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Wer nach einer Bienenweide sucht, denkt oft nicht an Himbeeren.
Völlig zu Unrecht, denn mit einem Nektarwert der höchsten Stufe 4 und einem Pollenwert von 3 (nach G. Pritsch) ist die Himbeere durchaus nicht nur wegen ihrer Früchte eine echte Bereicherung des Gartens!
Immerhin enthält ihr Nektar zwischen 21 und 70% Zucker und der Hektarertrag wird mit 39 bis 122 kg Honig angegeben.
Auch ihre Blütezeit kann sich sehen lassen: die ersten Blüten erscheinen  im Mai und dann wird - je nach Sorte - durchgeblüht, bis die ersten ordentlichen Fröste übers Land ziehen.
Deshalb lohnt sich bei Himbeeren (wie eigentlich bei allen Gartenpflanzen) eine möglichst grosse Vielfalt an Sorten. So gibt es immer Blüten für unsere Bienen und Früchte für die Küche, ohne dass es zu viel zum Ernten wird.
Wie so viele unserer Frucht- und Zierpflanzen stammt die Himbeere aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie trägt auch eigentlich gar keine Beeren, sondern „Sammelsteinfrüchte“.
Anders als bei ihrer Verwandten, der Brombeere (die ebenfalls zur Gattung Rubus gehört), lösen sich diese Sammelfrüchte leicht vom Blütenboden, was ihr auch den alten Namen „Hohlbeere“ eingebracht hat.
Die Himbeere wird schon sehr lange vom Menschen genutzt, schon in Siedlungen der Steinzeit wurden die winzigen Kerne in grossen Mengen gefunden. Ab dem Mittelalter wurde die „Hintperi“ (althochdeutsch „Beeren der Hirschkuh“) dann kultiviert, vor allem in den Klöstern, die damals oft Vorreiter der Pflanzenzucht waren.
Allerdings stand dort vermutlich die Nutzung als Heilpflanze im Vordergrund, denn die Himbeere wurde zur Behandlung diverser Leiden eingesetzt. Bei Durchfall, Rheuma, Hautproblemen, Entzündungen in Mund und Rachen, Fieber und zur Vorbereitung der Geburt trank man Tee oder bereitete ein Bad aus den Blättern. Die Früchte waren wohl ein willkommener Nebeneffekt des Anbaus, obwohl sie durchaus mit Vitamin C, Magnesium, Eisen, Anthocyanen und anderen gesunden Inhaltsstoffen für ein gesundes Immunsystem sorgen.
In der Schweiz wurden 2020 circa 170 Hektar Himbeeren offiziell als landwirtschaftliche Nutzpflanze angebaut, von denen über 2000 Tonnen Früchte geerntet werden konnten. Damit liegt der Selbstversorgungsgrad allerdings gerade mal bei 30%.
Da die Früchte einen Transport oder eine längere Lagerung nur sehr schlecht vertragen, liegt es nahe, diese Frucht im eigenen Garten oder  auf dem eigenen Balkon zu kultivieren. Und das funktioniert mit ein bisschen Wissen um die Bedürfnisse dieser Pflanze auch sehr gut!
Ursprünglich wächst die Himbeere auf Waldlichtungen und ist eine sogenannte Waldpionierpflanze, die Kahlschläge oder Windwürfe schnell in Beschlag nimmt. Und solche Bedingungen möchte sie auch gerne in unseren Gärten. Also am liebsten einen mässig nährstoffreichen, lockeren Boden in der Sonne oder im Halbschatten, gerne auch mit höherer Luftfeuchtigkeit und kühlen Sommertemperaturen.
Dieses Jahr kam ihr mit dem Regenwetter eigentlich recht entgegen, nur leider gab es auf schweren Böden schnell Probleme mit Staunässe und das mag die Himbeere gar nicht. Ein ständig kühler und nasser Boden führt schnell zu Wurzelkrankheiten, deshalb baut man die Himbeere auf solchen Böden besser auf einem Damm mit Sandbeimischung an.
Ansonsten ist sie pflegeleicht, eine dünne Kompostschicht jedes Frühjahr und ein regelmässiger Schnitt reicht.
Nur, wie schneidet man Himbeeren? Das ist eigentlich auch ganz leicht, man muss nur wissen, ob man eine Sommerhimbeere oder eine Herbsthimbeere vor sich hat.
Die Sommerhimbeeren tragen früh Früchte (teilweise schon im Juni) an den vorjährigen Trieben und nach der Ernte werden alle alten Ruten bodeneben abgeschnitten. Die neuen Triebe werden dann anstatt der alten an das Spalier geheftet (ohne Spalier oder Stütze kommt man meistens bei den Sommerhimbeeren nicht aus).
Gute Sorten wären zum Beispiel „Meeker“ und „Tulameen“ (sehr ertragreiche Klassiker), die goldene „Hauensteins Gelbe“ und wer es  exotisch möchte, kann es mit der schwarzen „Black Jewel“ probieren.
Für die Topfkultur wäre die nur 80cm hohe „Lowberry Baby Dwarf“  zu empfehlen, die sogar bis in den September Früchte trägt.
Bei den Herbsthimbeeren hingegen werden ausnahmslos alle Triebe im späten Herbst oder im frühen Frühjahr abgeschnitten. Dadurch setzt die Blüte und die Fruchtbildung später ein, was den Vorteil hat, dass die Flugzeit des lästigen Himbeerkäfers schon vorbei ist und man keine Fallen aufstellen muss, zumindest wenn man Früchte mit natürlichem Proteingehalt nicht mag. Dafür gibt es dann Blüten und Beeren bis weit in den November, wenn das Wetter mitspielt.
Höhere Sorten lässt man am besten durch ein waagerecht angebrachtes Drahtgitter wachsen, so spart man sich das Aufbinden der Triebe.
Zum Beispiel wären die Schweizer Züchtung „Himbotop“, die sehr robuste „Autumn Bliss“ mit ihren Töchtern „Aroma Queen“ und „Autumn Best“ zu erwähnen. Wer gerne gelbe Himbeeren möchte oder schlicht etwas Abwechslung, ist mit „Autumn Amber“ gut beraten.
Und auch für den Topf gibt es eine Herbsthimbeere, die mit 50cm wirklich klein bleibt und recht früh Früchte trägt: „Lowberry Little Sweet Sister“.
Und was macht man, wenn man gar nicht weiss, welche Himbeere da vor einem steht und geschnitten werden möchte? Da gibt es noch die einfache Möglichkeit, nur die abgeernteten Triebe abzuschneiden und den Rest stehen zu lassen. Die neuen Triebe überwintern und tragen einfach früher Früchte, natürlich geht das aber zu Lasten einer späteren Ernte. An der Wuchsform erkennt man dann meist, mit wem man es zu tun hat und kann den Schnitt so anpassen, dass man zur optimalen Zeit ernten kann.
Die Sortenvielfalt der Himbeeren ist fast endlos, da findet jeder seine Traum-Himbeere von Geschmack, Wuchsform und Erntezeit her.
Wer übrigens glaubt, mit ihr eine echte europäische Beerenpflanze vor sich zu haben, der irrt. Unsere ursprüngliche europäische Himbeere wurde schon früh mit der amerikanischen Waldhimbeere gekreuzt, was für wesentlich grössere Früchte sorgte. Diese Kreuzung setzte sich nicht nur in den Gärten durch, sondern auch ausserhalb, so dass wohl jede Himbeere beide Herkünfte in sich trägt. Eine Suche nach der ursprünglichen „einheimischen Himbeere“ ist ziemlich sinnlos.
Den Schmetterlingen ist dies aber völlig egal, es leben immerhin 54 verschiedene Arten von Himbeerblättern. Und auch unsere Bienen und ihre wilden Verwandten freuen sich sehr über eine Himbeerhecke. Angelegt werden kann sie dank Topfpflanzen jederzeit, nur auf schweren Böden ist es besser, bis in den Sommer zu warten. Dann können die Wurzeln im warmen Boden besser durchstarten.
Wenn man eine gute Sorte in einem Garten entdeckt, kann man Himbeeren übrigens problemlos über die unvermeidlichen unterirdischen Kriechsprosse vermehren. Nur muss man darauf achten, sich nicht eine Wurzel- oder Rutenkrankheit gleich mit einzuschleppen, die wird man nur schwer wieder los. Also besser die Pflanzen genau ansehen oder in guten Gärtnereien kaufen, Qualität hat immer ihren Preis und mit Billigware hat man dann mehr Ärger als Freude.

Margit Siegrist

Heute geht es um einen Strauch mit einem ungewöhnlichen Namen, der aber durch seine späte Blüte auch ungewöhnlich wertvoll ist!
Um diese Zeit im Jahr blüht immer weniger in den Gärten und unsere Bienen haben Mühe, noch etwas zu finden. Während sie allerdings im Notfall auf die reichlichen Vorräte im Stock zurückgreifen können, sitzen ihre wilden Verwandten und auch die Schmetterlinge „auf dem Trockenen“. Dieser Strauch kann das ändern und ist zudem noch eine echte Zierde.
Wie man anhand des Namens schon vermuten kann, stammt der Strauch ursprünglich aus China. Dort ist er in den Gebirgen Zentralchinas verbreitet, wo er in trockenen Wäldern und Steppen bei einer Höhenlage von 600-1000m wächst. Aber durch die Abholzung in den drei Provinzen, in denen er natürlich vorkommt, steht er inzwischen auf der „Roten Liste“.
Er ist übrigens der einzige Vertreter seiner Art in der Familie der Geissblattgewächse (Caprifoliaceae) und wurde 1916 das erste Mal beschrieben. Angeblich kam er dann erst 1983 nach Europa und ist bei uns immer noch sehr selten zu finden, ein echter Geheimtipp quasi.
Da seine Namen „Sieben-Söhne-des-Himmels“ oder „Sieben-Glocken-Strauch“ sehr sperrig sind und eher abschreckend wirken, findet man ihn seit neuestem auch manchmal von gewitzten Gärtnereien unter dem Namen „Herbstflieder“ angeboten.
Dieser neue Name passt übrigens wie angegossen, denn seine Blätter und seine Wuchsform ähneln dem Flieder deutlich, obwohl sie nicht näher verwandt sind. Zudem duften seine rahmweissen Blüten, wenn auch nicht so stark wie bei manchem Gartenflieder. Dafür bietet der „Herbstflieder“ mit einem Nektar- und Pollenwert von 3 (von 4 Stufen nach G. Pritschs Buch „Bienenweide“) deutlich mehr Nahrung für die Bienen.
Die rispenartigen Blüten stehen an den diesjährigen Langtrieben des 3-6m hohen Strauches, der deshalb (wenn überhaupt) nur im Frühjahr geschnitten werden sollte, um die Blüte nicht zu beeinträchtigen.
Er ist sehr anspruchslos und frosthart, wenn er auch gerne nährstoffreichen, durchlässigen Boden mag. Er liebt sonnige bis halbschattige Lagen und kommt auch gut mit dem extremeren Stadtklima zurecht.
Eigentlich wird der Strauch als „Solitär“, das heisst freistehend empfohlen, bei mir residiert er aber auch zufrieden als Heckenpflanze. Da er straff aufrecht wächst, kann man ihn mit Stauden oder Kleinsträuchern unterpflanzen, zum Beispiel mit seinen entfernten Verwandten Heckenkirsche oder Schneebeere (bei mir wächst die Sorte „Magic Candy“ unter dem Strauch, der Kontrast der weissen Blüten mit den rosa Beeren sieht sehr hübsch aus).
Nach der Blüte, die etwa von August bis weit in den Oktober dauert, bilden sich sehr schnell die Samen, die von rosa bis purpurfarbenen Kelchblättern umgeben sind und fast wie Blüten wirken. Der Strauch blüht sozusagen zwei Mal!
Diese „Blüten“ haben wir übrigens einmal als Tischdekoration an unserer Herbstsitzung des Vereins verwendet und es kamen sehr viele Nachfragen, da niemand diesen Fruchtschmuck so richtig einordnen konnte.
Zu guter Letzt ist er auch im Winter durch seine Wuchsform und mit seiner gelblichen, sich ablösenden Rinde schön anzuschauen.
Ein sehr empfehlenswerter Strauch also, dessen holpriger Name einen nicht abschrecken sollte. Es gibt ihn übrigens in den meisten gut sortierten Baumschulen zu kaufen, meist als Containerware, die man rund um das Jahr pflanzen kann – die beste Pflanzzeit kommt allerdings jetzt mit dem Blattfall, so kann der Strauch noch über den Winter gut anwachsen und im nächsten Jahr schon  unsere Bienen erfreuen.
Margit Siegrist

Ja, die Sonnenblumen ... die sind aber doch schon längst verblüht, oder?

Für die einjährigen Sonnenblumen, die man sofort gedanklich vor Augen hat, stimmt das. Aber es gibt noch mehrere wunderbare Arten der Staudensonnenblumen, die um diese Zeit erst richtig blühen!

Beide Vertreter möchte ich euch hier vorstellen, denn ob ein- oder mehrjährig, beide lohnen sich für den Garten oder rund um den Bienenstand.

Beginnen wir erst einmal mit der einjährigen Sonnenblume (Helianthus annuus), die jetzt schon ihre Samen bildet und überall auf den Feldern ihre Köpfe hängen lässt, um ihre Kerne vor dem Regen zu schützen.

Sie ist die drittwichtigste Ölpflanze weltweit und wird in der Schweiz 2021 auf 4600 Hektar angebaut, mit 13 700 Tonnen prognostizierter Ernte (Zahlen Swiss Granum, Stand September 2021. Der Anteil der Bioflächen bei Ölpflanzen nahm übrigens um 9,3% im Vergleich zu 2020 zu, was uns Bienenhalter natürlich doppelt freut).

Einerseits wird die Ernte zu Öl gepresst, das vielerlei Verwendung als Speiseöl, für Backwaren, aber auch Treib- und Schmierstoffe findet. Weniger bekannt ist seine medizinische Wirkung äusserlich bei Wunden und Rheuma (oft verbunden mit anderen Heilpflanzen) und innerlich bei Verstopfung.

60 Sonnenblumen ergeben etwa ein Liter Öl, da bleibt also ziemlich viel Trester zurück. Dieser Pressrückstand ist aber ein sehr gutes Tierfutter und wird ebenfalls verwertet.

Andererseits werden die Kerne selbst verwendet, als Müeslizutat und für Backwaren. Aber auch ungeschält nicht nur als Vogelfutter, sondern auch als  Keimsaat (Sonnenblumensprossen werden vor allem in der asiatischen Küche geschätzt) oder geröstet als Knabberei in Spanien, Balkanländern oder in der Türkei.

Das Stroh hingegen wird meist auf dem Feld gelassen. Es ist zu feucht und grob für die Verwendung als Tierstreu oder Brennmaterial. Nur in Ungarn schnitzte man (zumindest früher) allerlei Flöten aus den Stängeln.

Je nach Verwendung gibt es verschiedene Zuchtformen der Sonnenblume, die dementsprechend dem Öltyp, dem Speisetyp, dem Ziertyp für Gärten und zuletzt dem eher unbekannten Futtertyp zugeordnet werden. Beim Futtertyp ist die Blattbildung viel ausgeprägter, so kann die Pflanze als Tierfutter (auch als Silage) dienen oder als Gründüngung die Bodenfruchtbarkeit fördern.

Bei diesen Zahlen und der weiten Verbreitung der Blume in unseren Gärten vergisst man leicht, dass auch die Sonnenblume ein sogenannter Neophyt ist und erst nach der Entdeckung Amerikas zu uns kam.

Denn ihre ursprüngliche Heimat ist nun mal der Amerikanische Kontinent, wobei sie dort schon lange in Kultur war. Schon 2500 vor Christus ist ihre Nutzung in Mittelamerika nachgewiesen und die Inkas verehrten sie angeblich als Abbild ihres Sonnengottes. Verständlich, denn die Sonnenblume gehört zu den sogenannten Kompasspflanzen, die dem Sonnenlauf folgen und erst mit der Bildung der Blüte in Richtung Osten „stehen“ bleiben.

So kamen schon 1552 die ersten Samen nach Europa, wo sie erst als Zierpflanze geschätzt wurde, bis man sie auch als Nutzpflanze entdeckte. Schon im 17. Jahrhundert tauchte sie in Kochbüchern als Zutat von Backwaren auf und sogar geröstet als Kaffee-Ersatz, was man sich geschmacklich gar nicht so recht vorstellen mag.

Während die Kaffee-Variante glücklicherweise in Vergessenheit geriet, eroberte die Sonnenblume in unseren Gärten einen festen Platz. Und auch als Imker freut man sich immer, wenn ein Sonnenblumenfeld in der Nähe angesät wird. Denn der Nektar- und Pollenwert ist mit je 3 angegeben (von 4 Stufen in dem bekannten Buch „Bienenweide“ von G. Pritsch), der Zuckergehalt mit 50-80% und der Honigertrag je Hektar mit 35-50 kg. Auch wenn die Blütezeit in diesem Jahr wegen dem kalten Wetter recht spät begann und viele Bienenhalter schon längst abgeräumt hatten, so kam der gesammelte Honig doch gelegen, um den Wintervorrat zu ergänzen und der wertvolle, dunkelgelbe Pollen der Sonnenblume ist um diese Jahreszeit ideal, um gesunde Winterbienen aufzuziehen.

Und auch der Landwirt darf sich übrigens über eine bessere Ernte freuen, wenn Bienenstöcke in der Nähe stehen. In einem Versuch, bei dem Honigbienen an der Bestäubung gehindert wurden und nur kleinere Wildbienen an die Blüten herankamen, reiften nur 70-86 % der Kerne aus. Denn immerhin sind es allein in einer Sonnenblumenblüte bis zu 15 000 Einzelblüten, die bestäubt werden wollen! Ein idealer Job für die effiziente Honigbiene.

Auch bei anderen Fakten über die Sonnenblume kommt man ins Staunen: Immerhin ist sie eine der fotosynthese-aktivsten Pflanzen und schafft es in einem Tag, alles CO2 in 100 Kubikmeter Luft zu verstoffwechseln (Angabe Wikipedia). Das erklärt auch, warum alle Sonnenblumen bitte in voller Sonne und in nährstoffreichem Boden stehen wollen. Auch genügend Feuchtigkeit sollte vorhanden sein, damit sie „honigen“ können.

Das Gleiche möchten auch gerne ihre langlebigen Schwestern, die Staudensonnenblumen. Ohne volle Sonne mickern sie oder leiden an Mehltau. Einen schönen Platz als „Zaungucker“ oder im Staudenbeet danken sie aber mit langer Blüte, Winterhärte und Langlebigkeit.

Denn Staudensonnenblumen muss man nur einmal pflanzen und hat jedes Jahr wieder Freude an ihnen, sie schlagen ihre einjährigen Verwandten locker im Blütenreichtum und vor allem mit später, langer Blütezeit.

Da ihre Triebe im Winter knapp unter der Erdoberfläche liegen, sind sie für eine ordentliche Ladung Kompost nach dem Rückschnitt im Spätherbst dankbar: 3-5cm schützen die Triebe vor Kahlfrost und wirken als Startdüngung im Frühjahr. Sonst muss man sich um die Stauden nicht kümmern.

Folgende Staudensonnenblumen gibt es üblicherweise im Handel:

  • Die Wald-Sonnenblume (Helianthus atrorubens): sie wächst wild in den lichten, trockenen Wäldern der südöstlichen USA und so benimmt sie sich auch. Sie ist nur etwas für grosse Gärten, denn sie bildet über Ausläufer rasch grössere Bestände. Mit 150-180cm ist sie auch recht gross, bleibt aber elegant und blüht im August/September überreich. Auch Trockenheit macht ihr nichts aus.
  • Die Schmalblättrige Sonnenblume (H. decapetalus) dagegen möchte bitte genügend Feuchtigkeit zur Verfügung haben (wobei alle Sonnenblumen durchlässigen Boden lieben, nasse Füsse mögen sie nicht), dann sind sie robust und blühen wunderschön von August bis Oktober. Die Sorten „Meteor“ und die ähnliche „Capenoch Star“ sind mit 130-170cm auch nicht gerade klein, aber sehr schön für pflegeextensive Beete, vor allem in Kombination mit Herbstastern. „Triomphe de Gand“ dagegen ist mit 100-150cm deutlich kleiner und zahmer, die Blüten ähneln am stärksten von allen der einjährigen Sonnenblume.
  • Die Behaarte Sonnenblume (H. mollis) ist deutlich kleiner mit 80-120cm, verträgt mit ihrer dichten Behaarung besser Trockenheit und blüht im August/September.
  • Die Riesensonnenblumen (H. giganteus) sind wirkliche „Giganten“. Die Sorte „Sheila`s Sunshine“ wird locker 250-300cm hoch und sprengt damit den Rahmen eines normalen Gartens. Sie ist wüchsig, vital und mit einer Blütezeit von September bis November eine der spätesten Staudensonnenblumen überhaupt. „Simon Wiesenthal“ ist mit 100-220cm dagegen deutlich kleiner und blüht auch früher, im August/September.
  • Die Kleinblumige Sonnenblume (H. microcephalus)  „Lemon Queen“ wird angeblich etwa 170cm hoch, allerdings hat das meine Staude im Garten wohl nicht gelesen und ihre strahlend gelben Blüten strecken sich noch weit über die 2m-Marke. Bei ihrer Blütenfülle im August und September sei es ihr aber gerne verziehen. Sie möchte dafür gerne ausreichend Wasser.
  • Mit wenig Wasser kommt „Kellermanns Sonnenblume“ (H.x kellermannii) gut zurecht und bietet (im Gegensatz zu den oben genannten, meist sterilen Stauden) den Vögeln im Herbst auch Kerne. Sie wird etwa 180-200cm hoch , blüht mit September/Oktober auch recht spät und das, als Ausnahme, auch in eher nährstoffarmen Böden

    Zwei untypische Sonnenblumenvertreter für „Mutige“ zum Schluss der langen (und doch längst nicht vollständigen) Aufzählung:

Margit Siegrist

Zur Zeit blüht ein wahrer Bienenmagnet in meinem Garten, den ich euch gerne näher vorstellen würde. Allerdings gibt es kaum Informationen zu dieser Pflanze, weder in den üblichen Gartenbüchern, noch im sonst quasi allwissenden Internet.

Gefunden habe ich diese anspruchslose Staude bei der Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissen/D, die für ihr grosses Sortiment weithin bekannt ist. Wobei: „gefunden“ ist zu viel gesagt, treffender wäre „darüber gestolpert“. Jedenfalls ist sie in meinem Garten gelandet, sehr zur Freude meiner Bienen!

Die Prärieminze oder Cherokee-Bergminze gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und dort zum Tribus Mentheae, also der Minzen (und das merkt man auch an ihrem starken minzartigen Geruch). Sie ist aber nicht näher mit den ebenfalls als Bergminzen bezeichneten Gartenpflanzen der Art Calamintha verwandt, die ich euch gerne einmal später vorstelle, da sie ebenfalls lohnende Bienenweiden sind.

Die Amerikanische Bergminze blüht zwar ähnlich spät, von Juli bis in den September, ist aber vom Wuchs her deutlich höher (etwa 60-80 cm) und die Blüte ist optisch viel auffälliger. Auch das durch die dichte Behaarung silbrig wirkende Laub wirkt im Garten sehr schön und setzt auch ausserhalb der Blüte Akzente.

In meinem sandigen Boden kommt sie in voller Sonne bestens zurecht, scheint aber auch keine Probleme mit diesem nassen Sommer zu haben, wie so mancher andere Trockenkünstler. Die oben genannte Staudengärtnerei empfiehlt als Nachbarpflanze den Purpur-Sonnenhut  (Echinacea purpurea), was ich mir als Kombination sehr gut vorstellen kann und auch bestimmt ausprobieren werde.

Die Prärieminze ist eine alte Heilpflanze der nordamerikanischen Indianer, leider findet man dazu nicht allzu viel. Sie sollen es als Stärkungsmittel verwendet haben, bei verdorbenem Magen und Erkältungen. Sie wird heute in ihrem Ursprungsland vor allem als Teepflanze oder in Süssspeisen eingesetzt. Mehr kann ich euch leider nicht über diese Pflanze erzählen!

Selbst im sonst zuverlässigen Buch „Bienenweide“ (G. Pritsch) findet man nur ihre  nahe Verwandte, die „Dickblume“ oder „Grossblättrige Bergminze“ (P. muticum) mit einem Nektarwert 2 und einem Pollenwert von 1 (von 4 Stufen) ... was angesichts des massiven Bienenbesuchs für ihre Schwester fast nicht stimmen kann.

Dafür sollen die Blätter der Dickblume übrigens gut gegen Mücken und Zecken wirken, dank des Inhaltsstoffes Pulegon. Das könnte man bei der Amerikanischen Bergminze auch versuchen und hätte einen glatten Doppelnutzen, wenn man zum Bienenstand am Waldrand fahren muss und kein Repellent benutzen möchte – die chemische Variante DEET sorgt ja nach wie vor für Rückstände im Bienenwachs.

Eine zweite Verwandte unserer rätselhaften Blume habe ich auch noch gefunden, die Schmalblättrige Bergminze (P.tenuifolium). Auch sie wäre einen hübschen Versuch im Garten wert, bleibt mit 50-70cm etwas kleiner und wird auch als Bienenweide beschrieben. Alle drei Arten sind jedenfalls sehr zierend und eine Bereicherung für den Garten, vor allem durch ihre späte Blüte und das silbrige Laub!

Margit Siegrist