, Siegrist Margit

Heckenkirsche /Geissblatt (Lonicera ssp.)

Nektarwert: 2 Pollenwert. 2 Pollenfarbe: gelb

In dieser Pflanzenvorstellung geht es um eine grosse Gruppe lohnenswerter Gartensträucher, hier ist quasi für jeden etwas geboten und man kann mit dieser Pflanzengruppe eine sehr lange Blütezeit abdecken, wenn man entsprechend Platz im Garten zu Verfügung hat. Unter dem Begriff "Heckenkirschen" fallen bei Lonicera alle strauchig wachsenden Sorten, unter "Geissblätter" reihen sich die kletternden Arten ein.

Fangen wir mit Heckenkirschen und dort mit den Winterblühern an, den "Zwillingen" Winterduftgeissblatt (L. x purpusii) und Wohlriechender Heckenkirsche (L. fragrantissima). Erstere ist eine Hybride und entstand 1920 im botanischen Garten in Darmstadt, aus eben der zweitgenannten Lonicera fragrantissima und  L. standishii, beide stammen aus China. Optisch und von den Blühzeiten sind beide sehr ähnlich: Beide blühen rahmweiss mit gelben Staubgefässen, duften wunderbar und zeigen ihre Blüten sehr lange, zwischen Dezember und April. Der Unterschied soll nur in der Winterhärte liegen, angeblich ist L.fragrantissima härter im Nehmen. Die Bilder des Beitrages stammen von der Wohlriechenden Heckenkirsche, die bei mir vor dem Hauseingang im Schatte eines Holunders gedeiht und herrlich zitronig duftet. Die Blätter bleiben fast den ganzen Winter am Strauch und verabschieden sich erst, wenn der Frühling schon beginnt und der Neuaustrieb schon fast wieder parat ist. Später bildet er kleine, rote Beeren, die für uns ungenissbar sind, aber gerne von den Vögeln abgeräumt werden. Ein sehr pflegeleichter Strauch, ich schneide ihn nur im Frühling in eine ansprechende Form, damit er nicht zu stark in den Eigangsbereich hängt. Beide Arten erreichen etwa eine Endhöhe von 2,5m-3m und stellen keine grossen Ansprüche, wachsen in der Sonne bis im Schatten von Gehölzen, wobei die Blüte natürlich in der Sonne reicher ist.

Weiter geht es mit den sommerblühenden Heckenkirschen, der bekannte Schirmheckenkirsche (l. maackii) und der Tartarischen Heckenkirsche (L. tatarica). Sie sind deutlich grösser, von 2,5 bis 5 m und laubabwerfend, im Gegensatz zu den oben genannten. Die Tatarische wächst straff aufrecht, die Schirmheckenkirsche eben...schirmartig, beide sind ein sehr guter Hintergrund für Staudenbeete und werden meist auch so in den Gärten verwendet. Im Mai und Juni schmücken sie sich dann mit rahmweissen bis rosafarbenen Blüten, die auf Schmetterlinge und Bienen sehr anziehend wirken. Die später gebildeten Beeren sind wieder für die Vögel ein Leckerbissen, wir lassen als Menschen da besser die Finger weg.

Anders bei der dritten Gruppe der Heckenkirschen, die wir für unseren eigene Ernährung pflanzen können: die Maibeere  (L. kamtchatika) und die Honig-oder Erstbeere (L.caerulea). Beide werden etwa 1,5m gross, blühen weiss  im März bis April und tragen heidelbeerartige, längliche Beerenfrüchte, die noch vor den ersten Erdbeeren reifen. Eine echte Entdeckung, um die Zeit der eigenen Beeren ein bisschen früher einzuläuten! Die Heckenkirschen haben gegenüber den Heidelbeeren auch den Vorteil, dass sie kein extra angelegtes Moorbeet brauchen. Sie sind sehr anpassungsfähig, möchten in der Sonne bis im Halbschatten stehen und nicht allzu trockenen Boden, wenn es geht.

Fahren wir mit den kletternden Loniceras fort, den Geissblättern. Da gibt es inzwischen eine grosse Vielfalt verschiedener Sorten und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Von dem gelb blühenden Gold-Geissblatt (L. x tellmanniana, Blütezeit Juni/Juli) über die rot blühenden Geissblätter L. japonica und L. brownii (beide Blütezeit Juni- September), bis zu einer grossen Vielfalt weiss blühender Varianten ist alles dabei, darunter auch das bekannte  "Jelängerjelieber" (L. caprifolium, Blütezeit Mai- Juli). Sie alle möchten bitte lieber mehr Sonne als weniger und brauchen eine Rankhilfe wie eine Pergola.

Wer hier bisher wenig Einheimisches entdecken konnte bisher, der sei beruhigt. Auch das gibt es natürliche in der grossen Gruppe der Heckenkirschen: die Schwarze Heckenkirsche (L.nigra, Blütezeit Mai- Juni) mit blauen Beeren, die Rote Heckenkirsche (L. xylosteum, Blütezeit Mai/Juni) mit roten Beeren, die Alpenheckenkirsche (L. alpigena, Blütezeit Mai-Juni) mit rötlichen Blüten und roten Beeren, die man übrigens alle nicht essen sollte, aber die Vögel nähren. Auch die oben genannte Blaue Heckenkirsche (L.caerulea, Blütezeit Juni-Juli) ist als Wildform bei uns heimisch, genauso wie die kletternden Varianten Jelängerjelieber (s.o.) und das Waldgeissblatt (L. periclymenum, Blütezeit Juni bis August).

Wie anfangs versprochen, ist hoffentlich für jeden etwas dabei gewesen!