten Wetter nicht so auffällig zur Blüte gekommen ist, wie es hätte sein können.
Das erste Mal bin ich ihr im warmen Oktober 2017 begegnet, in voller Blüte und voller Bienen. Damals kannte ich die Pflanze noch überhaupt nicht und erst unser damaliger Vereinspräsident verriet mir den Namen dieser Schönheit.
Sie stand in Reinkultur direkt neben einem - ebenfalls voll blühenden - Phaceliafeld und erstaunlicherweise waren sogar mehr Bienen auf der sonnengelben Guizotia unterwegs als auf dem blauen „Bienenfreund“!
Gross bekannt ist die Pflanze trotzdem bis heute nicht als Gründüngung ... was wohl auch daran liegt, dass die Phacelia sehr verträglich mit nachfolgenden Kulturen ist, während das Ramtillkraut nicht vor Raps, Rüben, Karotten und Sonnenblumen empfohlen wird. Bleiben also Getreide, Kartoffeln und alle Leguminosen wie Erbsen und Bohnen.
Der grosse Vorteil von Guizotia ist die Frostempfindlichkeit, es friert zuverlässig ab, auch wenn der Winter seinem Namen - wie der letzte - nicht gerecht wird.
Das ist auch der Grund, warum Ramtillkraut kaum verwildert zu finden ist, auch wenn es Ruderalflächen wie Strassenränder besiedeln könnte. Es bildet in unserem Klima nur selten Samen und ist den einheimischen Pflanzen hoffnungslos unterlegen.
Ursprünglich kommt es nämlich aus dem warmen Afrika, laut Wikipedia von Äthiopien bis Malawi und wird heute vor allem dort und in Indien, Pakistan, Birma und Nepal kultiviert.
Der Guizotiasamen ist sehr protein- und fettreich und wird zur menschlichen Ernährung genutzt oder - bei uns in Europa - als Vogelfutter. Im Aussehen wirkt er fast ein bisschen wie ein verhungerter Sonnenblumenkern ... schwärzlich, kantig und etwa 4mm lang. Das daraus gewonnene Öl wird zum Seifensieden oder zur Herstellung von Farben verwendet, aber auch medizinisch zur Linderung von Rheuma.
Benannt wurde die Pflanzengattung mit 6 Arten nach dem französischen Politiker und Historiker Pierre G. Guizot und gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae), von deren bekanntesten Vertretern ich im Artikel letzten Monat erzählt habe.
Über Nektar- und Pollenwert habe ich leider keine Aufzeichnungen gefunden, aber ihre Attraktivität auf Bienen spricht für sich.
Eine Gründüngungsmischung mit Phacelia & Sonnenblumen sieht jedenfalls farblich sehr schön aus und kann auch mal einen Hausgarten bereichern! Gerade wenn der Gemüsegarten (oder deren Besitzer/-in) eine Pause braucht, wäre das eine schöne Einsaat. Sie friert im Winter gut ab und kann dann abgeräumt oder -am besten gehäckselt - in den Boden eingearbeitet werden. So wird der Bodenmüdigkeit vorgebeugt, der Humusanteil (und damit die Fähigkeit des Bodens Wasser zu speichern) erhöht, das Bodenleben freut sich ... und im Sommer vorher sowohl alle Insekten als auch das Auge des Besitzers.

Margit Siegrist

Guizotia im Herbst 2017 in voller Blüte und voller Bienen
... und dieses Jahr weniger auffällig in einer Grün-düngungsmischung mit Phacelia

Die (Herbst)Aster
Wenn man um diese Zeit durch die Gärten streift, fallen sie einem sofort ins Auge ... von Weiss über Rosa, Lila, Violett bis ins Bläuliche hinein, in verschiedenen Höhen und Wuchsformen gibt es sie in fast unendlich scheinender Vielfalt.
Sie geben sogar nicht nur ihrer Familie den wissenschaftlichen Namen „Asteraceae“ (Korbblütler), sondern sogar der ganzen Ordnung „Asterales“ (Asternartige). Die lateinische Herkunft des Namens (von astrum, Stern) erklärt sich durch die strahlenförmige Anordnung der Blütenblätter, die ihnen das typische Aussehen gibt.
Die ersten Astern fangen schon im Mai an zu blühen, aber da sie um diese Zeit sehr viel Konkurrenz haben, fallen sie eigentlich kaum auf ...
Was sich schlagartig ändert, sobald rundherum kaum noch etwas in der „grünen Wüste“ Nahrung bietet. Dann summt und flattert es um die Astern herum, dass es eine wahre Freude ist! Und so haben sich in meinem Garten natürlich eher die herbstblühenden Exemplare angehäuft.
Selbst als Purist, der nur einheimische Stauden im Garten haben möchte, kommt man im Herbst kaum um sie herum ... denn wenn unsere einheimischen Pflanzen ihren Lebenszyklus fast abgeschlossen haben, bieten vor allem die nordamerikanischen Steppen noch wunderschöne Blütenstauden an. Unter anderem eben die bekannten Herbstastern wie Rauhblatt- und Glattblattastern. Sie werden übrigens laut Wikipedia nicht mehr unter dem Artnamen „Aster“, sondern neu unter „Symphyotrichum“ geführt. Aber die Freizeit- und Erwerbsgärtner ziehen alle verständlicherweise den alten Namen vor.
Alleine die zwei Asternarten weisen schon eine riesige Sortenvielfalt in den Gärtnereien auf. Von 50 cm bis 150 cm oder mehr, in allen eingangs genannten Blütenfarben findet man leicht seine Lieblinge. Nur die gefüllten Blüten sollte man natürlich meiden, wenn man den Insekten auch eine Freude gönnen will.
Diese Stauden lieben alle die Sonne und lockeren, nährstoffreichen Gartenboden. Sie vertragen zwar recht gut die Trockenheit, aber ein bisschen mehr Wasser darf es schon sein, gerade bei den grossen Sorten.
Ein kleiner Trick hält übrigens grosse Sorten etwas niedriger und sorgt für mehr Verzweigungen und damit Blüten: der sogenannte „Chelsea Chop“. Ende Mai (eben gleichzeitig mit der in England bekannten RHS Chelsea Flower Show – Gartenausstellung) werden die Astern um etwa ein Drittel zurückgeschnitten. Damit bleiben sie etwas kleiner, kompakter und setzen meist auch mehr Blüten an. Wenn man eine Staude nur teilweise kürzt (oder bei mehreren Stauden manche schon, andere dagegen nicht) kann man übrigens die Blütezeit auch erheblich verlängern! Das klappt nicht nur bei Astern, sondern bei vielen anderen Gartenstauden genauso ...
Während man für sonnige Standorte eine grosse Auswahl hat, wird es im Halbschatten z.B. unter Bäumen schwieriger. Aber da gibt es glücklicherweise die Waldastern (A. divaricatus) und die Wildastern (A. ageratoides), die zwar nicht so grosse spektakuläre Blüten und Blütenfarben haben, dafür aber anspruchslos und trockenheitsverträglich zwischen Gehölzen ihr Dasein fristen können.
Auch wer unbedingt einheimische Vertreter sucht, der findet einige Arten wie die Berg- und Alpenaster. Oder die in allen Bereichen aus dem Rahmen fallende Goldaster (A. linosyris). Es fängt schon bei der Blüte an: (unter Astern einzigartig) goldgelb und ohne die typischen Zungenblüten. Mit nadelartigen Blättern und wolligen Samenständen ist sie auch ausserhalb der Blütezeit schön ... und die dauert lange, von August bis Oktober. Sie verträgt auch ausgesprochen gut die Trockenheit und ist mit etwa einem halben Meter nicht allzu hoch.
Wenn man Astern im Garten ansiedeln möchte, achtet man am besten auf Bienen und andere Blütenbesucher. Denn nicht jede Aster bietet anscheinend genügend Nektar und Pollen um attraktiv zu sein!
Im Buch „Bienenweide“ von G. Pritsch sind Myrtenastern (A.ericoides) und Rauhblattastern (A. novae-angliae) mit dem Pollen- und Nektarwert 3 aufgeführt (die Pollenhöschenfarbe ist jeweils gelb). Aber selbst innerhalb dieser Arten ist die Schwankungsbreite des Bienenbesuchs gross
Also geht man entweder in den Gärtnereien zur Blütezeit spazieren und schaut, wo es summt und brummt ... oder man verlegt sich darauf, andere Gartenbesitzer mit stark beflogenen Astern um Ableger zu bitten.
Denn das Vermehren der Stauden ist problemlos ... einfach ein bewurzeltes Stückchen abtrennen und mit der Zeit wird daraus wieder eine vollwertige Pflanze. So haben schon einige Astern den Weg in meinen Garten gefunden, weshalb ich auch nicht mit Sortennamen dienen kann (aber eben mit Ablegern!).
Pflegeleicht sind die Stauden eigentlich alle ... im Frühjahr zurückschneiden, vielleicht noch einen Chelsea Chop, und fertig.
Sollten die Stauden nach langer Zeit (10 Jahre plus) mal innen verkahlen, teilt man sie und sie wachsen fröhlich weiter.
Auch die Samen kann man verteilen ... mein Sohn hat einmal alle für ihn erreichbaren Samen sorgfältig verteilt. Seitdem wachsen selbst an den unmöglichsten Standorten Astern. Selbst im ansonsten kahl gekratzten Hühnergehege hält sich eine Staude tapfer. Und auch im Steingarten der Nachbarn blüht es!
Da sie aber nicht lästig werden und an unpassenden Orten mit einem Handgriff zu entfernen sind (sie treiben keine Pfahlwurzeln, die wieder ausschlagen könnten), wird das gerne geduldet.

Margit Siegrist

Verschiedene Waldastern
Verschiedene Herbstastern