Im Januar gehen mir immer regelmässig die Themen aus ... meist ist dieser Monat ja recht frostig und alle Blumen sind verschwunden, alle Bienen sitzen in der warmen Wintertraube und haben vielleicht gerade erst zaghaft angefangen, die erste Brut anzulegen.
Da gibt es nur wenige Pflanzen, die in dieser Zeit überhaupt Blüten anlegen und eigentlich nur eine, die ihren Lebenszyklus quasi auf den Kopf gestellt hat. Sie schläft während der Vegetationszeit und blüht auf, wenn alles andere sich zurückgezogen hat.
Unter dem Namen „Schwarzer Nieswurz“ kennen sie allerdings nur wenige, der Beiname „Christrose“ oder „Schneerose“ ist wesentlich geläufiger - kann man sie doch um Weihnachten herum in jedem Grossverteiler oder Gartencenter hundertfach angeboten sehen.
Sie ist schon seit dem 16. Jahrhundert in unseren Gärten zu finden und ab dem 19. Jahrhundert auch in vielen neuen Sorten, die durch die Einkreuzung der Orientalischen Christrose (H.orientalis) entstanden sind und durch ihre vielfältige Färbung und Musterung der Blüten bestechen.
Von Weiss über Rosa bis Purpur, uni, mit Punkten oder Streifen - sie bringt Farbe in die reinweisse Wildform.
Einerseits blühen sie dafür etwas später, sind aber andererseits auch etwas robuster und halten auch mehr Sonne aus. Denn die ursprüngliche Christrose residiert gerne im Halbschatten, auf kalkhaltigem und humosem Gartenboden, der bitte auch gleichmässig feucht sein soll. Sie stammt aus den Bergwäldern der Alpen und wuchs bei uns - laut Infoflora Schweiz- vor allem im Südlichen Tessin, kommt aber inzwischen weitläufig verwildert vor.
Dass die „Schwarze Nieswurz“ zu den Hahnenfussgewächsen (Ranunculaceae) zählt, sieht man ihr nicht nur an, sondern sie ist auch ziemlich giftig (wie viele Pflanzen, die zu dieser Familie gehören).
Laut dem Autorenehepaar Hintermeier ist die erste nachweisbare Brunnenvergiftung auf die Benutzung von Christrosen zurückzuführen, die immerhin schon 600 vor Chr. in der Einnahme der Stadt Kirrha endete.
Ihr Gift löst Erbrechen, Durchfall, Schwindel und im schlimmsten Fall Kollaps aus.
Deshalb wurde sie schon von Hippokrates als Brech- und Abführmittel benutzt, später dann sollte sie (bis in die Renaissance) Geisteskrankheit heilen. Daher kommt auch ihr lateinischer Name „Helleborus“: von „helleboraio“, verrückt sein
Auch ihr deutscher Name „Nieswurz“ deutet auf ihre Verwendung:  sie war oft Bestandteil des Schnupftabaks (der Zusatz „niger“ bzw. deutsch „schwarz“- übrigens auf die schwarze Farbe des Wurzelstockes).
Durch ihre Blüte in der dunklen Jahreszeit war sie schon früh ein wichtiges Symbol der Kirche und das bekannte Kirchenlied „Es ist ein Ros entsprungen“ ist ihr gewidmet. Was die Kräuterkundigen nicht davon abhielt, sie als Bestandteil von „Hexensalben“  zu verwenden und man hoffte auf ihre magischen Kräfte, um fliegen zu können, unsichtbar zu werden oder auch die ewige Jugend zu erreichen. Leider alles ziemlich vergebens.
Trotz dieser vergeblichen Hoffnung ist sie in unseren Gärten geblieben, manchmal in Gesellschaft ihrer Verwandten „Stinkende Nieswurz“ (H.foetidus) , die von Dezember bis März blüht und ihre Blüten mit Hilfe von Hefekulturen bis zu 6 Grad über der Aussentemperatur erwärmt (ich habe nirgends gefunden, ob das alle Nieswurzen können – die Vermutung liegt aber nahe). Und der „Grünen Nieswurz“ (H.viridis), die bis in den Mai hinein blühen kann.
Die Blütezeit der Christrose reicht - je nach Sorten und Einkreuzung) von November bis in den April und Günter Pritsch weist ihr in seinem Buch „Bienenweide“ den Nektarwert 2 und den Pollenwert 3 von insgesamt vier Stufen zu. Die Unsicherheit, ob zu dieser Jahreszeit ein Insektenbesuch klappt, gleicht die Christrose mit einer sehr langen Blütezeit und der Möglichkeit zur Selbstbestäubung aus.
Dieses Neujahr waren die Christrosen auf meiner Terrasse aber schon durchaus rege besucht und auch an den Fluglöchern der Bienenstöcke konnte man schon das eine oder andere Paar der weiss-gelblichen Pollenhöschen beobachten.
Ihre Samen werden dann - dank kleiner nahrhafter Anhängsel - gerne von Ameisen verbreitet und tauchen überall im Garten auf. Hat man farblich unterschiedliche Sorten gesetzt, darf man sich auf ganz verschiedene Nachkommen freuen. Aber eben nur, wenn die Bedingungen von Boden und Feuchtigkeit her stimmen. Übrigens reagieren Christrosen beleidigt, wenn man sie blühend irgendwo einpflanzt. Besser ist es, die Blütezeit auf dem Fensterbrett oder dem Balkon zu geniessen und sie erst später an den angedachten Platz zu setzen, wenn sie schon verblüht und in Ruhe sind.
Das gilt eigentlich für alle Pflanzen, keine möchte gerne in der anstrengenden Blütezeit umziehen. Die „Diva“ Christrose schon gar nicht, sie möchte auch später gerne in Ruhe gelassen werden, dann bildet sie mit den Jahren wunderschöne Horste.

Margit Siegrist

Liebe Imkerinnen und Imker
Wir wünschen allen Licht, damit wir werden können.
Allen eine besinnliche Weihnachtszeit im Kreise lieber Menschen und ein licht-durchflutete Übergang ins Neue Jahr, bei guter Gesundheit.

Der Vorstand

Recht viele Zwergsträucher tragen in der Umgangssprache den Namen „Heidekraut“ und in dieses sprachliche und gärtnerische Durcheinander möchte ich dieses Mal etwas Ordnung und Durchblick bringen, was nicht ganz einfach ist.
Alle gehören zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae), sind sehr gute Bienenweiden und sehen auch ziemlich ähnlich aus, haben aber sehr unterschiedliche Blütezeiten und Ansprüche an den Boden.
Diese Familie teilt sich in die zwei Gattungen „Erica“ und „Calluna“ (eigentlich in 126 Gattungen, aber die anderen lassen wir der Einfachheit halber mal schlicht weg).
Fangen wir mit der im Spätherbst überall angebotenen „Besenheide“ (Calluna vulgaris) an, die auch den grössten Fallstrick für alle bienenfreundlichen Garten-, bzw. Balkonbesitzer darstellt.
Denn die allermeisten der in den Gartencentern angebotenen Besenheiden gehören zur Zuchtform der „Knospenheide“ und sind damit für Nektar suchende Insekten völlig wertlos. Diese Sorte verharrt nämlich endlos im Knospenstadium, ohne jemals aufzublühen. Durch diesen züchterischen Trick sieht die Pflanze länger hübsch aus und ist unempfindlich gegen Frost, der die aufgeblühte Knospe zerstören würde.
Zumeist sind auch noch die kompletten Pflanzen mit Farbe eingesprüht, um die unwissenden Käufer noch zusätzlich zum Zugreifen zu animieren. Also stellen diese überall erhältlichen Blumen genau das dar, was man eigentlich gar nicht haben möchte!
Die ursprüngliche Besenheide dagegen ist eine wichtige Bienenweide, die im Spätsommer bis in den Herbst hinein blüht und bis zu 40 Jahre alt werden kann. Sie ist auch die Lieferantin des beliebten Heidehonigs, den früher vor allem die Korbimkerei mit ihrer Schwarmbienenzucht lieferte und auch heute noch ein wichtiges Ziel der Wanderimkerei darstellt.
Der geleeartige Honig, der nur durch stippen der Zellen geerntet werden kann (er ist thixotrop, wird also erst durch Bewegung flüssig) wird als beruhigend, den Schlaf und den Appetit fördernd beworben und erzielt hohe Preise.
G. Pritsch gibt den Nektar der Heideblüte mit 23-39% Zucker an (Nektarwert 3, Pollenwert 3 von 4 Stufen) und den möglichen Hektarertrag mit 2-120kg Honig. Denn die Heide honigt bei weitem nicht jedes Jahr und auch das Wetter muss natürlich passen. Allerdings sind die Heidegebiete im Laufe der Zeit stark geschrumpft und die restlichen Gebiete werden mit viel Pflegeaufwand für die Natur und den Tourismus erhalten. Diese Gebiete sind nämlich nicht natürlich entstanden, sondern durch den Eingriff des Menschen und die Beweidung mit Schafen auf sandigen, nährstoffarmen Böden, die zum Ackerbau nicht (mehr) taugten.
Und so braucht auch unsere Garten-Besenheide einen sandigen, sauren Boden und fühlt sich zum Beispiel als Unterpflanzung unter Heidelbeeren oder Ginster wohl. Auch den Verbiss der Schafe sollte man nachahmen und nach der Blüte zur Schere greifen.
Auch in der ursprünglichen Heide wurden die Heidesträucher immer wieder gekürzt, denn man brauchte die Zweige für Besen oder für den First der mit Reet gedeckten Dächer. Heute leistet sie als Sicht- oder Windschutz durch ihre Wetterbeständigkeit gute Dienste.
Dieses Einkürzen ist für die Blühwilligkeit der Pflanzen wichtig, sonst werden sie mit der Zeit kahl.
Soll die Besenheide vermehrt werden, wartet man damit bis zur Samenreife im Frühjahr und legt die Zweige dann auf den neuen Platz. Die Samen fallen aus und können im Schutz der Zweige keimen. Alternativ kann man ältere Zweige, die sich bewurzelt haben, als Ableger verwenden.
Denn  bei angeblich über 10 000 Sorten findet man vielleicht nicht mehr exakt die Besenheidesorte, die man nachpflanzen möchte.
Ebenfalls auf sauren Boden angewiesen sind die nächsten beiden Heidekrautarten, die man im Handel findet: die Glockenheide (Erica tetralix) und die Grauheide (E. cinerea). Die Glockenheide blüht vom Juni bis September und ist in der Schweiz heimisch (laut Flora Helvetica in Bern, Luzern und Sankt Gallen). Die Grauheide blüht dagegen früher, ab Juni bis August, ein Vorkommen in der Schweiz ist nicht verzeichnet.
In den Gartencentern werden auch öfter die südafrikanische Glockenheide (E. gracilis), die Wachsheide (E. ventricosa) und die Kapheide (E. hiemalis) angeboten. Diese sind allerdings natürlich an unsere mitteleuropäischen Winter nicht angepasst und erfrieren, so dass man sie besser erst gar nicht kauft.
Wenn man nun aber nur kalkreichen Boden zu Verfügung hat und kein Moorbeet anlegen möchte, gibt es auch ein empfehlenswertes Heidekraut: die Schneeheide (Erica carnea) die von Januar bis in den April blüht, je nach Sorte. Deshalb wird sie manchmal auch Winterheide oder Frühlingsheidekraut genannt, im Gegensatz zur auch Sommerheide genannten Besenheide. Auch die Blüten sind ähnlich, deshalb werden diese Arten gerne verwechselt. Wer aber die Blätter genauer ansieht, kann sich nicht irren: während die Besenheide schuppenförmige, eng am Zweig anliegende Blättchen hat, schmückt sich die Schneeheide mit nadelförmigen Blättern, die wie bei einem Fichtenzweig quirlartig rundherum wachsen.
G. Pritsch gibt der Schneeheide sogar den höheren Nektarwert 4 und einen Pollenwert von immerhin 2. Die Pollenhöschen beider Pflanzenarten haben eine schmutzig-weissgraue bis rosa Färbung und sind damit recht gut zu erkennen.
Die Schneeheide liebt ebenfalls sandige Böden und toleriert von mässig sauer bis alkalisch jeden Kalkgehalt. Hauptsache der Boden ist schön durchlässig, mässig feucht und die Pflanze hat genügend Sonne. Denn diese Pflanze kommt überall im subalpinen Bereich der Schweiz an kalkhaltigen, trockenen Hängen vor und kommt bestens mit nährstoffarmen Böden zurecht. Wie alle Heidekräuter arbeitet sie mit einem Bodenpilz zusammen, der ihr die nötigen Nährstoffe liefert.
Vermehren lässt sie sich leicht durch Stecklinge im Spätsommer.
Wer noch eine Alternative auf kalkreichen Böden sucht und in sehr warmen Gegenden wohnt, der kann übrigens auch auf die Vielblütige Heide (E. multiflora) zurückgreifen, deren Verbreitungsgebiet vom Mittelmeerraum bis Nordafrika reicht. Diese ist deutlich höher, bis 2,5m und blüht wiederum im Herbst.
Wer nun übrigens glaubt, damit sei die mögliche Höhe eines Heide“krautes“ ausgeschöpft, den möchte ich zum Schluss noch auf die Baumheide (E. arborea) hinweisen, die angeblich stolze 20m erreichen kann und sich vom Januar bis Juli mit den typischen glockenförmigen Blüten ziert. Aber für alle, die nicht zufällig auf den Kanaren oder im Mittelmeerraum leben, bleibt dieser riesige Vertreter leider gärtnerisch unerreichbar.

Margit Siegrist

Wer nach einer Bienenweide sucht, denkt oft nicht an Himbeeren.
Völlig zu Unrecht, denn mit einem Nektarwert der höchsten Stufe 4 und einem Pollenwert von 3 (nach G. Pritsch) ist die Himbeere durchaus nicht nur wegen ihrer Früchte eine echte Bereicherung des Gartens!
Immerhin enthält ihr Nektar zwischen 21 und 70% Zucker und der Hektarertrag wird mit 39 bis 122 kg Honig angegeben.
Auch ihre Blütezeit kann sich sehen lassen: die ersten Blüten erscheinen  im Mai und dann wird - je nach Sorte - durchgeblüht, bis die ersten ordentlichen Fröste übers Land ziehen.
Deshalb lohnt sich bei Himbeeren (wie eigentlich bei allen Gartenpflanzen) eine möglichst grosse Vielfalt an Sorten. So gibt es immer Blüten für unsere Bienen und Früchte für die Küche, ohne dass es zu viel zum Ernten wird.
Wie so viele unserer Frucht- und Zierpflanzen stammt die Himbeere aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie trägt auch eigentlich gar keine Beeren, sondern „Sammelsteinfrüchte“.
Anders als bei ihrer Verwandten, der Brombeere (die ebenfalls zur Gattung Rubus gehört), lösen sich diese Sammelfrüchte leicht vom Blütenboden, was ihr auch den alten Namen „Hohlbeere“ eingebracht hat.
Die Himbeere wird schon sehr lange vom Menschen genutzt, schon in Siedlungen der Steinzeit wurden die winzigen Kerne in grossen Mengen gefunden. Ab dem Mittelalter wurde die „Hintperi“ (althochdeutsch „Beeren der Hirschkuh“) dann kultiviert, vor allem in den Klöstern, die damals oft Vorreiter der Pflanzenzucht waren.
Allerdings stand dort vermutlich die Nutzung als Heilpflanze im Vordergrund, denn die Himbeere wurde zur Behandlung diverser Leiden eingesetzt. Bei Durchfall, Rheuma, Hautproblemen, Entzündungen in Mund und Rachen, Fieber und zur Vorbereitung der Geburt trank man Tee oder bereitete ein Bad aus den Blättern. Die Früchte waren wohl ein willkommener Nebeneffekt des Anbaus, obwohl sie durchaus mit Vitamin C, Magnesium, Eisen, Anthocyanen und anderen gesunden Inhaltsstoffen für ein gesundes Immunsystem sorgen.
In der Schweiz wurden 2020 circa 170 Hektar Himbeeren offiziell als landwirtschaftliche Nutzpflanze angebaut, von denen über 2000 Tonnen Früchte geerntet werden konnten. Damit liegt der Selbstversorgungsgrad allerdings gerade mal bei 30%.
Da die Früchte einen Transport oder eine längere Lagerung nur sehr schlecht vertragen, liegt es nahe, diese Frucht im eigenen Garten oder  auf dem eigenen Balkon zu kultivieren. Und das funktioniert mit ein bisschen Wissen um die Bedürfnisse dieser Pflanze auch sehr gut!
Ursprünglich wächst die Himbeere auf Waldlichtungen und ist eine sogenannte Waldpionierpflanze, die Kahlschläge oder Windwürfe schnell in Beschlag nimmt. Und solche Bedingungen möchte sie auch gerne in unseren Gärten. Also am liebsten einen mässig nährstoffreichen, lockeren Boden in der Sonne oder im Halbschatten, gerne auch mit höherer Luftfeuchtigkeit und kühlen Sommertemperaturen.
Dieses Jahr kam ihr mit dem Regenwetter eigentlich recht entgegen, nur leider gab es auf schweren Böden schnell Probleme mit Staunässe und das mag die Himbeere gar nicht. Ein ständig kühler und nasser Boden führt schnell zu Wurzelkrankheiten, deshalb baut man die Himbeere auf solchen Böden besser auf einem Damm mit Sandbeimischung an.
Ansonsten ist sie pflegeleicht, eine dünne Kompostschicht jedes Frühjahr und ein regelmässiger Schnitt reicht.
Nur, wie schneidet man Himbeeren? Das ist eigentlich auch ganz leicht, man muss nur wissen, ob man eine Sommerhimbeere oder eine Herbsthimbeere vor sich hat.
Die Sommerhimbeeren tragen früh Früchte (teilweise schon im Juni) an den vorjährigen Trieben und nach der Ernte werden alle alten Ruten bodeneben abgeschnitten. Die neuen Triebe werden dann anstatt der alten an das Spalier geheftet (ohne Spalier oder Stütze kommt man meistens bei den Sommerhimbeeren nicht aus).
Gute Sorten wären zum Beispiel „Meeker“ und „Tulameen“ (sehr ertragreiche Klassiker), die goldene „Hauensteins Gelbe“ und wer es  exotisch möchte, kann es mit der schwarzen „Black Jewel“ probieren.
Für die Topfkultur wäre die nur 80cm hohe „Lowberry Baby Dwarf“  zu empfehlen, die sogar bis in den September Früchte trägt.
Bei den Herbsthimbeeren hingegen werden ausnahmslos alle Triebe im späten Herbst oder im frühen Frühjahr abgeschnitten. Dadurch setzt die Blüte und die Fruchtbildung später ein, was den Vorteil hat, dass die Flugzeit des lästigen Himbeerkäfers schon vorbei ist und man keine Fallen aufstellen muss, zumindest wenn man Früchte mit natürlichem Proteingehalt nicht mag. Dafür gibt es dann Blüten und Beeren bis weit in den November, wenn das Wetter mitspielt.
Höhere Sorten lässt man am besten durch ein waagerecht angebrachtes Drahtgitter wachsen, so spart man sich das Aufbinden der Triebe.
Zum Beispiel wären die Schweizer Züchtung „Himbotop“, die sehr robuste „Autumn Bliss“ mit ihren Töchtern „Aroma Queen“ und „Autumn Best“ zu erwähnen. Wer gerne gelbe Himbeeren möchte oder schlicht etwas Abwechslung, ist mit „Autumn Amber“ gut beraten.
Und auch für den Topf gibt es eine Herbsthimbeere, die mit 50cm wirklich klein bleibt und recht früh Früchte trägt: „Lowberry Little Sweet Sister“.
Und was macht man, wenn man gar nicht weiss, welche Himbeere da vor einem steht und geschnitten werden möchte? Da gibt es noch die einfache Möglichkeit, nur die abgeernteten Triebe abzuschneiden und den Rest stehen zu lassen. Die neuen Triebe überwintern und tragen einfach früher Früchte, natürlich geht das aber zu Lasten einer späteren Ernte. An der Wuchsform erkennt man dann meist, mit wem man es zu tun hat und kann den Schnitt so anpassen, dass man zur optimalen Zeit ernten kann.
Die Sortenvielfalt der Himbeeren ist fast endlos, da findet jeder seine Traum-Himbeere von Geschmack, Wuchsform und Erntezeit her.
Wer übrigens glaubt, mit ihr eine echte europäische Beerenpflanze vor sich zu haben, der irrt. Unsere ursprüngliche europäische Himbeere wurde schon früh mit der amerikanischen Waldhimbeere gekreuzt, was für wesentlich grössere Früchte sorgte. Diese Kreuzung setzte sich nicht nur in den Gärten durch, sondern auch ausserhalb, so dass wohl jede Himbeere beide Herkünfte in sich trägt. Eine Suche nach der ursprünglichen „einheimischen Himbeere“ ist ziemlich sinnlos.
Den Schmetterlingen ist dies aber völlig egal, es leben immerhin 54 verschiedene Arten von Himbeerblättern. Und auch unsere Bienen und ihre wilden Verwandten freuen sich sehr über eine Himbeerhecke. Angelegt werden kann sie dank Topfpflanzen jederzeit, nur auf schweren Böden ist es besser, bis in den Sommer zu warten. Dann können die Wurzeln im warmen Boden besser durchstarten.
Wenn man eine gute Sorte in einem Garten entdeckt, kann man Himbeeren übrigens problemlos über die unvermeidlichen unterirdischen Kriechsprosse vermehren. Nur muss man darauf achten, sich nicht eine Wurzel- oder Rutenkrankheit gleich mit einzuschleppen, die wird man nur schwer wieder los. Also besser die Pflanzen genau ansehen oder in guten Gärtnereien kaufen, Qualität hat immer ihren Preis und mit Billigware hat man dann mehr Ärger als Freude.

Margit Siegrist