Bienenweide

Ja, die Sonnenblumen ... die sind aber doch schon längst verblüht, oder?

Für die einjährigen Sonnenblumen, die man sofort gedanklich vor Augen hat, stimmt das. Aber es gibt noch mehrere wunderbare Arten der Staudensonnenblumen, die um diese Zeit erst richtig blühen!

Beide Vertreter möchte ich euch hier vorstellen, denn ob ein- oder mehrjährig, beide lohnen sich für den Garten oder rund um den Bienenstand.

Beginnen wir erst einmal mit der einjährigen Sonnenblume (Helianthus annuus), die jetzt schon ihre Samen bildet und überall auf den Feldern ihre Köpfe hängen lässt, um ihre Kerne vor dem Regen zu schützen.

Sie ist die drittwichtigste Ölpflanze weltweit und wird in der Schweiz 2021 auf 4600 Hektar angebaut, mit 13 700 Tonnen prognostizierter Ernte (Zahlen Swiss Granum, Stand September 2021. Der Anteil der Bioflächen bei Ölpflanzen nahm übrigens um 9,3% im Vergleich zu 2020 zu, was uns Bienenhalter natürlich doppelt freut).

Einerseits wird die Ernte zu Öl gepresst, das vielerlei Verwendung als Speiseöl, für Backwaren, aber auch Treib- und Schmierstoffe findet. Weniger bekannt ist seine medizinische Wirkung äusserlich bei Wunden und Rheuma (oft verbunden mit anderen Heilpflanzen) und innerlich bei Verstopfung.

60 Sonnenblumen ergeben etwa ein Liter Öl, da bleibt also ziemlich viel Trester zurück. Dieser Pressrückstand ist aber ein sehr gutes Tierfutter und wird ebenfalls verwertet.

Andererseits werden die Kerne selbst verwendet, als Müeslizutat und für Backwaren. Aber auch ungeschält nicht nur als Vogelfutter, sondern auch als  Keimsaat (Sonnenblumensprossen werden vor allem in der asiatischen Küche geschätzt) oder geröstet als Knabberei in Spanien, Balkanländern oder in der Türkei.

Das Stroh hingegen wird meist auf dem Feld gelassen. Es ist zu feucht und grob für die Verwendung als Tierstreu oder Brennmaterial. Nur in Ungarn schnitzte man (zumindest früher) allerlei Flöten aus den Stängeln.

Je nach Verwendung gibt es verschiedene Zuchtformen der Sonnenblume, die dementsprechend dem Öltyp, dem Speisetyp, dem Ziertyp für Gärten und zuletzt dem eher unbekannten Futtertyp zugeordnet werden. Beim Futtertyp ist die Blattbildung viel ausgeprägter, so kann die Pflanze als Tierfutter (auch als Silage) dienen oder als Gründüngung die Bodenfruchtbarkeit fördern.

Bei diesen Zahlen und der weiten Verbreitung der Blume in unseren Gärten vergisst man leicht, dass auch die Sonnenblume ein sogenannter Neophyt ist und erst nach der Entdeckung Amerikas zu uns kam.

Denn ihre ursprüngliche Heimat ist nun mal der Amerikanische Kontinent, wobei sie dort schon lange in Kultur war. Schon 2500 vor Christus ist ihre Nutzung in Mittelamerika nachgewiesen und die Inkas verehrten sie angeblich als Abbild ihres Sonnengottes. Verständlich, denn die Sonnenblume gehört zu den sogenannten Kompasspflanzen, die dem Sonnenlauf folgen und erst mit der Bildung der Blüte in Richtung Osten „stehen“ bleiben.

So kamen schon 1552 die ersten Samen nach Europa, wo sie erst als Zierpflanze geschätzt wurde, bis man sie auch als Nutzpflanze entdeckte. Schon im 17. Jahrhundert tauchte sie in Kochbüchern als Zutat von Backwaren auf und sogar geröstet als Kaffee-Ersatz, was man sich geschmacklich gar nicht so recht vorstellen mag.

Während die Kaffee-Variante glücklicherweise in Vergessenheit geriet, eroberte die Sonnenblume in unseren Gärten einen festen Platz. Und auch als Imker freut man sich immer, wenn ein Sonnenblumenfeld in der Nähe angesät wird. Denn der Nektar- und Pollenwert ist mit je 3 angegeben (von 4 Stufen in dem bekannten Buch „Bienenweide“ von G. Pritsch), der Zuckergehalt mit 50-80% und der Honigertrag je Hektar mit 35-50 kg. Auch wenn die Blütezeit in diesem Jahr wegen dem kalten Wetter recht spät begann und viele Bienenhalter schon längst abgeräumt hatten, so kam der gesammelte Honig doch gelegen, um den Wintervorrat zu ergänzen und der wertvolle, dunkelgelbe Pollen der Sonnenblume ist um diese Jahreszeit ideal, um gesunde Winterbienen aufzuziehen.

Und auch der Landwirt darf sich übrigens über eine bessere Ernte freuen, wenn Bienenstöcke in der Nähe stehen. In einem Versuch, bei dem Honigbienen an der Bestäubung gehindert wurden und nur kleinere Wildbienen an die Blüten herankamen, reiften nur 70-86 % der Kerne aus. Denn immerhin sind es allein in einer Sonnenblumenblüte bis zu 15 000 Einzelblüten, die bestäubt werden wollen! Ein idealer Job für die effiziente Honigbiene.

Auch bei anderen Fakten über die Sonnenblume kommt man ins Staunen: Immerhin ist sie eine der fotosynthese-aktivsten Pflanzen und schafft es in einem Tag, alles CO2 in 100 Kubikmeter Luft zu verstoffwechseln (Angabe Wikipedia). Das erklärt auch, warum alle Sonnenblumen bitte in voller Sonne und in nährstoffreichem Boden stehen wollen. Auch genügend Feuchtigkeit sollte vorhanden sein, damit sie „honigen“ können.

Das Gleiche möchten auch gerne ihre langlebigen Schwestern, die Staudensonnenblumen. Ohne volle Sonne mickern sie oder leiden an Mehltau. Einen schönen Platz als „Zaungucker“ oder im Staudenbeet danken sie aber mit langer Blüte, Winterhärte und Langlebigkeit.

Denn Staudensonnenblumen muss man nur einmal pflanzen und hat jedes Jahr wieder Freude an ihnen, sie schlagen ihre einjährigen Verwandten locker im Blütenreichtum und vor allem mit später, langer Blütezeit.

Da ihre Triebe im Winter knapp unter der Erdoberfläche liegen, sind sie für eine ordentliche Ladung Kompost nach dem Rückschnitt im Spätherbst dankbar: 3-5cm schützen die Triebe vor Kahlfrost und wirken als Startdüngung im Frühjahr. Sonst muss man sich um die Stauden nicht kümmern.

Folgende Staudensonnenblumen gibt es üblicherweise im Handel:

  • Die Wald-Sonnenblume (Helianthus atrorubens): sie wächst wild in den lichten, trockenen Wäldern der südöstlichen USA und so benimmt sie sich auch. Sie ist nur etwas für grosse Gärten, denn sie bildet über Ausläufer rasch grössere Bestände. Mit 150-180cm ist sie auch recht gross, bleibt aber elegant und blüht im August/September überreich. Auch Trockenheit macht ihr nichts aus.
  • Die Schmalblättrige Sonnenblume (H. decapetalus) dagegen möchte bitte genügend Feuchtigkeit zur Verfügung haben (wobei alle Sonnenblumen durchlässigen Boden lieben, nasse Füsse mögen sie nicht), dann sind sie robust und blühen wunderschön von August bis Oktober. Die Sorten „Meteor“ und die ähnliche „Capenoch Star“ sind mit 130-170cm auch nicht gerade klein, aber sehr schön für pflegeextensive Beete, vor allem in Kombination mit Herbstastern. „Triomphe de Gand“ dagegen ist mit 100-150cm deutlich kleiner und zahmer, die Blüten ähneln am stärksten von allen der einjährigen Sonnenblume.
  • Die Behaarte Sonnenblume (H. mollis) ist deutlich kleiner mit 80-120cm, verträgt mit ihrer dichten Behaarung besser Trockenheit und blüht im August/September.
  • Die Riesensonnenblumen (H. giganteus) sind wirkliche „Giganten“. Die Sorte „Sheila`s Sunshine“ wird locker 250-300cm hoch und sprengt damit den Rahmen eines normalen Gartens. Sie ist wüchsig, vital und mit einer Blütezeit von September bis November eine der spätesten Staudensonnenblumen überhaupt. „Simon Wiesenthal“ ist mit 100-220cm dagegen deutlich kleiner und blüht auch früher, im August/September.
  • Die Kleinblumige Sonnenblume (H. microcephalus)  „Lemon Queen“ wird angeblich etwa 170cm hoch, allerdings hat das meine Staude im Garten wohl nicht gelesen und ihre strahlend gelben Blüten strecken sich noch weit über die 2m-Marke. Bei ihrer Blütenfülle im August und September sei es ihr aber gerne verziehen. Sie möchte dafür gerne ausreichend Wasser.
  • Mit wenig Wasser kommt „Kellermanns Sonnenblume“ (H.x kellermannii) gut zurecht und bietet (im Gegensatz zu den oben genannten, meist sterilen Stauden) den Vögeln im Herbst auch Kerne. Sie wird etwa 180-200cm hoch , blüht mit September/Oktober auch recht spät und das, als Ausnahme, auch in eher nährstoffarmen Böden

    Zwei untypische Sonnenblumenvertreter für „Mutige“ zum Schluss der langen (und doch längst nicht vollständigen) Aufzählung:

Margit Siegrist

Zur Zeit blüht ein wahrer Bienenmagnet in meinem Garten, den ich euch gerne näher vorstellen würde. Allerdings gibt es kaum Informationen zu dieser Pflanze, weder in den üblichen Gartenbüchern, noch im sonst quasi allwissenden Internet.

Gefunden habe ich diese anspruchslose Staude bei der Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissen/D, die für ihr grosses Sortiment weithin bekannt ist. Wobei: „gefunden“ ist zu viel gesagt, treffender wäre „darüber gestolpert“. Jedenfalls ist sie in meinem Garten gelandet, sehr zur Freude meiner Bienen!

Die Prärieminze oder Cherokee-Bergminze gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und dort zum Tribus Mentheae, also der Minzen (und das merkt man auch an ihrem starken minzartigen Geruch). Sie ist aber nicht näher mit den ebenfalls als Bergminzen bezeichneten Gartenpflanzen der Art Calamintha verwandt, die ich euch gerne einmal später vorstelle, da sie ebenfalls lohnende Bienenweiden sind.

Die Amerikanische Bergminze blüht zwar ähnlich spät, von Juli bis in den September, ist aber vom Wuchs her deutlich höher (etwa 60-80 cm) und die Blüte ist optisch viel auffälliger. Auch das durch die dichte Behaarung silbrig wirkende Laub wirkt im Garten sehr schön und setzt auch ausserhalb der Blüte Akzente.

In meinem sandigen Boden kommt sie in voller Sonne bestens zurecht, scheint aber auch keine Probleme mit diesem nassen Sommer zu haben, wie so mancher andere Trockenkünstler. Die oben genannte Staudengärtnerei empfiehlt als Nachbarpflanze den Purpur-Sonnenhut  (Echinacea purpurea), was ich mir als Kombination sehr gut vorstellen kann und auch bestimmt ausprobieren werde.

Die Prärieminze ist eine alte Heilpflanze der nordamerikanischen Indianer, leider findet man dazu nicht allzu viel. Sie sollen es als Stärkungsmittel verwendet haben, bei verdorbenem Magen und Erkältungen. Sie wird heute in ihrem Ursprungsland vor allem als Teepflanze oder in Süssspeisen eingesetzt. Mehr kann ich euch leider nicht über diese Pflanze erzählen!

Selbst im sonst zuverlässigen Buch „Bienenweide“ (G. Pritsch) findet man nur ihre  nahe Verwandte, die „Dickblume“ oder „Grossblättrige Bergminze“ (P. muticum) mit einem Nektarwert 2 und einem Pollenwert von 1 (von 4 Stufen) ... was angesichts des massiven Bienenbesuchs für ihre Schwester fast nicht stimmen kann.

Dafür sollen die Blätter der Dickblume übrigens gut gegen Mücken und Zecken wirken, dank des Inhaltsstoffes Pulegon. Das könnte man bei der Amerikanischen Bergminze auch versuchen und hätte einen glatten Doppelnutzen, wenn man zum Bienenstand am Waldrand fahren muss und kein Repellent benutzen möchte – die chemische Variante DEET sorgt ja nach wie vor für Rückstände im Bienenwachs.

Eine zweite Verwandte unserer rätselhaften Blume habe ich auch noch gefunden, die Schmalblättrige Bergminze (P.tenuifolium). Auch sie wäre einen hübschen Versuch im Garten wert, bleibt mit 50-70cm etwas kleiner und wird auch als Bienenweide beschrieben. Alle drei Arten sind jedenfalls sehr zierend und eine Bereicherung für den Garten, vor allem durch ihre späte Blüte und das silbrige Laub!

Margit Siegrist

Trotz -oder gerade wegen- des ausgesprochen nassen Sommers 2021, mit seinen ständigen Gewittern und Unwettern, erinnert die momentane Vollblüte der Lavendelsträucher an das sonnige Mittelmeer und lässt von der Provence träumen...

Und genau von dort kommt unser altbekannter Zierstrauch, der schon in der Antike auch wegen seiner Heilkräfte berühmt war und mit Mönchen schlussendlich über die Alpen wanderte, wo er die strengeren Winter problemlos überstand und sogar eine Zeit lang in grösserem Stil angebaut wurde. Er gab sogar dem „Lavendelberg“ in Rheinland-Pfalz seinen ungewöhnlichen Namen, bevor er umgebrochen und in einen Weinberg verwandelt wurde. Und laut Wikipedia gab es ein Anbaugebiet am Mont Vully, dem das gleiche Schicksal beschieden war. Wer hätte das heute nicht gerne als Imker? Lavendelhonig vom Mont Vully, das wäre was! Denn Lavendelhonig mit seiner hellen Farbe, cremigen Konsistenz und milden Aroma ist bekannt und beliebt ... soweit, dass da auch schon mal mit Aromen „nachgeholfen“ wird.

Gerade bei solchen raren Sortenhonigen lohnt sich der Gang zum Imker, denn der Griff ins Supermarktregal wird wohl kaum Qualität liefern. Vor allem, da das Anbaugebiet sich von 2002 bis 2012 durch Wetterextreme wie Kahlfrost halbiert hatte (Zahlen Wikipedia) und inzwischen auch sehr oft der schnellwüchsige Lavandin (L. x intermedia) statt dem Echten Lavendel angebaut wird. Diese Kreuzung zwischen dem Echten und dem Speick-Lavendel (L.latifolia) wird gerne für günstigere Kosmetikprodukte oder Möbelpolitur verwendet, duftet allerdings weniger intensiv. Die Herkunft des Namens „Lavendel“ im lateinischen Wort „lavare“ für „reinigen, waschen, baden“ deutet schon auf einen seiner Hauptverwendungszwecke hin, denn er wird gerne für Seifen und andere Kosmetika verwendet und ist einer der Bestandteile von „Kölnisch Wasser“. Aber Lavendel kann noch mehr, denn schon in der Antike war er als nervenstärkend, beruhigend und verdauungsfördernd bekannt.
Heute wird meistens Lavendelöl dazu verwendet, eine Wasserdampfdestillation der Blüten und Stängel. Früher wurde die Blüte in Öl angesetzt, was leichter zu handhaben war (und auch heute für den Eigengebrauch praktikabler ist).  Für Kopf- und Nervenschmerzen, Ischias, Rheuma und Gicht kann man es gut verwenden. Es hemmt übrigens auch das Wachstum von Pilzen wie dem problematischen Candidapilz, hilft bei nervösen Herzbeschwerden oder Darmproblemen, erleichtert bei Unruhe, Schlafstörungen und Ängsten. Man sollte also den Lavendel nicht nur als Zierstrauch sehen, er bietet uns viel mehr an!
Auf sandigem, eher trockenen Boden wächst er problemlos und braucht kaum Pflege, nur einen zweimaligen Rückschnitt, wenn man ihn kompakt halten möchte: einmal einen starken Rückschnitt im Frühjahr und dann den Rückschnitt nach der ersten Blüte, damit er nochmals blühen kann und unseren Bienen doppelt nützt. Denn mit einem Nektarwert von 3 und einem Pollenwert von 1 (von 4 Stufen nach G.Pritsch) und seiner langen Blütezeit, die man durch verschiedene Sorten und verschieden starken Rückschnitt noch strecken kann, ist er bei Insekten sehr beliebt.

Das Schnittgut ist übrigens zu schade für den Kompost oder Grünkübel: man kann es in Säckchen füllen und in die Schränke legen, wo es mit seinem Duft alle Schädlinge wie Kleider-oder Lebensmittelmotten abschreckt. Genauso sorgt es in Bettnähe für einen guten Schlaf. Und als Imker hat man eine weitere gute Verwendung: klein geschnitten und gut getrocknet, kann man es bestens als Rauchmaterial im Smoker verwenden. Pellets aus dem Imkerbedarfshandel (oder von Tierfutter/ Einstreu als billigere Variante) dazu als Gluthalter und man hat einen wunderbaren feinen Rauch, auf den die Bienen gut reagieren, da er nicht beissend ist.

Wer sich Lavendel in den Garten holen will, der hat die Qual der Wahl zwischen einer Unmenge von Sorten. Allerdings werden in den Bau-und Gartenmärkten oft „kostenoptimierte“ und schnell gezogene Pflanzen angeboten, deren Sorten wohl eher für den landwirtschaftlichen Anbau gedacht waren und mit denen man nicht viel Freude im Garten hat.
Aus guten Staudengärtnereien bekommt man dagegen eine grosse Vielfalt von Lavendelsorten (darunter auch Lavandin, L. x intermedia), die durch eine schöne Blüte, kompakte Wuchsform und verschiedene Blühzeitpunkte den Mehrpreis absolut aufwiegen. Empfehlenswerte Sorten sind zum Beispiel:

  • „Hidcote Blue“: 30-40cm hoch, Blüte Juni-Juli
  • „Hidcote Pink“: 50-60cm hoch, Blüte Juni-Juli
  • „Arabian Nights“: bis 90cm, tiefblau, Blüte Juli-August
  • „Grosso“: bis 90cm, helleres Blau, Blüte Juli-August
  • „Two Seasons“: ca.50cm, Blüte Juni und September
  • „Lumière des Alpes“: helle Blüten auf dunklen Ähren, 70cm, Blüte Juni-Juli
  • „Blue Mountain White“: weiss, 60-70cm, Blüte Juni-Juli

Wer nicht so viel Platz hat oder eine Beeteinfassung mit Lavendel pflanzen möchte, ist gut mit Zwerglavendel bedient:

  • “Blue Cushion“: bis 35cm, Blüte Juni-Juli
  • “Peter Pan“: Höhe und Blütezeit gleich
  • “Little Lottie“, weiss, ansonsten gleich
  • „Nana Alba“, weiss, ansonsten gleich

Dies ist nur eine kleine Auswahl der Unmengen von Sorten, die angeboten werden! Von besonders schönen Pflanzen, die man bei sich oder anderen Gärtnern entdeckt hat, kann man im Frühjahr über Stecklinge leicht vermehren. Einfach einjährige Triebe schneiden, in sandigen Boden stecken und ab und zu giessen. Auch eine Teilung älterer Stöcke ist möglich und die Ausbreitung über Samen macht Lavendel sowieso gerne. Dabei können schöne neue Sorten entstehen (vor allem, wenn man eine grosse Vielfalt von guten Sorten im Garten hat), die es dann durchaus lohnt, über Stecklinge weiter zu vermehren. Die Samen werden übrigens durchaus von Vögeln, wie dem Distelfinken, geschätzt, die sich im Winter daran gütlich tun.
Auch in grösseren Töpfen macht sich Lavendel übrigens sehr gut, wobei man für eine gute Drainage sorgen sollte – denn Staunässe mag Lavendel gar nicht. Dafür verzeiht er gerne, wenn  man nicht so oft mit der Giesskanne vorbei kommt. In der grossen Familie der Lavendel gibt es übrigens noch einige „topfgängige“ Arten, die sich lohnen.
Zum Beispiel der Schopflavendel (Lavandula stoechas), der etwas weniger winterhart ist, aber eine sehr hübsche Blütenform aufweist. Er überwintert bei mir übrigens mehrere Jahre schon erfolgreich ohne Winterschutz an der Hausmauer. Oder der Kanarische Lavendel (L.pinnata), der mit grösseren, leuchtend azurblauen Lippenblüten besticht und mit einer sensationellen Blütezeit von Juni bis Oktober. Allerdings zum Preis eines frostfreien, aber hellen Überwinterungsquartiers....

Auch der eingangs erwähnte Speick-Lavendel (L.latifolia) macht sich mit seinen ungewohnt breiten Blättern und der kampferartig duftenden Blüte durchaus gut im Garten und hält die hiesigen Winter recht gut aus.
Alle Lavendel werden übrigens oft als Rosenbegleiter empfohlen, wo sie Blattläuse fernhalten sollen...allerdings muss man darauf achten, dass die Rose deutlich mehr Wasser braucht als der Lavendel und dieser wiederum zu viel Wasser gar nicht mag. Die häufigste „Todesursache“ bei Lavendelsträuchern ist übrigens wirklich ein „zu viel“ an Wasser. Was wieder den Blick auf das diesjährige feuchte Wetter richtet, das durchaus Pflanzen auf nicht gut durchlässigen Böden gefährden könnte...

Hoffen wir auf eine Wetterbesserung, damit unsere Bienen wenigstens noch ein bisschen Lavendelhonig sammeln dürfen!
Margit Siegrist

Schon seine vielen volkstümlichen Namen lassen seinen grossen Nutzen erahnen: Wallwurz (vom schnellen „Zuwallen“ der Wunden und Knochenbrüche), Wundallheil, Schadheilwurz, Arznei-Beinwell, Bienenkraut, Hasenlaub & Milchwurz (beides, da er eine vorzügliche Futterpflanze ist), Schwarzwurz und Komfrei wird er genannt.
Der Beinwell stammt aus der Familie der Rauhblattgewächse (Boraginaceae), die uns mehrere schöne Gartenblumen wie den Borretsch geschenkt hat. Verbreitet ist er von England bis Italien, von Spanien bis China ... was schon seine Anpassungsfähigkeit zeigt. Meist wird er nämlich als Pflanze der feuchten Böden beschrieben, hat bei mir aber die beiden letzten Dürrejahre ohne jedes Giessen in praller Sonne bestens überstanden! Ein Wurzelsystem, das bis in fast 2m Tiefe reicht, macht es möglich.
Er ziert mit seinen meist purpurfarbenen Glöckchen jeden Garten, blüht aber auch selten in rahmweiss, rosa oder blau. Hummeln lieben ihn und auch die Bienen besuchen ihn gerne, obwohl sein Nektarwert 2 und Pollenwert 1 (von 4 Stufen) nicht aufsehenerregend scheint.
Und doch gibt G. Pritsch in seinem Buch „Bienenweide“ immerhin einen Hektarertrag von 23-100kg Honig an! Denn Beinwell wurde früher als Futterpflanze angebaut, meist als Kreuzung mit dem verwandten „Rauen Beinwell“ (S. asperum). Mit seinem hohen Proteingehalt in den Blättern und seinem Nutzen als Düngepflanze (er enthält hohe Mengen Stickstoff und Kalium) wäre das heute wieder für innovative Landwirte einen Versuch wert!
Auch in unseren Gärten kann er neben der Bienenweide diesem Zweck dienen. Meist wird er als Beinwelljauche angesetzt, als kräftigender Sofortdünger für die Starkzehrer unter den Gemüsesorten. Aber als (weniger geruchsintensive) Mulchschicht oder im Kompost macht er sich genauso nützlich. Zu viele Beinwellpflanzen kann man also im Garten gar nicht haben.
In der Küche kann man seine Blätter übrigens in Teig ausbacken, was in der Innerschweiz üblich war. Zwar enthalten die Blätter Pyrrolizidinalkaloide, aber bei gelegentlichem massvollen Verzehr schaden diese nicht.
Üblicher allerdings war und ist heute noch die Verwendung als Arzneipflanze, denn es gibt kein besseres Mittel bei Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen oder Gelenk- und Muskelschmerzen. Für die schnelle Versorgung reicht ein Wickel aus gequetschten Blättern, als Salbe verwendet man besser die im Winter geerntete Wurzel, zerkleinert und mit einer Grundlage aus gutem Pflanzenöl und Bienenwachs erhitzt und dann abgesiebt. Die Wirkung auf sogenannte „Blaue Flecken“ ist erstaunlich!
Wer die Wallwurz in den Garten holen will, braucht nur ein Stück Wurzel oder kleinen Ableger, der zuverlässig anwächst. Die Samen selbst sind recht unauffällig, sind aber mit sogenannten Elaiosomen oder „Ölkörperchen“ ausgestattet und werden dadurch gerne von Ameisen verbreitet.
Margit Siegrist

Er ist der Inbegriff eines Obstbaumes, jeder kennt ihn und seine Früchte.
Der Apfel taucht nicht nur in unserer Küche auf, sondern auch in Sagen und Märchen, als Reichsapfel, Zankapfel, Frucht der Erkenntnis in der Bibel und ganz modern auch bei Isaac Newton, dem er der Legende nach auf den Kopf fiel und ihm zu neuen Erkenntnissen der Himmelsmechanik verhalf.
Entstanden ist unser Kulturapfel mit recht grosser Sicherheit in Asien, als Stammform gilt der Asiatische Wildapfel (Malus sieversii) mit mindestens 2, eher 5 anderen Wildformen als Einkreuzung (Quelle Wikipedia) . Unter anderem wurde genetisch unser heimischer Wildapfel (Malus silvestris) nachgewiesen, der bis anhin als Urform galt. Wie viele unseren Obstgehölze und Beeren kommt der Apfel aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), Gattung der Kernobstgewächse (Pyrinae).
Wie er genau nach Europa gekommen ist, ist nicht bekannt. Vermutlich reiste er - wie so vieles - über die Seidenstrasse zu uns, denn er galt damals schon als lebensverlängernde Heilpflanze.
Verbreitet haben in auf jeden Fall die Römer, die die Kunst der Veredelung beherrscht und in ihren Kolonien bekannt gemacht haben. Denn eine Apfelblüte braucht unbedingt fremden Blütenpollen zur Bestäubung, das schliesst reinerbige Nachkommen eines Baumes aus. Jeder Sämling, der aus einem Apfelkern wächst, entspricht einer neuen Sorte mit neuen Eigenschaften und das nur selten im positiven Sinne. Wenn man also einen Baum findet, dessen Früchte einem gefallen, kann man ihn nur durch Veredelung vermehren: man nimmt, einfach gesagt, einen Zweig des betreffenden Baumes („Edelreis“) und verschmilzt ihn mit der Wurzel („Unterlage“) eines anderen. Sehr viele Sorten sind tatsächlich Zufallsfunde, was in den teils lustigen Namen verewigt ist: z.B. der „Granny Smith“....der Apfel aus dem Garten von Oma Smith, gefunden 1886 in der Nähe von Sydney oder der „Küttiger Dachapfel“, der in der Aargauer Gemeinde Küttigen unter dem breiten Strohdach eines Hauses wuchs, wo er der Legende nach gegen 1770  vom Sohn der Familie gepflanzt wurde.
Wenn man also einen Apfelbaum kauft, erwirbt man immer eine aus mindestens zwei Exemplaren kombinierte Pflanze. Oft auch sogar aus drei, denn wenn die Edelsorte schlecht wächst oder sehr frostempfindlich ist, dann schaltet man noch einen sogenannten „Stammbildner“ dazwischen. Ohne diese Kunst gäbe es die heutige Verbreitung der Apfelsorten nicht!
Während also die alten Kelten und Germanen nur den harten und roh quasi ungeniessbaren heimischen Holzapfel kannten und z.B. als Zugabe zur Herstellung von Met nutzten, brachten die Römer viel wohlschmeckendere Apfelbäume in ihre Provinzen, die sich sicher rasch verbreiteten.
Die älteste Apfelsorte der Schweiz, der „Sternapfel“ oder „Sternapi“ soll tatsächlich aus dieser Zeit stammen ... das hiesse, dass dieser Baum seit gut 2000 Jahren weiterveredelt wird!
Die älteste wirklich dokumentierte Sorte ist allerdings deutlich jünger und wurde „erst“ 1170 in einem Dokument der Zisterzienser erwähnt, der „Borsdorfer Apfel“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es dann wohl 20 000 Sorten weltweit, wahrscheinlich sogar wesentlich mehr. Allein in Preussen waren 2300 Sorten bekannt und die Schweiz wird ähnlich vielfältige Obstanlagen gehabt haben.
Denn zu jedem Hof gehörten möglichst viele verschiedene Apfelsorten, damit man vom Frühsommer bis zum nächsten Frühjahr mit Äpfeln versorgt war und z.B. der Spätfrost nicht alles vernichtete.
Jede Sorte war wichtig und hatte ihre unverzichtbaren Eigenschaften ... einige wie der „Klarapfel“ trugen besonders früh, andere waren besonders gut lagerfähig wie der „Glockenapfel“. Manche waren zum Frischverzehr, andere zum Dörren, wieder andere nur zum Mosten oder Kochen geeignet.
Heute gibt es vermutlich noch etwa 1300 Apfelsorten in der Schweiz, wobei die eingangs erwähnten Sämlinge natürlich noch dazu gezählt werden müssten.
Wikipedia listet immerhin noch 5800 Sorten weltweit auf, allerdings sind nur 60 Sorten wirtschaftlich bedeutend und etwa 70 Prozent davon machen alleine die drei bekanntesten Sorten („Golden Delicious“, „Jonagold“ und „Red Delicious“) aus, der Rest teilen sich quasi „Gala“, „Granny Smith“, „Elstar“, „Cox Orange“ und „Boskoop“ .
Während man in richtig guten Baumschulen schon mal die Qual der Wahl zwischen immerhin 100 Sorten hat, findet man im Gartencenter oft nicht mehr als 5-10 Sorten. Und sucht man in den Obstregalen der einschlägigen Grossverteilern, bekommt man oft übers Jahr nur 5 oder 6 Apfelsorten angeboten (und diese nach Geschmack etikettiert, nicht nach dem Sortennamen).
So geht viel an Geschmacks- und genetischer Vielfalt verloren ... und beim Kunden das Wissen darum. Schon die Einteilung in Tafel-, Most- oder Kochäpfel ist vielen unbekannt und so werden oft Bäume gefällt, weil die Früchte nicht mehr verwendet werden. Auch das Wissen um Pflückreife und Genussreife (gerade Lageräpfel kann man gleich nach dem Pflücken selten geniessen) ist oft schon verloren und die erste Geschmacksprobe führt zur Enttäuschung.
Das ist sehr schade, denn die Vielfalt stellt auch einen Schutz und eine genetische Reserve für die Zukunft dar. Vor allem in den ökologisch so wichtigen Streuobstwiesen schlummern die Sorten der Zukunft, denn im Ertragsanbau ist der Erhalt alter Sorten nicht wirtschaftlich. Milben, Mehltau, Raupen, Blattläuse, Glasigkeit, Stippe, Schorf (ein rein ästhetisches Problem, übrigens!), Monilia, Obstbaumkrebs, Feuerbrand, Mosaikvirus, Triebsucht und zukünftig vermehrte Wetterextreme brauchen als Lösung die Gene der alten Sorten - und die Artenvielfalt profitiert von der Streuobstwiese an sich. Wer also solche Apfelanlagen wiederbelebt oder neu anlegt, tut etwas Gutes!
Aber nicht jeder hat Platz für einen Hochstammapfelbaum im Garten, der recht beträchtliche Ausmasse erreichen kann. Doch die Veredelung bietet auch da Lösungen, denn man kann auch eine schwachwüchsige Wurzel als Unterlage verwenden, was das Wachstum der Edelsorte begrenzt. So entstehen praktische Niederstamm-Obstbäume für Familiengärten, kleine Spindelbäume (quasi ohne Stamm) oder schlanke Säulenäpfel, die selbst in kleinste Gärten passen oder sogar  als Extremform Zwergobst in einem Topf auf dem Balkon Platz finden.
Generell kann man allerdings sagen: Je schwachwüchsiger die Unterlage, desto mehr Pflege bedarf sie. Denn die schwache Wurzel kann den Baum nicht mehr bei schwierigeren Verhältnissen versorgen (und auch der Geschmack leidet irgendwann). Bedingungen, die ein Hochstamm locker wegsteckt, zwingen einen Zwergbaum in die Knie. Deshalb muss man bei solch kleinen Bäumchen auf eine gute Nährstoff- und Wasserversorgung achten. Dann gibt es allerdings beachtliche Ernten von ihnen.
Ein Niederstamm-Apfelbaum kann schon für eine richtige Obstschwemme sorgen, wie im letzten Jahr bei uns in der Gegend. 2019 fielen fast alle Blüten dem Spätfrost zum Opfer und die Bäume trugen kaum Früchte. So konnten sie im Juli/August überreich Blütenknospen bilden für das nächste Jahr. Und das taten sie...da der Spätfrost 2020 ausblieb, bogen sich die Äste im Spätsommer unter der Last der Früchte, denn unsere Bienen waren fleissig gewesen!
Bei einem Nektar- und Pollenwert der höchsten Stufe 4 ist der Apfelbaum laut G.Pritsch einer der besten Bienenweiden. Eine Befruchtung von 5% der Blüten reicht bei ihm auch schon zum Vollertrag – Steinobst wie Kirschen brauchen 25% dafür.
Und er schenkt uns eine der gesündesten Früchte, was sich im bekannten englischen Spruch „An apple a day keeps the doctor away“ oder in der deutschen Version „Ein Apfel gegessen kurz vor der Nacht, hat manchen Arzt zum Bettler gemacht“ im Volksmund niedergeschlagen hat.
Ganz aktuell schützt uns der Apfel zum Beispiel vor Atemwegsinfektionen....drei Äpfel über den Tag verteilt gegessen senken das Risiko dafür um ganze 30%. (Quelle H.&M. Hintermeier).
Äpfel tragen zur Gesunderhaltung der Zähne durch Polyphenole bei, halten die Verdauung auf Trab, senken bei regelmässigem Verzehr das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, Lungenfunktionsstörungen, Diabetes mellitus und Krebs. Laut Wikipedia wiesen Mäuse und Ratten mit Zugang zu Äpfeln 50% weniger Tumore auf als die Tiere ohne Äpfel, zudem waren die Tumore kleiner und metastasierten seltener. Wenn das kein Argument für einen Apfelbaum ist ...
Wer möchte, kann sich auch mehr als eine Sorte pro Baum in den Garten holen und die Erntezeit so verlängern bzw.die Obstschwemme mildern. Mein „Granny Smith“ trägt auf einem Ast „Boskoop“ und mein „Klarapfel“ hat gar 10 verschiedene Frühapfelsorten aufveredelt. Das klingt nach viel, aber der Rekord liegt bei weit über 300 Sorten. Denn früher war die Pomologie (die Apfelbaumkunde) in höheren Kreisen genauso gut angesehen wie die Vogelbeobachtung und man hielt sich Apfelbäume mit möglichst vielen Sorten darauf als Anschauungs- und sicher auch als Prestigeobjekt.
Das Veredeln oder Zweien, wie man hier sagt, ist leicht zu erlernen und Edelreiser kann man sich selber schneiden (oft kennt man ja einen alten Baum mit leckeren Früchten, von dem niemand mehr die Sorte weiss...) oder in Baumschulen erwerben – diese helfen auch bei der Wahl der Unterlage und des richtigen Zeitpunktes.
Zu solchen selbst gezogenen Bäumen hat man eine ganz andere Beziehung und die Äpfel machen doppelt Freude.
Auch das Schneiden der Obstbäume ist eine Tätigkeit, die gelernt werden will, aber unbedingt nötig ist. Denn der Obstbaumschnitt hat vier gute Gründe:
1. Will ein Apfelbaum viele kleine Früchte bilden, da er sich über die Samen vermehren möchte. Wir möchten gerne das Gegenteil!
2. Hängen die schönsten Äpfel sonst unerreichbar hoch oben in der Krone (immerhin   8-12 Meter hoch bei ungeschnittenen Hochstammbäumen)!
3. Überaltert der Baum sonst viel schneller und
4. neigen manche Sorten zur „Alternanz“. Das heisst, sie tragen ein Jahr massenhaft und im nächsten Jahr kümmerlich. Auch das kann man über den Schnitt regulieren.
Es lohnt sich also, den Obstbaumschnitt zu lernen, denn es macht Freude und Fitness gibt es gratis dazu.
Wer lieber einen Gärtner ruft, sollte sich vorher besser ein paar Bäume ansehen, die dieser schon ein paar Jahre pflegt – denn nicht jeder Gärtner schneidet regelmässig Obstbäume, sondern vielleicht eher Thujahecken. Diese sind leider häufiger geworden als Obstbäume in den Gärten ... wenn man sich alte Bilder unserer Dörfer ansieht, kann man kaum glauben, wie viele Obstbäume rundherum es früher gab! Es wäre Zeit, wieder etwas mehr auf die Eigenversorgung mit Obst zu setzen und nicht von den Importströmen abhängig zu sein. Während die wichtigsten Obstanbaugebiete in Europa (Normandie, Poebene, die Bodenseeregion) auf CA-Lager setzen (in denen das Reifegas Ethylen entfernt wird), werden im Winter massenhaft Äpfel aus Neuseeland, Chile und Argentinien importiert. Und China exportiert jedes Jahr 900 000 t Äpfel, man mag es nach dem Film „More than honey“ kaum glauben.
Die neueste Entwicklung, die in der Schweiz und der EU zugelassen ist, ist übrigens „Smart Fresh“. Mit Hilfe von 1-Methylcyclopropen werden die Rezeptoren für Ethylen im Apfel blockiert, eine Reifung so über Monate verhindert. Ob man das als Verbraucher möchte, muss man selbst entscheiden … und inzwischen gibt es im Internet wieder Anleitungen für den Bau von Erdkellern und anderen Lagermöglichkeiten, ein zarter Trend zurück zum eigenen Apfel scheint zu keimen! Grund dafür ist sicher auch die vom Verbraucherschutz recht häufig festgestellte Mehrfachbelastung mit Pestiziden. Wobei ein Grossteil dieser Mittel nicht etwa zu Sicherung der Ernte gebraucht wird. Sondern nur zur optischen Verschönerung des Obstes. Denn der Obstproduzent bekommt einen riesigen Abzug für einen minimalen Makel des Apfels – teils kaum erkennbar für Laien. Trotzdem ist dieser - ansonsten hochwertige - Apfel keine A-Ware mehr und muss zum Schleuderpreis verkauft werden. Davon kann kein Landwirt leben! Das Verrückte daran ist, dass die Konsumenten Äpfel mit kleinen Fehlern gerne akzeptieren würden, wenn dafür weniger gespritzt würde. Aber entweder kommt das bei den Einkäufern des Einzelhandels nicht an oder die Konsumenten lassen doch solche Äpfel liegen, so dass sich der Einkäufer danach richten muss.
Da hilft nur, sein Obst regional bei dem Bauern zu kaufen, der so wirtschaftet, wie man es gerne möchte. Und so lernt man vielleicht auch die eine oder andere wunderbare Apfelsorte kennen, die man nie vorher kosten durfte! Und weiss dann auch gleich, welche Sorte man eventuell als Baum im Garten haben möchte ...
Aufgrund der riesigen Sortenvielfalt gibt es diesmal keine Sortenempfehlungen von mir, aber dafür Buchempfehlungen:
- „Streuobstwiesen – Lebensraum für Tiere" Helmut Hintermeier, Gartenbauverlag München
- „Obstgartenhandbuch für Selbstversorger" Kurt Kuhn, OLV Verlag
- „Obstbaumschnitt" Heiner Schmid, Ulmer Verlag
Und für Spezialisten:
- „Rosenapfel und Goldparmäne“ B. Bartha-Pichler u.a., AT Verlag

Margit Siegrist