Die Himbeere (Rubus idaeus)

Wer nach einer Bienenweide sucht, denkt oft nicht an Himbeeren.
Völlig zu Unrecht, denn mit einem Nektarwert der höchsten Stufe 4 und einem Pollenwert von 3 (nach G. Pritsch) ist die Himbeere durchaus nicht nur wegen ihrer Früchte eine echte Bereicherung des Gartens!
Immerhin enthält ihr Nektar zwischen 21 und 70% Zucker und der Hektarertrag wird mit 39 bis 122 kg Honig angegeben.
Auch ihre Blütezeit kann sich sehen lassen: die ersten Blüten erscheinen  im Mai und dann wird - je nach Sorte - durchgeblüht, bis die ersten ordentlichen Fröste übers Land ziehen.
Deshalb lohnt sich bei Himbeeren (wie eigentlich bei allen Gartenpflanzen) eine möglichst grosse Vielfalt an Sorten. So gibt es immer Blüten für unsere Bienen und Früchte für die Küche, ohne dass es zu viel zum Ernten wird.
Wie so viele unserer Frucht- und Zierpflanzen stammt die Himbeere aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie trägt auch eigentlich gar keine Beeren, sondern „Sammelsteinfrüchte“.
Anders als bei ihrer Verwandten, der Brombeere (die ebenfalls zur Gattung Rubus gehört), lösen sich diese Sammelfrüchte leicht vom Blütenboden, was ihr auch den alten Namen „Hohlbeere“ eingebracht hat.
Die Himbeere wird schon sehr lange vom Menschen genutzt, schon in Siedlungen der Steinzeit wurden die winzigen Kerne in grossen Mengen gefunden. Ab dem Mittelalter wurde die „Hintperi“ (althochdeutsch „Beeren der Hirschkuh“) dann kultiviert, vor allem in den Klöstern, die damals oft Vorreiter der Pflanzenzucht waren.
Allerdings stand dort vermutlich die Nutzung als Heilpflanze im Vordergrund, denn die Himbeere wurde zur Behandlung diverser Leiden eingesetzt. Bei Durchfall, Rheuma, Hautproblemen, Entzündungen in Mund und Rachen, Fieber und zur Vorbereitung der Geburt trank man Tee oder bereitete ein Bad aus den Blättern. Die Früchte waren wohl ein willkommener Nebeneffekt des Anbaus, obwohl sie durchaus mit Vitamin C, Magnesium, Eisen, Anthocyanen und anderen gesunden Inhaltsstoffen für ein gesundes Immunsystem sorgen.
In der Schweiz wurden 2020 circa 170 Hektar Himbeeren offiziell als landwirtschaftliche Nutzpflanze angebaut, von denen über 2000 Tonnen Früchte geerntet werden konnten. Damit liegt der Selbstversorgungsgrad allerdings gerade mal bei 30%.
Da die Früchte einen Transport oder eine längere Lagerung nur sehr schlecht vertragen, liegt es nahe, diese Frucht im eigenen Garten oder  auf dem eigenen Balkon zu kultivieren. Und das funktioniert mit ein bisschen Wissen um die Bedürfnisse dieser Pflanze auch sehr gut!
Ursprünglich wächst die Himbeere auf Waldlichtungen und ist eine sogenannte Waldpionierpflanze, die Kahlschläge oder Windwürfe schnell in Beschlag nimmt. Und solche Bedingungen möchte sie auch gerne in unseren Gärten. Also am liebsten einen mässig nährstoffreichen, lockeren Boden in der Sonne oder im Halbschatten, gerne auch mit höherer Luftfeuchtigkeit und kühlen Sommertemperaturen.
Dieses Jahr kam ihr mit dem Regenwetter eigentlich recht entgegen, nur leider gab es auf schweren Böden schnell Probleme mit Staunässe und das mag die Himbeere gar nicht. Ein ständig kühler und nasser Boden führt schnell zu Wurzelkrankheiten, deshalb baut man die Himbeere auf solchen Böden besser auf einem Damm mit Sandbeimischung an.
Ansonsten ist sie pflegeleicht, eine dünne Kompostschicht jedes Frühjahr und ein regelmässiger Schnitt reicht.
Nur, wie schneidet man Himbeeren? Das ist eigentlich auch ganz leicht, man muss nur wissen, ob man eine Sommerhimbeere oder eine Herbsthimbeere vor sich hat.
Die Sommerhimbeeren tragen früh Früchte (teilweise schon im Juni) an den vorjährigen Trieben und nach der Ernte werden alle alten Ruten bodeneben abgeschnitten. Die neuen Triebe werden dann anstatt der alten an das Spalier geheftet (ohne Spalier oder Stütze kommt man meistens bei den Sommerhimbeeren nicht aus).
Gute Sorten wären zum Beispiel „Meeker“ und „Tulameen“ (sehr ertragreiche Klassiker), die goldene „Hauensteins Gelbe“ und wer es  exotisch möchte, kann es mit der schwarzen „Black Jewel“ probieren.
Für die Topfkultur wäre die nur 80cm hohe „Lowberry Baby Dwarf“  zu empfehlen, die sogar bis in den September Früchte trägt.
Bei den Herbsthimbeeren hingegen werden ausnahmslos alle Triebe im späten Herbst oder im frühen Frühjahr abgeschnitten. Dadurch setzt die Blüte und die Fruchtbildung später ein, was den Vorteil hat, dass die Flugzeit des lästigen Himbeerkäfers schon vorbei ist und man keine Fallen aufstellen muss, zumindest wenn man Früchte mit natürlichem Proteingehalt nicht mag. Dafür gibt es dann Blüten und Beeren bis weit in den November, wenn das Wetter mitspielt.
Höhere Sorten lässt man am besten durch ein waagerecht angebrachtes Drahtgitter wachsen, so spart man sich das Aufbinden der Triebe.
Zum Beispiel wären die Schweizer Züchtung „Himbotop“, die sehr robuste „Autumn Bliss“ mit ihren Töchtern „Aroma Queen“ und „Autumn Best“ zu erwähnen. Wer gerne gelbe Himbeeren möchte oder schlicht etwas Abwechslung, ist mit „Autumn Amber“ gut beraten.
Und auch für den Topf gibt es eine Herbsthimbeere, die mit 50cm wirklich klein bleibt und recht früh Früchte trägt: „Lowberry Little Sweet Sister“.
Und was macht man, wenn man gar nicht weiss, welche Himbeere da vor einem steht und geschnitten werden möchte? Da gibt es noch die einfache Möglichkeit, nur die abgeernteten Triebe abzuschneiden und den Rest stehen zu lassen. Die neuen Triebe überwintern und tragen einfach früher Früchte, natürlich geht das aber zu Lasten einer späteren Ernte. An der Wuchsform erkennt man dann meist, mit wem man es zu tun hat und kann den Schnitt so anpassen, dass man zur optimalen Zeit ernten kann.
Die Sortenvielfalt der Himbeeren ist fast endlos, da findet jeder seine Traum-Himbeere von Geschmack, Wuchsform und Erntezeit her.
Wer übrigens glaubt, mit ihr eine echte europäische Beerenpflanze vor sich zu haben, der irrt. Unsere ursprüngliche europäische Himbeere wurde schon früh mit der amerikanischen Waldhimbeere gekreuzt, was für wesentlich grössere Früchte sorgte. Diese Kreuzung setzte sich nicht nur in den Gärten durch, sondern auch ausserhalb, so dass wohl jede Himbeere beide Herkünfte in sich trägt. Eine Suche nach der ursprünglichen „einheimischen Himbeere“ ist ziemlich sinnlos.
Den Schmetterlingen ist dies aber völlig egal, es leben immerhin 54 verschiedene Arten von Himbeerblättern. Und auch unsere Bienen und ihre wilden Verwandten freuen sich sehr über eine Himbeerhecke. Angelegt werden kann sie dank Topfpflanzen jederzeit, nur auf schweren Böden ist es besser, bis in den Sommer zu warten. Dann können die Wurzeln im warmen Boden besser durchstarten.
Wenn man eine gute Sorte in einem Garten entdeckt, kann man Himbeeren übrigens problemlos über die unvermeidlichen unterirdischen Kriechsprosse vermehren. Nur muss man darauf achten, sich nicht eine Wurzel- oder Rutenkrankheit gleich mit einzuschleppen, die wird man nur schwer wieder los. Also besser die Pflanzen genau ansehen oder in guten Gärtnereien kaufen, Qualität hat immer ihren Preis und mit Billigware hat man dann mehr Ärger als Freude.

Margit Siegrist