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Eine Pflanze, bei der man nicht unbedingt an eine Bienenweide denkt, ist die Hauswurz. Denn sie besticht nicht unbedingt durch hohen Nektarertrag oder mit massenhaftem Auftreten.
Aber sie ist ein gutes Beispiel, dass man fast für alle Plätze die geeignete Pflanze findet, auch für die härtesten Bedingungen in praller Sonne. Und dadurch jede noch so kleine Gelegenheit zur Verbesserung der Blütenvielfalt nutzen kann...und sei es nur ein zerschlagener Blumentopf oder eine kahle Spalte im Teer der Garagenzufahrt!
Die Hauswurz stammt aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) und kann in ihren Blättern Wasser speichern, was ihr auf trockenem Grund einen grossen Überlebensvorteil sichert. Eine zweite Fähigkeit, die nur wenige Pflanzen besitzen, hilft ihr dabei: sie kann das nötige Kohlendioxid über Nacht aufnehmen und (in Apfelsäure gebunden) aufbewahren, so dass sie am Tag die Spaltöffnungen ihrer Blätter geschlossen halten kann und so zusätzlich Wasser spart.
Wild kommt die Hauswurz in der ganzen Alpenregion bei uns vor, sie besiedelt alle europäischen Gebirge von Marokko bis in den Iran. Jetzt kann man sich auch vorstellen, warum die Hauswurz so hart im Nehmen ist, denn sie besiedelt schwierigste Lebensräume, felsige Wiesen bis hin zu purem Felsen und das bis weit nach oben in die subalpinen Zonen.
Bei uns in der Schweiz gibt es fünf Arten: Die Spinnweb-Hauswurz (S. arachnoideum), Dach-Hauswurz (S.tectorum) und Berg-Hauswurz (S. Montanum) blühen in einem kräftigen Rosa und sind in den Alpen weit verbreitet. Dagegen sind die Grossblütige Hauswurz (S.grandiflorum) und Wulfens Hauswurz (S.wulfenli) sehr selten (letztere z.B.nur im südöstlichen Graubünden) und blühen gelb. Im Jura ist übrigens nur die Dach-Hauswurz weit verbreitet, sonst gibt es laut Infoflora nur Einzelnachweise.
Seit den 1920er Jahren wurde auch eine riesige Vielfalt von Sorten gezüchtet, wobei hier das Augenmerk ausnahmsweise nicht auf der Blüte, sondern auf dem Aussehen der Blattrosetten lag.
Als Überlebenskünstler blüht die Hauswurz eher selten und die blühende Rosette stirbt auch danach ab, wobei die Pflanze zu dem Zeitpunkt schon zuverlässig kleine Nachfolge-Rosetten gebildet hat. Aber wenn sie blüht, gibt sie alles ... ein auffälliger Langtrieb bildet sich, an deren Spitze die sternförmigen Blüten sitzen.
So auffällig ist die Blüte, dass sich früh verschiedener Aberglauben darum gebildet hat. Je nach Region sollte die Blüte gutes oder schlechtes Omen sein, Hochzeiten oder Todesfälle vorhersagen.
Auch die Pflanze selbst war früher sehr wichtig im Volksglauben, vor allem in Bezug auf Blitzschlag. Angeblich hat Karl der Grosse deswegen schon ihre Anpflanzung auf allen Dächern befohlen und sie wurde auch als Schutzzauber im Ofen  bei Gewitter verbrannt. Überhaupt war sie eine wichtige Schutzpflanze, auf dem Stall gepflanzt sollte sie das Vieh gesund erhalten und im Kamin aufgehängt vor Hexen schützen.
Auch als Heilpflanze wurde sie verwendet, gegen Gelbsucht, Taubheit, mangelnder Begierde oder Unfruchtbarkeit.
Heute wird sie nur noch wegen ihrem Zierwert angepflanzt, Blitzableiter & Viagra haben sie aus ihrem ursprünglichen Job verdrängt. Dafür schenkt sie uns sowohl im Winter wie im Sommer einen wunderschönen Blickfang mit ihren gleichmässigen Rosetten und erfreut die Bienen mit ihren Blüten, die immerhin einen Nektarwert von 2 und einen Pollenwert von 1 besitzen (nach den 4 Stufen von G. Pritschs Buch „Bienenweide).
Die Vermehrung ist so einfach, dass es jede Gärtnerei zur Verzweiflung bringt: eine kleine Blattrosette abbrechen, an den neuen Ort setzen, fertig. Sie braucht im Notfall nicht einmal Erde zum Wachsen. Ein echtes Wunder der Natur!

Margit Siegrist

Im Januar gehen mir immer regelmässig die Themen aus ... meist ist dieser Monat ja recht frostig und alle Blumen sind verschwunden, alle Bienen sitzen in der warmen Wintertraube und haben vielleicht gerade erst zaghaft angefangen, die erste Brut anzulegen.
Da gibt es nur wenige Pflanzen, die in dieser Zeit überhaupt Blüten anlegen und eigentlich nur eine, die ihren Lebenszyklus quasi auf den Kopf gestellt hat. Sie schläft während der Vegetationszeit und blüht auf, wenn alles andere sich zurückgezogen hat.
Unter dem Namen „Schwarzer Nieswurz“ kennen sie allerdings nur wenige, der Beiname „Christrose“ oder „Schneerose“ ist wesentlich geläufiger - kann man sie doch um Weihnachten herum in jedem Grossverteiler oder Gartencenter hundertfach angeboten sehen.
Sie ist schon seit dem 16. Jahrhundert in unseren Gärten zu finden und ab dem 19. Jahrhundert auch in vielen neuen Sorten, die durch die Einkreuzung der Orientalischen Christrose (H.orientalis) entstanden sind und durch ihre vielfältige Färbung und Musterung der Blüten bestechen.
Von Weiss über Rosa bis Purpur, uni, mit Punkten oder Streifen - sie bringt Farbe in die reinweisse Wildform.
Einerseits blühen sie dafür etwas später, sind aber andererseits auch etwas robuster und halten auch mehr Sonne aus. Denn die ursprüngliche Christrose residiert gerne im Halbschatten, auf kalkhaltigem und humosem Gartenboden, der bitte auch gleichmässig feucht sein soll. Sie stammt aus den Bergwäldern der Alpen und wuchs bei uns - laut Infoflora Schweiz- vor allem im Südlichen Tessin, kommt aber inzwischen weitläufig verwildert vor.
Dass die „Schwarze Nieswurz“ zu den Hahnenfussgewächsen (Ranunculaceae) zählt, sieht man ihr nicht nur an, sondern sie ist auch ziemlich giftig (wie viele Pflanzen, die zu dieser Familie gehören).
Laut dem Autorenehepaar Hintermeier ist die erste nachweisbare Brunnenvergiftung auf die Benutzung von Christrosen zurückzuführen, die immerhin schon 600 vor Chr. in der Einnahme der Stadt Kirrha endete.
Ihr Gift löst Erbrechen, Durchfall, Schwindel und im schlimmsten Fall Kollaps aus.
Deshalb wurde sie schon von Hippokrates als Brech- und Abführmittel benutzt, später dann sollte sie (bis in die Renaissance) Geisteskrankheit heilen. Daher kommt auch ihr lateinischer Name „Helleborus“: von „helleboraio“, verrückt sein
Auch ihr deutscher Name „Nieswurz“ deutet auf ihre Verwendung:  sie war oft Bestandteil des Schnupftabaks (der Zusatz „niger“ bzw. deutsch „schwarz“- übrigens auf die schwarze Farbe des Wurzelstockes).
Durch ihre Blüte in der dunklen Jahreszeit war sie schon früh ein wichtiges Symbol der Kirche und das bekannte Kirchenlied „Es ist ein Ros entsprungen“ ist ihr gewidmet. Was die Kräuterkundigen nicht davon abhielt, sie als Bestandteil von „Hexensalben“  zu verwenden und man hoffte auf ihre magischen Kräfte, um fliegen zu können, unsichtbar zu werden oder auch die ewige Jugend zu erreichen. Leider alles ziemlich vergebens.
Trotz dieser vergeblichen Hoffnung ist sie in unseren Gärten geblieben, manchmal in Gesellschaft ihrer Verwandten „Stinkende Nieswurz“ (H.foetidus) , die von Dezember bis März blüht und ihre Blüten mit Hilfe von Hefekulturen bis zu 6 Grad über der Aussentemperatur erwärmt (ich habe nirgends gefunden, ob das alle Nieswurzen können – die Vermutung liegt aber nahe). Und der „Grünen Nieswurz“ (H.viridis), die bis in den Mai hinein blühen kann.
Die Blütezeit der Christrose reicht - je nach Sorten und Einkreuzung) von November bis in den April und Günter Pritsch weist ihr in seinem Buch „Bienenweide“ den Nektarwert 2 und den Pollenwert 3 von insgesamt vier Stufen zu. Die Unsicherheit, ob zu dieser Jahreszeit ein Insektenbesuch klappt, gleicht die Christrose mit einer sehr langen Blütezeit und der Möglichkeit zur Selbstbestäubung aus.
Dieses Neujahr waren die Christrosen auf meiner Terrasse aber schon durchaus rege besucht und auch an den Fluglöchern der Bienenstöcke konnte man schon das eine oder andere Paar der weiss-gelblichen Pollenhöschen beobachten.
Ihre Samen werden dann - dank kleiner nahrhafter Anhängsel - gerne von Ameisen verbreitet und tauchen überall im Garten auf. Hat man farblich unterschiedliche Sorten gesetzt, darf man sich auf ganz verschiedene Nachkommen freuen. Aber eben nur, wenn die Bedingungen von Boden und Feuchtigkeit her stimmen. Übrigens reagieren Christrosen beleidigt, wenn man sie blühend irgendwo einpflanzt. Besser ist es, die Blütezeit auf dem Fensterbrett oder dem Balkon zu geniessen und sie erst später an den angedachten Platz zu setzen, wenn sie schon verblüht und in Ruhe sind.
Das gilt eigentlich für alle Pflanzen, keine möchte gerne in der anstrengenden Blütezeit umziehen. Die „Diva“ Christrose schon gar nicht, sie möchte auch später gerne in Ruhe gelassen werden, dann bildet sie mit den Jahren wunderschöne Horste.

Margit Siegrist

Liebe Imkerinnen und Imker
Wir wünschen allen Licht, damit wir werden können.
Allen eine besinnliche Weihnachtszeit im Kreise lieber Menschen und ein licht-durchflutete Übergang ins Neue Jahr, bei guter Gesundheit.

Der Vorstand

Recht viele Zwergsträucher tragen in der Umgangssprache den Namen „Heidekraut“ und in dieses sprachliche und gärtnerische Durcheinander möchte ich dieses Mal etwas Ordnung und Durchblick bringen, was nicht ganz einfach ist.
Alle gehören zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae), sind sehr gute Bienenweiden und sehen auch ziemlich ähnlich aus, haben aber sehr unterschiedliche Blütezeiten und Ansprüche an den Boden.
Diese Familie teilt sich in die zwei Gattungen „Erica“ und „Calluna“ (eigentlich in 126 Gattungen, aber die anderen lassen wir der Einfachheit halber mal schlicht weg).
Fangen wir mit der im Spätherbst überall angebotenen „Besenheide“ (Calluna vulgaris) an, die auch den grössten Fallstrick für alle bienenfreundlichen Garten-, bzw. Balkonbesitzer darstellt.
Denn die allermeisten der in den Gartencentern angebotenen Besenheiden gehören zur Zuchtform der „Knospenheide“ und sind damit für Nektar suchende Insekten völlig wertlos. Diese Sorte verharrt nämlich endlos im Knospenstadium, ohne jemals aufzublühen. Durch diesen züchterischen Trick sieht die Pflanze länger hübsch aus und ist unempfindlich gegen Frost, der die aufgeblühte Knospe zerstören würde.
Zumeist sind auch noch die kompletten Pflanzen mit Farbe eingesprüht, um die unwissenden Käufer noch zusätzlich zum Zugreifen zu animieren. Also stellen diese überall erhältlichen Blumen genau das dar, was man eigentlich gar nicht haben möchte!
Die ursprüngliche Besenheide dagegen ist eine wichtige Bienenweide, die im Spätsommer bis in den Herbst hinein blüht und bis zu 40 Jahre alt werden kann. Sie ist auch die Lieferantin des beliebten Heidehonigs, den früher vor allem die Korbimkerei mit ihrer Schwarmbienenzucht lieferte und auch heute noch ein wichtiges Ziel der Wanderimkerei darstellt.
Der geleeartige Honig, der nur durch stippen der Zellen geerntet werden kann (er ist thixotrop, wird also erst durch Bewegung flüssig) wird als beruhigend, den Schlaf und den Appetit fördernd beworben und erzielt hohe Preise.
G. Pritsch gibt den Nektar der Heideblüte mit 23-39% Zucker an (Nektarwert 3, Pollenwert 3 von 4 Stufen) und den möglichen Hektarertrag mit 2-120kg Honig. Denn die Heide honigt bei weitem nicht jedes Jahr und auch das Wetter muss natürlich passen. Allerdings sind die Heidegebiete im Laufe der Zeit stark geschrumpft und die restlichen Gebiete werden mit viel Pflegeaufwand für die Natur und den Tourismus erhalten. Diese Gebiete sind nämlich nicht natürlich entstanden, sondern durch den Eingriff des Menschen und die Beweidung mit Schafen auf sandigen, nährstoffarmen Böden, die zum Ackerbau nicht (mehr) taugten.
Und so braucht auch unsere Garten-Besenheide einen sandigen, sauren Boden und fühlt sich zum Beispiel als Unterpflanzung unter Heidelbeeren oder Ginster wohl. Auch den Verbiss der Schafe sollte man nachahmen und nach der Blüte zur Schere greifen.
Auch in der ursprünglichen Heide wurden die Heidesträucher immer wieder gekürzt, denn man brauchte die Zweige für Besen oder für den First der mit Reet gedeckten Dächer. Heute leistet sie als Sicht- oder Windschutz durch ihre Wetterbeständigkeit gute Dienste.
Dieses Einkürzen ist für die Blühwilligkeit der Pflanzen wichtig, sonst werden sie mit der Zeit kahl.
Soll die Besenheide vermehrt werden, wartet man damit bis zur Samenreife im Frühjahr und legt die Zweige dann auf den neuen Platz. Die Samen fallen aus und können im Schutz der Zweige keimen. Alternativ kann man ältere Zweige, die sich bewurzelt haben, als Ableger verwenden.
Denn  bei angeblich über 10 000 Sorten findet man vielleicht nicht mehr exakt die Besenheidesorte, die man nachpflanzen möchte.
Ebenfalls auf sauren Boden angewiesen sind die nächsten beiden Heidekrautarten, die man im Handel findet: die Glockenheide (Erica tetralix) und die Grauheide (E. cinerea). Die Glockenheide blüht vom Juni bis September und ist in der Schweiz heimisch (laut Flora Helvetica in Bern, Luzern und Sankt Gallen). Die Grauheide blüht dagegen früher, ab Juni bis August, ein Vorkommen in der Schweiz ist nicht verzeichnet.
In den Gartencentern werden auch öfter die südafrikanische Glockenheide (E. gracilis), die Wachsheide (E. ventricosa) und die Kapheide (E. hiemalis) angeboten. Diese sind allerdings natürlich an unsere mitteleuropäischen Winter nicht angepasst und erfrieren, so dass man sie besser erst gar nicht kauft.
Wenn man nun aber nur kalkreichen Boden zu Verfügung hat und kein Moorbeet anlegen möchte, gibt es auch ein empfehlenswertes Heidekraut: die Schneeheide (Erica carnea) die von Januar bis in den April blüht, je nach Sorte. Deshalb wird sie manchmal auch Winterheide oder Frühlingsheidekraut genannt, im Gegensatz zur auch Sommerheide genannten Besenheide. Auch die Blüten sind ähnlich, deshalb werden diese Arten gerne verwechselt. Wer aber die Blätter genauer ansieht, kann sich nicht irren: während die Besenheide schuppenförmige, eng am Zweig anliegende Blättchen hat, schmückt sich die Schneeheide mit nadelförmigen Blättern, die wie bei einem Fichtenzweig quirlartig rundherum wachsen.
G. Pritsch gibt der Schneeheide sogar den höheren Nektarwert 4 und einen Pollenwert von immerhin 2. Die Pollenhöschen beider Pflanzenarten haben eine schmutzig-weissgraue bis rosa Färbung und sind damit recht gut zu erkennen.
Die Schneeheide liebt ebenfalls sandige Böden und toleriert von mässig sauer bis alkalisch jeden Kalkgehalt. Hauptsache der Boden ist schön durchlässig, mässig feucht und die Pflanze hat genügend Sonne. Denn diese Pflanze kommt überall im subalpinen Bereich der Schweiz an kalkhaltigen, trockenen Hängen vor und kommt bestens mit nährstoffarmen Böden zurecht. Wie alle Heidekräuter arbeitet sie mit einem Bodenpilz zusammen, der ihr die nötigen Nährstoffe liefert.
Vermehren lässt sie sich leicht durch Stecklinge im Spätsommer.
Wer noch eine Alternative auf kalkreichen Böden sucht und in sehr warmen Gegenden wohnt, der kann übrigens auch auf die Vielblütige Heide (E. multiflora) zurückgreifen, deren Verbreitungsgebiet vom Mittelmeerraum bis Nordafrika reicht. Diese ist deutlich höher, bis 2,5m und blüht wiederum im Herbst.
Wer nun übrigens glaubt, damit sei die mögliche Höhe eines Heide“krautes“ ausgeschöpft, den möchte ich zum Schluss noch auf die Baumheide (E. arborea) hinweisen, die angeblich stolze 20m erreichen kann und sich vom Januar bis Juli mit den typischen glockenförmigen Blüten ziert. Aber für alle, die nicht zufällig auf den Kanaren oder im Mittelmeerraum leben, bleibt dieser riesige Vertreter leider gärtnerisch unerreichbar.

Margit Siegrist