Johannisbeeren und Stachelbeeren

Wer kennt sie nicht, die „Meertrübeli“ und „Chrosle“, wie sie hier in unserer Region heissen? Und doch haben sie noch recht unbekannte Facetten und Verwandte, die sich anzupflanzen lohnen.
Beide gehören zur Familie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae) und zur Gattung Ribes und sind in mehreren wilden Arten in Europa weit verbreitet, wenn auch eher selten zu finden. Die Alpen-Johannisbeere (R.alpinum) ist in mässig feuchten Mischwäldern bis in den subalpinen Bereich zu finden, gerne auf kalkhaltigem Boden ... während die Felsenjohannisbeere (R.petraeum) lieber auf humosen, kalkarmen Böden wächst. Aber auch unsere Gartenjohannisbeeren (schwarz und rot) haben wilde Verwandte, die man in Auwäldern und an Bachläufen entlang auf eher nassen, tonigen bis moorige Böden findet. Da steht auch die Stachelbeere nicht zurück und ist ebenfalls mit einer wilden Art (Ribes uva-crispa var. uva-crispa) bei uns vertreten.
Schon „nur“ wild sind unsere scheinbar altbekannten Gartenbeeren also in ungeahnter Vielfalt bei uns zu entdecken! Und dadurch steht auch ihrer Verwendung in Hecken und Wäldern oder am Bienenstand nichts im Wege. Denn alle Johannisbeeren, ob wild oder „zahm“ werden von G.Pritsch  mit einem Nektar- und Pollenwert von 2 (von 4 möglichen Stufen abgegeben), in Wikipedia mit einem Zuckergehalt von 16-31% im Nektar. Die Stachelbeeren und ihre Verwandten, die Jostabeeren kommen immerhin auf einen Nektarwert 3 und Pollenwert 1. Alle punkten durch ihre frühe Blütezeit im April als gute Aufbautracht für unsere Honigbienen und als verlässliche Tankstelle für ihre wilden Verwandten.
Für uns Menschen bieten sie in ihrer kultivierten Form sehr feine Beeren über einen langen Zeitraum, wenn man die Sorten geschickt kombiniert oder auch nur hübsche Blüten, wenn man die Ernte den Vögeln überlassen will ... denn die Gartenformen Blutjohannisbeere (R.sanguineum) und Goldjohannisbeere (R.aureum) bieten eine durchaus beeindruckende Blüte in rosarot oder goldgelb! Diese letztgenannten Johannisbeeren stammen ursprünglich aus Nordamerika und sind vor allem bei den Hummeln sehr beliebt.
Ebenfalls ein Hummelmagnet ist die eher seltene Jostabeere, eine Kreuzung aus der Schwarzen Johannisbeere und der Stachelbeere (zum Teil der auch Oregon-Stachelbeere). Ihre glöckchenförmigen Blüten ähneln der Stachelbeere, die Früchte dagegen eher der Schwarzen Johannisbeere, der Ertrag übersteigt beide. Auch der Vitamin-C-Gehalt ist  höher, der Geschmack irgendwo zwischen den Elternsorten. Nicht jeder mag sie frisch, aber in Gelee, Saft oder Likör kommen sie immer gut an.
Das gleiche gilt für die Schwarze Johannisbeere, die mit ihren hohen Gehalten an Anthocyanen, Terpenen und weiteren wichtigen Inhaltsstoffen eine der gesündesten Gartenfrüchte ist. Übrigens kann man ihre jungen Blätter als Würze für Suppen und Salate verwenden, was kaum jemand weiss.
Sorten sind zu Beispiel:
- „Titania“: vorzüglicher Geschmack, hoher Ertrag im Juli/August, starker Wuchs
- “Little Black Sugar“: sehr süss, kompakter Wuchs, für Kübel geeignet, Reifezeit Juni
- „Bona“: süss, mild, Anfang Juni
- „Silvergieters Schwarze“: alte robuste Sorte, feines Aroma, Anfang Juli
Am bekanntesten wird die Rote Johannisbeere sein, die „Trübeli“ kennt fast jedes Kind. Weniger bekannt ist, dass es auch ausgesprochen feine Varianten in weiss und rosa von ihnen gibt!
Zum Beispiel bei den roten:
- „Rolan“: mittlere Reifezeit im Juli, leicht säuerlich, starker Wuchs
- „Rovada“: etwas später Mitte-Ende Juli, mittelstarker Wuchs
- „Jonkheer van Teets“: alte, frühreifende Sorte Anfang Juni, säuerlich-aromatisch
- „Mulka“: sehr frostharte Sorte, Reife Ende Juli
- „Roter Holländer“: vermutlich die älteste Sorte, wüchsig und robust, sehr aromatisch, eher herb, Reife Mitte Juli
- „Red Lake“: sehr aromatisch mit hohem Ertrag, mittelfrüh
bei den rosa Johannisbeeren:
- „Rosa Sport“: Mittelfrühe Reifezeit, sehr guter Geschmack
- „Fleischfarbene Champagner“: alte Sorte, schwer erhältlich, aber sehr aromatisch und meiner Meinung nach die beste Johannisbeere.
bei den weissen:
- „Weisse Versailler“: sehr süss, Reife im Juli
- „Blanka“: robust, Mitte Juli
- „Weisse Langtraubige“: sehr ertragreich und süss

Die Sortenvielfalt ist noch viel ausgeprägter als bei den schwarzen Verwandten und so kann man die Erntezeit mit geschickter Sortenwahl sehr lange strecken und immer frische Beeren für das Müesli parat haben. Denn einfrieren kann man zwar alle Johannisbeeren/Stachelbeeren, aber frisch sind sie immer am allerbesten!
Das gleiche gilt natürlich auch für die Stachelbeere, die übrigens für empfindliche Hände auch stachellose Sorten zu bieten hat.
Zum Beispiel:
- „Captivator“: rot, Reife Mitte Juli, mit nur wenig Stacheln
- „Hinnonmäki“: gelb und rot erhältlich, alte finnische Sorte, Reife Ende Juni
- „Reveda“: rot, süss, wenig Säure, Reife im Juli
- „Lea“: gelb-grün, gross, sehr süss

Eher selten werden noch die „Schwarzen Honigbeeren“ angeboten, die von der Oregon-Stachelbeere (R.divaricatum) abstammen. Sie tragen honigsüsse, grosse Beeren, und zwar von Juli bis in den September hinein.
Alle Vertreter der Gattung Ribes sind recht anpassungsfähig, wenn man sie in den Garten holen will und werden bei der Pflanzung eine gute Handbreit tiefer als ursprünglich in gute Gartenerde gesetzt. Bei der Stachelbeere scheiden sich da etwas die Geister, weil manche den dadurch starken Neuaustrieb nicht so schätzen. Aber diesen braucht man zur Verjüngung der Sträucher, wenn sie eine ordentliche Ernte grosser Beeren bringen sollen.
Denn bei den Roten Johannisbeeren und Stachelbeeren wird jedes Jahr mindestens ein Drittel der Triebe erneuert (8-12 sollten es maximal sein), d.h. bodentief abgeschnitten. Bei den Schwarzen Johannisbeeren dagegen werden alle Triebe, die getragen haben, entweder auf einen starken Jungtrieb abgesetzt oder ganz entfernt. Auf diese Weise hat man nicht Unmengen an kleinen, sondern kräftige, grosse Beeren und der Strauch bleibt vital bis ins hohe Alter.
Man kann natürlich auch veredelte Johannisbeer- oder Stachelbeerbäumchen kaufen, allerdings sind diese nicht so robust und werden meist auch nicht sehr alt. Schneiden muss man sie genauso, allerdings ist der Neuaustrieb meistens nicht ausreichend.
Eine sehr schöne Art des Schnittes ist die Johannisbeerhecke, in dem man die Büsche mit nur drei Trieben an einem Spalier zieht. Jedes Jahr wird ein Trieb gegen einen neuen ausgewechselt. Dadurch erhält man eine wunderschöne Abgrenzung oder Sichtschutz, der noch feine Beeren bringt!
Ein kleiner Tipp noch am Schluss: wenn man sich das lästige Ausjäten sparen und Beschädigungen durch den Rasenmäher vermeiden will, bietet sich ein Mulchen der Beerensträucher an. Ich dünge die Sträucher nach Bedarf mit Kompost und decke den Boden dick mit Schilfhäckseln ab. Diese versauern den Boden nicht wie z.B. der ungünstige Rindenmulch. Dazwischen kommen noch etwas Hornspäne, damit sich der Mulch beim Zersetzen nicht Stickstoff vom Kompost und damit dem Strauch abzieht. Darüber befestige ich eine runde Kokosmatte aus dem Gartencenter und fertig ist das Beerenbeet ... dadurch bleibt der Boden schön feucht und der flach wurzelnde Strauch gut geschützt und versorgt. So bringt er selbst bei unserem trockenen Sandboden sehr gute Ernten und macht keinerlei Arbeit mehr, bis die Vögel die Kokosmatte endgültig zerzupft haben und das Spielchen von vorne losgeht ...

Margit Siegrist