„Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch“(Heptacodium miconioides)

Heute geht es um einen Strauch mit einem ungewöhnlichen Namen, der aber durch seine späte Blüte auch ungewöhnlich wertvoll ist!
Um diese Zeit im Jahr blüht immer weniger in den Gärten und unsere Bienen haben Mühe, noch etwas zu finden. Während sie allerdings im Notfall auf die reichlichen Vorräte im Stock zurückgreifen können, sitzen ihre wilden Verwandten und auch die Schmetterlinge „auf dem Trockenen“. Dieser Strauch kann das ändern und ist zudem noch eine echte Zierde.
Wie man anhand des Namens schon vermuten kann, stammt der Strauch ursprünglich aus China. Dort ist er in den Gebirgen Zentralchinas verbreitet, wo er in trockenen Wäldern und Steppen bei einer Höhenlage von 600-1000m wächst. Aber durch die Abholzung in den drei Provinzen, in denen er natürlich vorkommt, steht er inzwischen auf der „Roten Liste“.
Er ist übrigens der einzige Vertreter seiner Art in der Familie der Geissblattgewächse (Caprifoliaceae) und wurde 1916 das erste Mal beschrieben. Angeblich kam er dann erst 1983 nach Europa und ist bei uns immer noch sehr selten zu finden, ein echter Geheimtipp quasi.
Da seine Namen „Sieben-Söhne-des-Himmels“ oder „Sieben-Glocken-Strauch“ sehr sperrig sind und eher abschreckend wirken, findet man ihn seit neuestem auch manchmal von gewitzten Gärtnereien unter dem Namen „Herbstflieder“ angeboten.
Dieser neue Name passt übrigens wie angegossen, denn seine Blätter und seine Wuchsform ähneln dem Flieder deutlich, obwohl sie nicht näher verwandt sind. Zudem duften seine rahmweissen Blüten, wenn auch nicht so stark wie bei manchem Gartenflieder. Dafür bietet der „Herbstflieder“ mit einem Nektar- und Pollenwert von 3 (von 4 Stufen nach G. Pritschs Buch „Bienenweide“) deutlich mehr Nahrung für die Bienen.
Die rispenartigen Blüten stehen an den diesjährigen Langtrieben des 3-6m hohen Strauches, der deshalb (wenn überhaupt) nur im Frühjahr geschnitten werden sollte, um die Blüte nicht zu beeinträchtigen.
Er ist sehr anspruchslos und frosthart, wenn er auch gerne nährstoffreichen, durchlässigen Boden mag. Er liebt sonnige bis halbschattige Lagen und kommt auch gut mit dem extremeren Stadtklima zurecht.
Eigentlich wird der Strauch als „Solitär“, das heisst freistehend empfohlen, bei mir residiert er aber auch zufrieden als Heckenpflanze. Da er straff aufrecht wächst, kann man ihn mit Stauden oder Kleinsträuchern unterpflanzen, zum Beispiel mit seinen entfernten Verwandten Heckenkirsche oder Schneebeere (bei mir wächst die Sorte „Magic Candy“ unter dem Strauch, der Kontrast der weissen Blüten mit den rosa Beeren sieht sehr hübsch aus).
Nach der Blüte, die etwa von August bis weit in den Oktober dauert, bilden sich sehr schnell die Samen, die von rosa bis purpurfarbenen Kelchblättern umgeben sind und fast wie Blüten wirken. Der Strauch blüht sozusagen zwei Mal!
Diese „Blüten“ haben wir übrigens einmal als Tischdekoration an unserer Herbstsitzung des Vereins verwendet und es kamen sehr viele Nachfragen, da niemand diesen Fruchtschmuck so richtig einordnen konnte.
Zu guter Letzt ist er auch im Winter durch seine Wuchsform und mit seiner gelblichen, sich ablösenden Rinde schön anzuschauen.
Ein sehr empfehlenswerter Strauch also, dessen holpriger Name einen nicht abschrecken sollte. Es gibt ihn übrigens in den meisten gut sortierten Baumschulen zu kaufen, meist als Containerware, die man rund um das Jahr pflanzen kann – die beste Pflanzzeit kommt allerdings jetzt mit dem Blattfall, so kann der Strauch noch über den Winter gut anwachsen und im nächsten Jahr schon  unsere Bienen erfreuen.
Margit Siegrist